Körtner: „Ignoranz“ in Debatte um Kreuz im öffentlichen Raum

„Das Kreuz ist nun einmal kein Symbol jüdischen Glaubens, und Juden sind im Zeichen des Kreuzes grausam verfolgt worden“, schreibt der evangelische Theologe Ulrich Körtner in einem Gastkommentar für „Die Furche“. Foto: epd/Uschmann
„Das Kreuz ist nun einmal kein Symbol jüdischen Glaubens, und Juden sind im Zeichen des Kreuzes grausam verfolgt worden“, schreibt der evangelische Theologe Ulrich Körtner in einem Gastkommentar für „Die Furche“. Foto: epd/Uschmann

Braucht mehr religiöse Bildung und Religionskritik

Wien (epdÖ) – In der Debatte um die Präsenz des Kreuzes im öffentlichen Raum hat sich der Wiener evangelische Theologe Ulrich Körtner für eine verstärkte religiöse Bildung ausgesprochen. Diese solle helfen, in entsprechenden Diskussionen kompetent Stellung zu beziehen. So ortet Körtner in einem Gastkommentar für die Wochenzeitung „Die Furche“ (Ausgabe vom 20. Februar) „Ignoranz“ unter anderem bei Integrationsministerin Susanne Raab. Die ÖVP-Politikerin hatte das Kreuz im Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ als „klares Zeichen für unser christlich-jüdisches Erbe“ bezeichnet. „Das Kreuz ist nun einmal kein Symbol jüdischen Glaubens, und Juden sind im Zeichen des Kreuzes grausam verfolgt worden“, entgegnet Körtner.

Auch verwehrt sich der reformierte Theologe gegen eine Gleichsetzung von Christentum und Esoterik, wie sie von Kritikern oft geübt wird: „Ich habe ein Problem damit, wenn gegen christliche Symbole in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen polemisiert wird, während gleichzeitig esoterische Praktiken toleriert werden, zum Beispiel Kristalle, die negative Energien abwehren sollen“, so Körtner in Anspielung auf das Wiener Krankenhaus Nord. In dem neu errichteten Spitalskomplex sollen künftig keine Kreuze mehr angebracht werden; dafür hatte man während des Baus einen „Energie-Schutzring“ um knapp 100.000 Euro in Auftrag gegeben.

Körtner zieht den Schluss: „Was wir in unserer pluralistischen Gesellschaft brauchen, damit ein friedliches Zusammenleben aller Bürger gelingt, sind nicht nur fundierte und differenzierte Informationen über Religionen und Weltanschauungen, sondern religiöse Bildung.“ Das impliziere auch Religionskritik, die aber nicht mit Religionsfeindlichkeit gleichzusetzen sei. Insbesondere der Blick auf die Staaten des real existierenden Sozialismus habe gezeigt, dass eine religionsfeindliche Gesellschaft keineswegs humaner oder toleranter sei „als eine Gesellschaft, die den Religionen ihren Platz im öffentlichen Leben, auch in den Schulen, einräumt und ihre Mitwirkung am Gemeinwohl ausdrücklich fordert und fördert“.

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ISSN 2222-2464