Ökumenisches Symposium in Salzburg

Ein Symposium im Evangelischen Zentrum Salzburg-Christuskirche erinnerte an die historische Vergebungsbitte durch Erzbischof Rohracher vor 50 Jahren. Im Bild: Superintendent Dantine, am Tisch die Zeitzeugen Herwig Sturm und Johannes Neuhardt. Foto: epd/Uschmann
Ein Symposium im Evangelischen Zentrum Salzburg-Christuskirche erinnerte an die historische Vergebungsbitte durch Erzbischof Rohracher vor 50 Jahren. Im Bild: Superintendent Dantine, am Tisch die Zeitzeugen Herwig Sturm und Johannes Neuhardt. Foto: epd/Uschmann

Vergebungsbitte „hat neues Miteinander eröffnet“

Salzburg (epdÖ) – Vor 50 Jahren hat der damalige Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher mit seiner historischen Vergebungsbitte für die Vertreibung der Salzburger Protestanten durch Erzbischof Firmian im 18. Jahrhundert eine neues ökumenisches Miteinander eröffnet. Mit einem Symposium im Evangelischen Zentrum Salzburg, das einem Dankgottesdienst voranging, erinnerten die Evangelische und die Römisch-katholische Kirche an das prägende Ereignis.

Das  Vatikanische Konzil habe Erzbischof Rohracher „tiefgreifend verändert“, erklärte Susanne Heine, emeritierte Professorin für Praktische Theologie und Religionspsychologie in ihrem Eröffnungsreferat. Das von Papst Johannes XXIII. einberufene Konzil war, so Heine, „von ökumenischem Geist getragen“, auf Erneuerung der Römisch-katholischen Kirche ausgerichtet und hatte Vertreter der Kirchen der Reformation als Beobachter eingeladen. Vor diesen sprach der Papst am 29. September 1963 eine Vergebungsbitte aus, diesem Vorbild sei dann Erzbischof Rohracher gefolgt. Damit Vergebung gelinge, „muss beiden an der Beziehung zueinander liegen“, bekräftigte Heine. Das Konzil habe einen „überaus bedeutsamen Anfang für Verständigung und Frieden gesetzt“, Evangelische und Katholiken hätten seitdem „gemeinsam einen neuen Weg beschritten“, das gemeinsame Abendmahl sei allerdings noch immer nicht möglich. „Aber kommt es nicht erst dann zur Versöhnung, wenn wir gemeinsam vor dem Tisch des Herrn stehen und einander die Hand reichen?“, fragte die evangelische Theologin kritisch an.

Rohrachers Einstellung zur Ökumene spürte der Salzburger Kirchenhistoriker Dietmar Winkler nach. Schon vor dem Konzil ließen sich durchaus ökumenische Ansätze bei Rohracher erkennen, dennoch habe das Konzil dann bei Rohracher eine „ökumenische Wende“ bewirkt. Zudem habe die vertrauensvolle Beziehung zwischen dem vormaligen Salzburger Pfarrer und späteren Superintendenten Emil Sturm und dem Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher eine wichtige Rolle gespielt, denn „ohne gegenseitiges Vertrauen ist kein Zueinanderfinden möglich“, sagte Winkler. Die Vergebungsbitte sei weit über das Persönliche hinausgegangen und habe „ein neues Miteinander eröffnet“.

Zu Wort kamen bei dem Symposium auch Zeitzeugen, darunter der frühere Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche, Herwig Sturm, Sohn des damaligen Superintendenten Emil Sturm, und Prälat Johannes Neuhardt. Beide unterstrichen das starke Engagement von Rohracher und Sturm in der Flüchtlingsfrage. Rohracher, so Neuhardt, habe ein „große Veränderung“ durchlebt und nach dem Konzil deutlichgemacht, „dass das enge konfessionelle Denken der Vergangenheit angehört“. Als „großes Geschenk der Vergebungsbitte“ bezeichnete Altbischof Herwig Sturm die Tatsache, „dass wir seitdem gemeinsam über unsere Geschichte reden können, ohne zu befürchten, dass es beim Anderen Verletzungen gibt“.

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ISSN 2222-2464