Koch: Bildungsauftrag weiterführen und intensivieren

Evangelische Kirche im Burgenland startet ins Jahr der Bildung: v.l.: Direktor Gottfried Wurm, Bischof Michael Bünker, Pfarrerin Tanja Sielemann, Superintendent Manfred Koch und Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Foto: epd/Uschmann
Evangelische Kirche im Burgenland startet ins Jahr der Bildung: v.l.: Direktor Gottfried Wurm, Bischof Michael Bünker, Pfarrerin Tanja Sielemann, Superintendent Manfred Koch und Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Foto: epd/Uschmann

„Bildungshelden“ gesucht – Bünker: Evangelischer Religionsunterricht ist hervorragender Ethikunterricht

Oberschützen (epdÖ) – Bildung sei ein zentrales Grundanliegen der Reformation, erklärte der evangelische Superintendent des Burgenlandes Manfred Koch bei der Pressekonferenz anlässlich des Jahres der Bildung der Evangelischen Kirchen in Österreich am 26. Februar im Wimmer-Gymnasium in Oberschützen. Gerade im Burgenland könne man auf eine lange evangelische Schultradition zurückblicken, so Koch. Neben dem evangelischen Wimmer-Gymnasium, das vor 170 Jahren gegründet wurde, hätten auch zahlreiche ein- und zweiklassige Pflichtschulen zur Bildung im Burgenland beigetragen. Dennoch sieht Koch nach wie vor Handlungsbedarf im Bildungsbereich. „Man müsste annehmen, dass sich nach 500 Jahren das Anliegen der Reformation erfüllt habe. Das ist aber nicht der Fall. Laut einer aktuellen Statistik sind in Österreich 600.000 Menschen Analphabeten“, so der Superintendent. Dazu zählen auch Personen, die Texte zwar lesen, aber nicht erfassen können. „Ich denke, diese Tatsache stellt die Kirche vor eine neue Herausforderung. Wir müssen unseren Bildungsauftrag weiterführen und intensivieren.“ Insofern sei das Schwerpunktjahr Bildung auch nicht der Startschuss oder der Höhepunkt kirchlicher Bildungsbestrebungen, sondern Auftrag zur Weiterarbeit, betonte Koch.

Den hohen Stellenwert der Bildung innerhalb der Kirchen der Reformation betonte auch Bischof Michael Bünker. Die Reformation habe es sich nicht nur zum Ziel gemacht, die Kirche zu erneuern, sondern die Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Diese gesamtgesellschaftliche Erneuerungsbewegung habe auch Schulen und Universitäten umfasst. Auch heute noch spielt etwa das Schulwesen eine wichtige Rolle für die Evangelischen Kirchen, so der Bischof. So gab es nicht nur evangelische Schulgründungen im 16. Jahrhundert, sondern auch im 21. Jahrhundert. Aufgrund der SchülerInnenzahl und der Anmeldungen könne man sehen, dass diese Schulen auch heute noch hohe Attraktivität besitzen, sagte Bünker.

Zum Bildungsauftrag der Kirche gehöre auch der konfessionelle Religionsunterricht, der von den Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen werde. Bünker spricht sich klar für den Religionsunterricht aus, dieser sei ein geeignetes Mittel gegen Radikalisierung sowie Extremismus. Für Schülerinnen und Schüler, die den konfessionellen Religionsunterricht nicht besuchen, wünscht sich der Bischof einen verpflichtenden Ethikunterricht. Allerdings spricht er sich klar für die Beibehaltung des konfessionellen Religionsunterrichts aus und betont: „Der evangelische Religionsunterricht ist ein hervorragender Ethikunterricht. Er macht die Schülerinnen und Schüler dialogfähig und bringt sie in Kontakt mit anderen Religionen und Weltanschauungen.“

Das Jahr der Bildung diene aber auch dazu, auf soziale Probleme rund um das Thema Bildung aufmerksam zu machen, so Bünker. „Österreich steht besonders dort schlecht da, wo es um Bildungschancen von Kindern aus sozial schwachen Familien, aus Familien mit Migrationshintergrund oder beispielsweise um Kinder von Alleinerziehenden geht. Nur jedes vierte Kind hat einen besseren Bildungsabschluss als seine Eltern. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf.“

„Bildung geht uns alle an! Als Evangelisches Bildungswerk im Burgenland wollen wir Erwachsene in ihrer Fort- und Weiterbildung unterstützen sowie Pfarrgemeinden bei ihren Bildungsprojekten fördern“, erklärte Tanja Sielemann, Pfarrerin in Oberschützen und Obfrau des Evangelischen Bildungswerks Burgenland. Ein Höhepunkt des Bildungsjahrs im Burgenland sei der österreichweite Bildungssonntag am 15. März. Neben Gottesdiensten werden auch zahlreiche andere Veranstaltungen an diesem Tag stattfinden. Darüber hinaus werden das ganze Jahr hindurch Bildungsveranstaltungen im Burgenland stattfinden. Mit der Aktion „Bildungshelden“ möchte man besonders engagierte MitarbeiterInnen der Pfarrgemeinden suchen, die am 30. Oktober ausgezeichnet werden, kündigte Pfarrerin Sielemann an.

Zwischen dem Jahr 2013, das schwerpunktmäßig dem Thema Diakonie gewidmet war, und dem Jahr 2017, in dem das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert wird, haben die Evangelische Kirche A.B., die Evangelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich das Jahr 2015 zum Schwerpunktjahr Bildung erkoren. Zahlreiche thematische Veranstaltungen und Initiativen werden die kommenden Monate prägen.

Informationen dazu unter www.bildungundreformation.at

ISSN 2222-2464