Körtner: „Kirche braucht missionarische Dimension“

EKD-Umfrage zeigt, dass die evangelische Kirche ihre Mitte verliert. Übrig bleibe ein "harter Kern". Foto: epd/Uschmann
EKD-Umfrage zeigt, dass die evangelische Kirche ihre Mitte verliert. Übrig bleibe ein "harter Kern". Foto: epd/Uschmann

EKD-Umfrage zeige, dass es keinen „Megatrend Religion“ gibt

Berlin/Wien (epdÖ) – Ein Umdenken in Kirche und Theologie fordert der Wiener evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner angesichts der Ergebnisse der fünften Erhebung über Kirchenmitgliedschaft in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die kürzlich veröffentlicht wurden. Demnach sinke die Zahl der Kirchenmitglieder und auch jene, die noch der Kirche angehören, würden immer mehr die Verbundenheit mit ihr verlieren. Der EKD gehe zunehmend die Mitte verloren, die Bindung an die Institution schwinde, übrig bleibe ein stabiler Kern überzeugter und engagierter ChristInnen.

Der Glaube an eine Wiederkehr der Religion „stellt sich nun als Irrtum heraus, vor dem freilich schon damals manche gewarnt haben“, betont Körtner angesichts der Umfrage-Daten in einem Beitrag für die Zeitschrift „Materialdienst der EZW“ (Ausgabe 4/2014) und kritisiert seine Kollegen. „Nun haben auch jene Theologen Anlass zur Selbstkritik, die der EKD und ihren Verantwortlichen über Jahre hinweg den angeblichen ‚Megatrend Religion‘ eingeredet haben.“ Zwar gebe es in der Gesellschaft Phänomene von Religion und Religiosität, vorherrschend sei aber ein Gewohnheitsatheismus, der immer höhere Zuwachsraten verzeichne. Sich mit diesem intensiv auseinanderzusetzen sei Aufgabe der Kirche. Sich auf eine christliche Kerngruppe zurückzuziehen und nur mehr diese zu bedienen könne jedenfalls keine Lösung sein, das Evangelium müsse auch zu den Gottlosen gebracht werden, schreibt Körtner. „Das aber wird nicht funktionieren, indem man Letzteren einzureden versucht, sie seien doch auch im Grunde religiös, weil Religion eine anthropologische Grundkonstante sei.“

Konkret wünscht sich Körtner von Wissenschaft und Kirche eine neue Theologie des Wortes Gottes, damit verbunden eine Stärkung der Predigtkultur, die auch dazu führen solle, dass wieder mehr von Gott geredet wird. „Nicht wenige, die unter dem Gottesverlust in der Gegenwart leiden, vermissen die pointierte Rede von Gott.“ Darüber hinaus spricht sich Körtner für eine neue Theologie der Diaspora aus. Die Säkularisierung sei mittlerweile „harte Realität“, die Diasporaexistenz als das Minderheit-Sein der Kirche betreffe längst nicht mehr nur evangelische Kirchen und würde zur „gemeinsamen ökumenischen Erfahrung“. Von daher brauche es eine Theologie, verstanden als „Ermutigung, sich in diese Welt einzumischen und das Evangelium von der Liebe Gottes in Wort und Tat zu bezeugen“. Ziel dieser Theologie, einer öffentlichen Theologie, müsse es sein, die Weitergabe des Evangeliums und des Glaubens voranzutreiben, dazu bedürfe es aber auch der „Rückbesinnung auf die missionarische Dimension der Kirche und ihres Auftrages“, unterstreicht Körtner.

ISSN 2222-2464