Kirchen: „Terror ist Gotteslästerung“

Vertreter der christlichen Kirchen und der Islamischen Glaubensgemeinschaft verurteilen die Anschläge in der belgischen Hauptstadt Brüssel und rufen zum Gebet auf. (Foto: Wikipedia/Jean-Pol Grandmont)
Vertreter der christlichen Kirchen und der Islamischen Glaubensgemeinschaft verurteilen die Anschläge in der belgischen Hauptstadt Brüssel und rufen zum Gebet auf. (Foto: Wikipedia/Jean-Pol Grandmont)

ÖRKÖ-Vorsitzender Pöll: „Missbrauch der Religion“

Wien (epdÖ) – „Terror ist Gotteslästerung“, stellte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Superintendent Lothar Pöll, am Dienstag, 22. März, im Hinblick auf die Terrorattentate in Brüssel fest. „Die Terroranschläge von Brüssel führen von Neuem schockierend vor Augen, dass Europa sich nicht völlig abschotten kann vor dem Krieg und Terror in Syrien und im Irak. Diese feigen Angriffe auf unbeteiligte Menschen sind aufs Schärfste zu verurteilen. Den Opfern, den Angehörigen und den Verletzten gehören unsere Anteilnahme und unser Gebet. Wir trauern mit den betroffenen Menschen und wissen uns verbunden mit der Bevölkerung in Brüssel“, so der Ökumene-Vorsitzende in einer Aussendung.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker hat dazu aufgerufen, der Opfer von Brüssel in den Gottesdiensten am Karfreitag im Gebet zu gedenken. „Wir sind zutiefst erschüttert von den Ereignissen. Als Gesellschaften und auch als Kirchen müssen wir fest und geeint stehen“, sagt Bunker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist. „Die Spaltung Europas durch Terroranschläge wie jene von Brüssel darf nicht gelingen“. Muslime unter Generalverdacht zu stellen würde die Spirale aus Rekrutierung junger Menschen für extreme Gruppen einerseits, den weiteren Ausbau der „Festung Europa“ andererseits nur weiter in die Höhe treiben. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Flüchtlinge genau wegen dieser Gewalterfahrungen zu uns kommen. Für sie sind derart traumatische Erlebnisse der Alltag in ihrer Heimat. Es braucht das uneingeschränkte Recht auf Asyl und humanitäre Hilfe für Flüchtlinge“, erklärt Bischof Bünker. „Die Botschaft von Ostern gibt uns die Kraft, dem Leben immer mehr zu vertrauen als den Kräften des Todes. Dieses Vertrauen trägt Christinnen und Christen auch angesichts der tödlichen Konflikte unserer Zeit und lässt sie für Frieden und Menschlichkeit für alle einstehen.“

ÖRKÖ-Vorsitzender Lothar Pöll bezeichnet die menschenverachtenden Anschläge als einen „Missbrauch der Religion und eine Gotteslästerung“. Die Antwort eines zivilisierten Europa auf diesen Terror in der Hauptstadt der EU dürfe nicht der weitere Ausbau Europas zur „Festung“ und die noch stärkere Überwachung seiner Bürger und Bürgerinnen sein. Pöll weiter: „Es wäre fatal, aus einem falschen Sicherheitsbedürfnis unsere Freiheit und die Achtung der Menschenrechte einzuschränken. Wir hoffen und beten, dass die Politiker und Politikerinnen der europäischen Staaten mit Besonnenheit reagieren.“

Europa sei nicht unbeteiligt an den Krisen und am Krieg im Nahen Osten, erinnert der Superintendent. „Europäische Länder haben sich am so genannten ‚Krieg gegen den Terror‘ beteiligt, und in europäischen Ländern hergestellte Waffen sind auch in den Händen der Terroristen. Wir appellieren deshalb an die Verantwortlichen in Europa, die Friedensbemühungen für Syrien voranzutreiben und innerhalb der EU solidarisch zu handeln.“ In diesem Zusammenhang weist Pöll auf die „unwürdigen und menschenverachtenden Zustände“ in den griechischen Flüchtlingszentren hin. Es sei dringend notwendig, die Flüchtlinge, die vor Terror und Krieg fliehen und jetzt an der mazedonischen Grenze und an anderen Orten in Griechenland festsitzen, innerhalb der EU zu verteilen, ist Pöll überzeugt.

Mit einer eindringlichen Verurteilung von Terror hat die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) auf die Anschläge in Brüssel reagiert. Neben Trauer, Betroffenheit und Mitgefühl mit den Opfern der Anschlagsserie von Brüssel mache sich aber auch „Wut unter Muslimen“ breit „angesichts der menschenverachtenden Bestialität der Terroristen, denen nichts heilig ist“. Jeder „Allahu akbar“ („Gott ist größer“)-Ruf der Terroristen „ist eine Gotteslästerung“, heißt es in der Presseaussendung der IGGiÖ am Dienstag, 22. März. Die Attentäter würden „in ihrem Todeskult und zerstörerischen Rausch, Angst und Schrecken zu verbreiten“ vor allem ihren „irren Allmachtsphantasien“ huldigen.

In der Stellungnahme bekundet die oberste Vertretung der Muslime in Österreich ihre Solidarität mit allen Opfern terroristischer Anschläge und jenen, die sich in ihrer Heimat ihres Lebens nicht mehr sicher seien wie die Kriegsflüchtlinge. Gleichzeitig appelliert sie an die Politik, für eine Lösung des Syrienkriegs einzutreten. Durch die Destabilisierung der gesamten Region werde auch die Türkei zunehmend zum Ziel terroristischer Attacken, erinnert die IGGiÖ.

Für den Karfreitag hat die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa zu einem gemeinsamen Gebet aufgerufen und ein Gebet für die Karfreitagsgottesdienste veröffentlicht:

„Unsichtbarer Gott, wo finden wir dein Angesicht?
In den Tränen der Trauernden weinst du mit uns, im Schmerz der Verwundeten leidest du mit uns.
So sehr sehnen wir uns nach einer Welt, die von Lachen und Leichtigkeit, Versöhnung und Frieden getragen ist und in der wir dich mitten darin entdecken.

Doch voller Schmerz blicken wir auf den Ausbruch der Gewalt an so vielen Orten dieser Erde. Fassungslos nehmen wir den Hass, die Kälte und den Terror wahr.
Wir suchen dich, geheimnisvoller Gott, und bitten dich um deinen Trost und um deine Wegweisung, dass du zusammenfügst, was unter uns aus den Fugen geraten ist.

Ganz besonders vertrauen wir dir heute die Menschen an, die am vergangenen Dienstag in Brüssel vom Terror tief getroffen wurden. Wir bitten dich für die Opfer, die Trauernden und für die verwundete Stadt. Hilf uns, Boten deines Friedens zu sein, und gib uns die Kraft, dass wir uns für eine Welt des friedlichen Zusammenlebens einsetzen.“

ISSN 2222-2464