Klatzer: „Lösungsmodelle der Finanzkrise unbrauchbar“

Christliche Frauen aus ganz Europa suchen nach Wegen alternativen Wirtschaftens. (Bild: pixelio.de/s.media)
Christliche Frauen aus ganz Europa suchen nach Wegen alternativen Wirtschaftens. (Bild: pixelio.de/s.media)

Christliche Frauen suchen Möglichkeiten alternativen Wirtschaftens

Wien (epdÖ) – „Wir müssen uns empören, wir müssen dafür sorgen, dass eine neue Richtung in der Finanzpolitik eingeschlagen wird“, das erklärte Ökonomin Elisabeth Klatzer von der Wirtschaftsuniversität Wien bei ihrem Eröffnungsvortrag bei der Konferenz „Let’s rock the economy – Wirtschaft anders denken“ des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa (EFECW) am 19. September in Wien.

Klatzer, die sich wissenschaftlich wie politisch mit feministischen Alternativen in der Wirtschaft und Budgetpolitik beschäftigt, zeichnete zu Beginn der dreitägigen Veranstaltung ein vielschichtiges Bild der aktuellen Wirtschaftslage. Sie kritisierte dabei die politischen Entscheidungsträger in Europa, die angesichts der mittlerweile fünf Jahre andauernden Krise zwei Modelle zur Lösung derselben anbieten würden, die letztlich völlig unbrauchbar seien. Dabei gehe es beim ersten Modell um den Abbau von staatlichen Sozialleistungen und das Zurückfahren des Wohlfahrtsstaates, beim zweiten Modell um die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.

„Die Sparmaßnahmen im Sozialbereich betreffen vor allem auch Frauen“, betonte Klatzer. Sie plädierte für einen Ausbau des Sozialstaates, dies würde zu mehr Arbeitsplätzen führen. „Allein schon der Ausbau von Kindergartenplätzen würde sich finanziell auszahlen und am Ende dem Staat keine Extrakosten verursachen, weil das Geld wieder zurückkommen würde, etwa durch die Steuerleistungen berufstätiger Frauen, die durch Kinderbetreuungsmöglichkeiten wieder arbeiten gehen könnten.“

Ebenfalls kritisch sieht Klatzer die Idee, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Es zeige sich, dass dies nur dazu führe, dass Gehälter gekürzt und ArbeitnehmerInnen-Rechte unter dem Schlagwort „Flexibilität“ abgebaut würden. Angesichts der Tatsache, dass rund 70 Prozent der in einem Land produzierten Güter von der eigenen Bevölkerung gekauft werden, wären Einkommensverluste kontraproduktiv, da die Kaufkraft sinken würde.

„Es ist notwendig, dass die Politikerinnen und Politiker in Europa endlich einen anderen Kurs einschlagen“, zeigte sich Klatzer überzeugt. Das Volk müsse wieder mehr an politischen Prozessen beteiligt werden – der Trend gehe aber gerade in eine andere Richtung. „Die politische Macht verschiebt sich immer mehr von den nationalen Parlamenten weg hin auf die europäische Ebene. Politik macht dort die EU-Kommission, die aber nicht demokratisch gewählt wurde. Das ist ein Problem.“

Im Anschluss an den Vortrag konnten die rund 80 Teilnehmerinnen aus ganz Europa in Workshops zu Themen wie Migration, Armut oder neues Prekariat über ihre Erfahrungen sprechen, neue Informationen erhalten und sich mit Frauen aus anderen Ländern austauschen.

Am Freitag, 20. September, beschäftigten sich die evangelische Theologin Barbara Rauchwarter, Autorin des Buches „Genug für alle. Biblische Ökonomie“ (Wieser Verlag, 2012), und die Sozialwissenschaftlerin Michaela Moser, aktiv in der österreichischen Armutskonferenz, mit Wirtschaft und Armut aus theologischer Sicht.

Die Konferenz „Let’s rock the economy – Wirtschaft anders denken“ endet am Samstag, 21. September, mit einem Abschlussgottesdienst um 18 Uhr in der Wiener Konzilsgedächtniskirche (1130 Wien, Kardinal-König-Platz 2).

ISSN 2222-2464