Ökumenischer Jahresempfang in Graz im Zeichen von Wirtschaft und Ethik

Andrea Boxhofer, Sandra Schwarzenbacher und der Rektor der "Diakonie Eine Welt", Michael Bubik, fordern bei der Präsentation der "Hoffnungsträger"-Plakatkampagne in Wien: "Niemand darf verloren gehen". Foto: Diakonie
Andrea Boxhofer, Sandra Schwarzenbacher und der Rektor der "Diakonie Eine Welt", Michael Bubik, fordern bei der Präsentation der "Hoffnungsträger"-Plakatkampagne in Wien: "Niemand darf verloren gehen". Foto: Diakonie

Bubik: „Wachsende Ungleichheit auf der Welt ein Skandal“

Graz (epdÖ) – Das Verhältnis von Wirtschaft und Ethik stand im Mittelpunkt des diesjährigen Jahresempfangs des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark am 23. November im Landhaus in Graz.

Der steirische Superintendent Hermann Miklas räumte in einer Podiumsdiskussion mit gängigen Klischees auf: Die Wirtschaft sei nicht allein den Spielregeln des Marktes verpflichtet. Es sei kein Luxus, auch auf ethische „Werte“ Rücksicht zu nehmen. Ebenso falsch sei das Klischee, die Kirche sei allein den zeitlos gültigen Grundsätzen des Evangeliums verpflichtet und brauche sich um die Gesetze des realen Marktes nicht zu kümmern. Miklas rief beide Seiten, Kirche und Wirtschaft, zum Dialog auf: „So wie die Kirchen derzeit beginnen müssen, bis zu einem gewissen Grad auch marktwirtschaftlich zu denken, müssen sich Unternehmen heute auch mit ethischen Grundfragen auseinandersetzen, um mittelfristig am Markt bestehen zu können“, so der Superintendent. Im Gespräch miteinander sei es wichtig, konkrete und realisierbare ethische Standards herauszuarbeiten, zeigte sich Miklas überzeugt.

„Die wachsende Ungleichheit auf der Welt ist für mich ein Skandal. Die 500.000 Menschen, die in Österreich arm sind, die eine Milliarde Menschen, die weltweit hungert. Diese Situation so rasch wie möglich zu verändern, müsste unsere vordringlichste Aufgabe sein“, mahnte Michael Bubik, Rektor der „Diakonie Eine Welt“ beim Empfang in Graz. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung kritisierte Bubik, dass die Menschen im Westen heute bereits dreimal so viel an Ressourcen verbrauchten, wie allen Menschen durchschnittlich zu Verfügung stünden. Für die Zukunft müssten sich Politik, Gesellschaft und Kirche noch intensiver etwa mit den Fragen nach einer nachhaltigen Energieversorgung, Landnutzung und Mobilität auseinandersetzen. Aber auch Themen wie gerechte und effiziente Steuersysteme, das Schließen von Steuerschlupflöchern oder die Einhaltung der Menschenrechte müssten uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr beschäftigen, erklärte Bubik. Als Geschäftsführer einer diakonischen Einrichtung mit 650 MitarbeiterInnen und 24 Millionen Euro Umsatz im Jahr versuche er, jedem einzelnen Mitarbeiter Respekt entgegenzubringen oder etwa zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beizutragen.

Iris Straßer, Unternehmensberaterin und Geschäftsführerin des Netzwerks „Verantwortung zeigen“ betonte, dass moralische Vorgaben und Ratschläge die Wirtschaft nicht unterstützten, sehr wohl aber „der offene Dialog über das Gelingen des Wirtschaftens und die sektorübergreifende Diskussion zum Wohl der Gesellschaft im Land“. Der Austausch zwischen engagierten Führungskräften aus kirchlichen Strukturen und Wirtschaft sei für beide Seiten wertvoll. Und in so mancher Wertefrage sei die Kirche wichtiger Gesprächspartner für Unternehmen und Institutionen auf dem Weg, gut zu wirtschaften, so Straßer.

Dem Ökumenischen Forum christlicher Kirchen in der Steiermark gehören die Altkatholische Kirchengemeinde Graz, die Diözese Graz-Seckau, die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde Graz, die Evangelische Superintendenz A.B. Steiermark, die Griechisch-orientalische Metropolis, die Koptisch-orthodoxe Gemeinde Graz und die Rumänisch-orthodoxe Gemeinde an. Beobachterstatus haben die Armenisch-apostolische Kirchengemeinde Österreich, die Baptistengemeinde Graz, die Russisch-orthodoxe Gemeinde in Graz und die Grazer serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde.

ISSN 2222-2464