Neue evangelische „Grundlinien einer Friedensethik“

Fragen eines gerechten Krieges und das Verhältnis von Kirche und Bundesheer standen im Mittelpunkt eines Symposiums in Wien. Foto: wikimedia/mick7402
Fragen eines gerechten Krieges und das Verhältnis von Kirche und Bundesheer standen im Mittelpunkt eines Symposiums in Wien. Foto: wikimedia/mick7402

Wien: Militärethisches Symposium zum Thema Evangelium und Frieden

Wien (epdÖ) – „Evangelium und Friede“ – unter diesem Thema trafen sich Militärseelsorger und andere Angehörige des österreichischen Bundesheeres in Wien, um über Fragen eines gerechten Krieges, Krieg als „Un-Mittel der Politik“ und das Verhältnis von Kirche und Bundesheer zu sprechen. Das Symposium, veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Soldaten und dem Institut für Militärethische Studien bei der Evangelischen Militärsuperintendentur, fand im Rahmen des Reformationsjubiläumsjahres unter dem Motto „Freiheit und Verantwortung – 500 Jahre Reformation“ statt.

In seinem Vortrag präsentierte der evangelische Militärsuperintendent Karl-Reinhart Trauner das Thesenpapier „Grundlinien einer Friedensethik. Eine österreichische evangelische Positionierung“. Im Vergleich zu früheren evangelischen Dokumenten zur Friedensethik, die kaum rezipiert worden seien, erhofft man sich diesmal eine größere Verbreitung innerhalb des Österreichischen Bundesheeres und der Evangelischen Kirche in Österreich. Aus diesem Grund habe man sich auch bemüht, eine knappe und gut verständliche Sprache zu wählen, zusammengefasst in sechs Thesen. Darüber hinaus wurden im Vorfeld auch die Expertisen von Oberkirchenrat Karl Schiefermair und Univ.-Prof. Ulrich Körtner von der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien eingeholt, erklärte Trauner. Darüber hinaus sei es von Anfang an klar gewesen, dass das Papier ökumenisch – in Bezug auf die Römisch-katholische Kirche – konsensfähig sein solle. Das neue Papier sei letztlich auch deshalb notwendig geworden, weil sich die Weltlage immer wieder im Wandel befinde.

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, so lautet die erste These des Papiers. Dazu Trauner: „Das wurde übernommen von einer Erklärung des Weltkirchenrats und ist – militärisch gesprochen – die Ausgangslage für alle weiteren Thesen.“ Trotzdem könne man nicht seine Augen davor verschließen, dass es in der Welt auch Böses gebe, von daher bietet die zweite These eine Analyse der Weltlage, auch in theologischer Hinsicht. Die dritte These bringt eine spezifisch christliche Perspektive ein, nämlich dass „das Böse mit Gutem überwunden werden soll“. Die vierte These beschäftigt sich mit Staatsethik aus evangelischer Sicht und geht über in die fünfte These, die unter dem Titel „Wohl dem, der sich der Schwachen annimmt“ steht. „Das ist eine Linie, die sich auch bei Luther in seiner Staatsethik findet“, unterstrich Militärsuperintendent Trauner. „Für Recht und Frieden sorgen“ ist der Titel der sechsten These. Darin werde noch einmal betont, dass nur der Friede eine Perspektive sein könne und Krieg als Mittel der Politik ausgeschlossen werden müsse. „Das Papier gibt jedenfalls auch den aktuellen Diskussionsstand wieder“, so Trauner.

Über „Evangelium und Friede aus römisch-katholischer Sicht“ sprach Jakob Helmut Deibl (Universität Wien und Pontifico Ateneo Sant’Anselmo in Rom). Deibl erinnerte in seinem Referat an die päpstliche Enzyklika „Pacem in terris“, die sich nicht nur an die Römisch-katholische Kirche, sondern an alle „Menschen guten Willens“ gerichtet hat. In diesem Dokument zeige sich eine deutliche Abkehr von der bisherigen Lehre von Krieg und Frieden. „Wahrer Friede kann nur durch gegenseitiges Vertrauen entwickelt und gestärkt werden, letzter Garant soll nicht Hochrüstung sein, sondern eine Form gegenseitigen Vertrauens“, sagte Deibl über den Grundtenor der päpstlichen Enzyklika. In den Enzykliken von Papst Franziskus werde Friede nicht nur als Abwesenheit von Krieg verstanden, sondern ist Friede immer auch eingebettet in ökologische Fragen sowie in Fragen des Gemeinwohls. „Friede wird also nicht verstanden als Einfrieren eines gesellschaftlichen Zustands, der Armen und Benachteiligten Partizipation verwehrt“, meinte Deibl. Franziskus jedenfalls suche in diesen Fragen den Dialog, auch mit internationalen und nationalen Autoritäten. Dahinter stehe die Überzeugung, dass Kirchen sich qualifiziert in diesen Dialog einbringen können und etwas zu sagen haben. Dabei verstehe sich die Kirche aus Sicht von Franziskus als eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe und nicht beziehungsweise nicht mehr als Institution mit Deutungshoheit, bekräftigte Deibl.

Im Rahmen des Symposiums „Evangelium und Friede“ wurde auch das kürzlich erschienene Buch „Reformation und Bildung – Die Bedeutung der Aus-, Fort- und Weiterbildung im ÖBH und der Beitrag der Evangelischen Militärseelsorge dazu“ präsentiert.

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ISSN 2222-2464