Ökumene-Woche: Gutes Klima und offene Fragen

Zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ vom 18. bis 25. Jänner

Wien, 16. Jänner 2002 (epd Ö) Am Freitag, 18. Jänner, beginnt die „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“. An ihr beteiligen sich weltweit Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Konfessionen. Die Weltgebetswoche steht dieses Jahr unter dem Motto „Bei dir ist die Quelle des Lebens“; in Österreich sind zahlreiche Veranstaltungen für die Ökumene-Woche geplant.

Einer der Höhepunkte ist der Festgottesdienst des „Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich“ (ÖRKÖ) am Sonntag, 20. Jänner, um 16 Uhr in der Reformierten Stadtkirche in der Wiener Dorotheergasse. Die Predigt hält Chorepiskopos Emanuel Aydin von der Syrisch-orthodoxen Kirche. Dem Thema der Gebetswoche, „Bei dir ist die Quelle des Lebens“, liegt Psalm 36,6-10 zu Grunde. „Basis der Erneuerung und der Vertiefung ökumenischen Lebens ist die gemeinsame Hinwendung zu Gott als der Quelle des Lebens“, so der Wiener evangelisch-lutherische Superintendent Werner Horn, Pressesprecher des ÖRKÖ.

Gemeinsame Verantwortung für Europa

Seit 1968 werden die Themen und Texte für die Gebetswoche von einer gemeinsamen Kommission von Vertretern des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen erarbeitet. Die Entwürfe kommen jedes Jahr von einem anderen Kontinent. Thema und Bibeltext für die Gebetswoche 2002 wurden von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der „Konferenz Europäischer Kirchen“ (CEC) und des „Rates Europäischer Bischofskonferenzen“ (CCEE) ausgewählt. Mit der Gebetswoche soll die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen und ihr gemeinsames Zeugnis im Kontext Europas in den Mittelpunkt gerückt werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die im April 2001 verabschiedete „Charta Oecumenica“, in der CEC und CCEE Leitlinien für das Zusammenwirken der europäischen Kirchen entwickelt haben.

Die Vorsitzende des ÖRKÖ, Oberin Christine Gleixner, unterstrich im Vorfeld der Gebetswoche „das gute ökumenische Klima“ in Österreich und verwies auf zahlreiche Aktivitäten, die von den Kirchen gemeinsam getragen würden, so beispielsweise das Projekt „Sozialwort“ sowie der in Kooperation mit dem ORF veranstaltete „Treffpunkt Ökumene“. Die einzelnen Kirchen würden sich dabei „mit viel Engagement einbringen“. Auch bei der Beurteilung neuer ethischer Fragen arbeite man eng zusammen, betonte Gleixner und nannte die Erklärung des ÖRKÖ zum menschenwürdigen Sterben. „Es gibt aber auch eine Reihe offener Fragen, denen wir uns stellen müssen“, so die ÖRKÖ-Vorsitzende weiter. Stellungnahmen wie das vatikanische Dokument „Dominus Iesus“ oder die Empfehlung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bei ökumenischen Anlässen die Lutherbibel zu verwenden, würden Anlass zur Auseinandersetzung geben. Auch gebe es von verschiedenen Seiten ein „starkes Drängen“ zur Interkommunion. Vor allem konfessionsverschiedene Paare seien davon betroffen, so Gleixner. Derzeit müsse man aber festhalten, dass eine solche Mahlgemeinschaft nicht möglich sei.

„Wo lebt die eine, heilige, apostolische Kirche?“

Am 25./26. Jänner widmet sich die traditionelle Ökumenische Fachtagung im kardinal-könig-haus dem Thema „Wo lebt die eine, heilige, apostolische Kirche?“. Unter den Referenten sind u.a. Metropolit Michael Staikos, Weihbischof Helmut Krätzl, em. Prof. Philipp Harnoncourt, Architekt Heinz Tesar und der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura. Am 28. Jänner bittet Kardinal Christoph Schönborn die Vertreter der christlichen Kirchen wieder zum traditionellen Ökumenischen Empfang in das Erzbischöfliche Palais.

In Linz wird der ökumenische Gottesdienst zur Gebetswoche am Donnerstag, 24. Jänner, um 18.30 Uhr in der serbisch-orthodoxen Kirche in der Posthofstraße gefeiert. In Salzburg veranstaltet der „Ökumenische Arbeitskreis“ den ökumenischen Gottesdienst am 19. Jänner um 18 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Andrä. Zu einem Ökumenischen Wochenende laden die Kirchen in der Steiermark von kommendem Freitag bis Samstag ins Bildungshaus Graz-Mariatrost. Zum Thema „Das Heilige als Konfliktstoff“ sprechen u.a. die evangelische Theologin Univ.-Prof. Dr. Susanne Heine und der griechisch-orthodoxe Theologe Dr. Grigorios Larentzakis. Abgeschlossen wird das Ökumenische Wochenende am Sonntag um 18.15 Uhr mit einem gemeinsamen Wortgottesdienst in der Grazer Stadtpfarrkirche.

ISSN 2222-2464