Kardinal Kasper distanziert sich von umstrittenem Vatikan-Dokument

Passus über Nicht-Kirchen-Status der Protestanten „ungeschickt formuliert“

Sibiu (apa/dpa/epdÖ) – Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat sich von dem umstrittenen Vatikan-Papier distanziert, das den Protestanten nach katholischer Lehre den Kirchenstatus abspricht. Der im Juli veröffentlichte Text der Glaubenskongregation sei „ungeschickt formuliert“, sagte Kasper am Mittwoch bei der Dritten Ökumenischen Versammlung (EÖV3) im rumänischen Sibiu/Hermannstadt. Er sei von Anfang an gegen diesen Halbsatz gewesen und hätte Varianten wie „nicht im gleichen Sinn“ oder „nicht in unserem Sinn“ bevorzugt.

 

Unterdessen betonte Papst Benedikt XVI. in einer Botschaft an das Treffen, dass „die gemeinsamen Wurzeln viel tiefer liegen als unsere Spaltungen“. Wichtig sei allerdings eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens. Dann könne „falsche Selbstgenügsamkeit aufgebrochen, Fremdheit überwunden und das gemeinsame Fundament des Glaubens geistlich erfahren“ werden, schrieb Benedikt.

 

In dem vom Papst ausdrücklich gutgeheißenen Dokument heißt es, die Protestanten seien nicht Kirchen „im eigentlichen Sinn“, sondern „kirchliche Gemeinschaften“. Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sagte nach einem Treffen mit Kasper in Sibiu dazu, in diesem „verkürzten Halbsatz steckt etwas Planmäßiges, was mich bekümmert“. Dadurch sei das Dokument „ökumenisch belastend“. „Wir sollen uns nicht wechselseitig das Kirchesein abstreiten“, mahnte Huber.

 

Kasper erläuterte, der kritisierte Satz habe lediglich Unterschiede zwischen katholischen und nicht-katholischen Formen der Glaubensvermittlung verdeutlichen sollen. Er bedauerte, dass die Kongregation mit „nicht im eigentlichen Sinn“, eine alte Formel wieder aufgenommen habe. Er forderte aber alle Christen auf, die Differenzen zwischen den Konfessionen nicht zu verschweigen, denn eine „Kuschel- und Schummelökumene“ helfe nicht weiter.

 

Beide Kirchenführer betonten jedoch, die Ökumene sei grundsätzlich nicht gefährdet. Sie sei aber „kein Naturgesetz“, sondern müsse gestaltet werden, sagte Huber. Er erinnerte daran, dass deutsche Katholiken und Protestanten sich erst am 29. April dieses Jahres auf die gegenseitige Anerkennung der Taufe geeinigt hätten. Auch Kardinal Kasper bekräftigte, dies sei ein „entscheidender Schritt“ für die Ökumene gewesen. „Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, sagte Kasper weiter. Man solle aber „auch auf die Ingredienzien dessen, was man kocht, achten“, merkte Huber dazu an.

 

ISSN 2222-2464