Linz: Kirchen rufen zu gemeinsamem Bemühen gegen Hass auf

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer beim ökumenischen TV-Gottesdienst in Linz. Foto: epd/Uschmann
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer beim ökumenischen TV-Gottesdienst in Linz. Foto: epd/Uschmann

Ökumenischer TV-Gottesdienst zum Adventbeginn

Linz (epdÖ) – Ein außergewöhnliches Zeichen der Verbundenheit setzten am Sonntag, 27. November, in Linz die Evangelischen Kirchen und die Römisch-katholische Kirche bei einem gemeinsamen Fernsehgottesdienst zu Adventbeginn in der evangelischen Versöhnungskirche. Der Linzer römisch-katholische Diözesanbischof und Ökumene-Beauftragte der Österreichischen Bischofskonferenz Manfred Scheuer und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker betonten in ihren Predigten das gemeinsame Bemühen der Kirchen im Kampf gegen Diskriminierung, Hass und Intoleranz und im Einmahnen der Menschenwürde.

An der Wurzel von Krieg und Terror stünden oft, so Scheuer, die „Vergötzung von Heimat und Landbesitz, von Nation, von Ethnie und einer exklusiv verstandenen Religion“. Diese gelte es zu entlarven und dagegen Gott als „Urgrund von allem, als den Urgrund von Frieden und Versöhnung zu verkünden“. Eigene Verfolgungsängste und Hassgefühle müssten aufgearbeitet, Feindbilder abgebaut und Vorurteile hinterfragt werden. Als Schablone könne die Friedensvision aus dem Jesaja-Buch dienen, sagte der Bischof.

Diese Vision und der als Friedenskönig im Neuen Testament dargestellte Jesus fordern laut Bünker heraus, Verachtung und Missachtung von Menschen, von Minderheiten, von anders Denkenden, anders Glaubenden und anders Lebenden zu widerstehen und kritisch gegenüber Macht und Geld zu sein. Wer heute gewinnen wolle, müsse laut und polarisierend, verletzend in der Konfrontation und gnadenlos zu den anderen und zu sich selbst sein.

Österreich sei aktuell geprägt von Gegensätzen, die sich zuspitzen, von einem sich verschärfenden Ton, Hass und Ablehnung und einem vergifteten Miteinander, erklärte Bünker. „Unsere Welt, gejagt und gehetzt von rasanten Entwicklungen, die scheinbar ungesteuert ablaufen, uneinig in dem, was dem Frieden dient, unentschlossen in der Bewahrung der Schöpfung, uneinsichtig, wenn es um Recht und Würde für alle, um Gerechtigkeit für jeden und jede geht.“

Fortschritte in der Ökumene

Sowohl Scheuer als auch Bünker lobten die Fortschritte in der Ökumene. In ihr „sehen wir heute, wie viel wir einander geben können und schon gegeben haben“, unterstrich Bünker. Ökumene sei als Gabe zu verstehen, „in der die Vielfalt keine Bedrohung und kein Ärgernis ist, sondern eine bereichernde Erfahrung, die uns etwas von der Fülle spüren lässt, die aus Gottes Gnade fließt“. Die Freude über eine „wiederentdeckte ökumenische Verbundenheit“ habe auch ihre Berechtigung, so Scheuer. Dieses Miteinander sei keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut.

Gottesdienst mit vier verschiedenen Konfessionen

Erstmals feierten vier Konfessionen einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntagvormittag, der vom ORF und ZDF live aus der evangelischen Versöhnungskirche in Linz übertragen wurde. Dem Gottesdienst standen neben Scheuer und Bünker der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs vor. Das Motto für die Feier lautete: „Im Licht der Versöhnung gesehen“.

Vor Beginn des Gottesdienstes machten sich Delegationen der katholischen Pfarre Linz-Heiliger Geist, der örtlichen evangelisch-methodistischen Gemeinde und der örtlichen evangelischen Gemeinde H.B. in Form eines Sternmarsches auf den Weg zur Versöhnungskirche.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurde an einem speziellen Adventkranz der Diakonie die erste Kerze entzündet. Es handelt sich dabei um einen Kranz mit vier großen Kerzen für die Adventsonntage und je einer kleinen Kerze für die Werktage im Advent. Die Diakonie will damit an den Ursprung des Adventkranzes erinnern: Der evangelische Pfarrer Johannes Wichern hat den Adventkranz im 19. Jahrhundert für benachteiligte Jugendliche in ebendieser Form erfunden. Am Ende des Gottesdienstes wurde mit dem Segen auch das Kerzenlicht als „Licht der Versöhnung“ an alle Mitfeiernden weitergegeben, damit diese es hinaus in die Welt tragen.

Gesehen haben den TV-Gottesdienst in Österreich 82.000 Menschen, das entspricht einem Marktanteil von 16 Prozent. „Sehr gute Werte“, bilanziert der ORF, für 2016 erreichte der Linzer Gottesdienst den bis jetzt höchsten Marktanteil bei den eigenproduzierten Gottesdiensten und die zweithöchste absolute Zahl. Nur die Übernahme „Ostern aus Rom“ sahen in beiden Kategorien mehr Menschen.

Die evangelische Versöhnungskirche und das dazugehörende Gemeindezentrum im Linzer Stadtteil St. Magdalena wurde im Oktober 1997 nach nur gut einjähriger Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben. Sie präsentiert sich von außen durch unverputzte Wände aus Altbauziegeln sowie die Materialien Holz, Glas und Stahl. Die zwei Bauten mit Flachdächern sind ein- bis zweigeschoßig und asymmetrisch gegliedert. Der Kirchenbau wird von einer turmartigen Glas-Stahl-Konstruktion akzentuiert und überhöht, die über einen Lichtschacht den Altarbereich mit Licht versorgt und heraushebt.

Fotos von der Produktion und ein Videoclip aus dem Übertragungswagen unter foto.evang.at

ISSN 2222-2464