Kirchenglocken in aller Welt läuteten am Sonntag für den Klimaschutz

ÖRKÖ-Vorsitzender Sturm: Für einen ökologischen Lebensstil und globale Gerechtigkeit

Wien (epd Ö) – Die christlichen Kirchen in aller Welt erhöhen den Druck auf die politischen Entscheidungsträger beim UN-Weltklimagipfel in Kopenhagen. Auf Anregung des Weltkirchenrats (ÖRK) haben am Sonntag, 13. Dezember, weltweit um 15 Uhr Ortszeit die Kirchenglocken für den Klimaschutz geläutet. Beginnend von den Fidschi-Inseln im Südpazifik sollte sich so nach der Idee des Weltkirchenrates der kirchliche Appell für ein faires und effizientes Klimaabkommen über die ganze Welt ausbreiten.

Auch in Österreich waren an vielen Orten 350 Glockenschläge zu hören. Wie der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der evangelisch-lutherische Altbischof Herwig Sturm, am Donnerstag, 10. Dezember, bei einer Pressekonferenz in Wien erklärte, bezieht sich die Zahl 350 auf 350 ppm (Teilchen pro Million): Dies ist nach Ansicht vieler Wissenschaftler die Höchstgrenze für eine ungefährliche Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre. Bis vor rund 200 Jahren belief sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf 275 ppm, mittlerweile hat er aber bereits einen Wert von 390 ppm erreicht.

„Glocken, die außerhalb der normalen Zeiten läuten, weisen auf drohende Gefahr hin“, erklärte Altbischof Sturm: „Dass der Klimawandel zu diesen drohenden Gefahren an allererster Stelle gehört, ist den Menschen bewusst. Die Glocken sollen noch einmal sagen: Jetzt aber bitte hören“.

Mit dem Glockengeläut wolle man an die Politiker weltweit appellieren und gleichzeitig die Bereitschaft vieler Christen signalisieren, bei der notwendigen Veränderung der Welt mitzumachen, sagte Sturm: „Es geht um einen ökologischen Lebensstil und globale Gerechtigkeit – beides ist notwendig“.

Jeder einzelne könne etwas gegen den Klimawandel tun, erinnerte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates: „Nicht das Klima darf sich erwärmen, sondern unsere Herzen müssen sich erwärmen für diese Welt und für ihre Bewahrung“.

Der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura betonte, dass jetzt konkrete Maßnahmen für die Bewahrung der Schöpfung notwendig sind. „Ein Grund der ökologischen Krise ist die Sünde des Menschen“, so Dura, der am 1. Jänner den Vorsitz im Ökumenischen Rat der Kirchen übernehmen wird. Die Menschen müssten Buße tun und ihr Denken und Verhalten radikal umkehren. Dura rief dazu auf, die Umwelt wieder stärker als Gabe Gottes an alle Menschen zu betrachten: „Die Natur gehört nicht uns allein, sie ist ein Geschenk auch an unsere Nachkommen“.

Kirchen nehmen Industrieländer in die Pflicht

Kirchen, Kirchenvertreter und kirchliche Hilfswerke sind beim Gipfel in Kopenhagen vertreten. Sie verlangten bereits vor der Konferenz eine gerechte Lösung für die Folgen des Klimawandels. Dazu gehöre etwa, dass die Industrieländer ihrer Verantwortung gerecht werden und die stark von Umweltänderungen betroffenen Entwicklungsländer bei der Bewältigung ihrer Probleme unterstützen.

ISSN 2222-2464