Kärnten: Ökumenische Delegation in Rom

Auf den Spuren Luthers ist eine 40-köpfige evangelisch-katholische Delegation aus Kärnten nach Rom gereist. Foto: wikimedia/diliff
Auf den Spuren Luthers ist eine 40-köpfige evangelisch-katholische Delegation aus Kärnten nach Rom gereist. Foto: wikimedia/diliff

Teilnahme an Papstaudienz und Besuch der evangelischen Gemeinde

Rom (epdÖ) – Der Kärntner römisch-katholische Diözesanbischof Alois Schwarz und der Kärntner evangelische Superintendent Manfred Sauer reisten am Montag, 13. Februar, zu einer ökumenischen „Pilgerfahrt“ nach Rom. Die beiden stehen an der Spitze einer rund 40-köpfigen evangelisch-katholischen Delegation. Auf dem Programm stehen u.a. eine Teilnahme an der Papstaudienz am Mittwoch, Gespräche mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Kurienbischof Josef Clemens, dem ehemaligen Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien. Weiters wird die Kärntner Delegation die deutsche evangelisch-lutherische Gemeinde in Rom sowie das Päpstliche Kolleg Santa Maria dell’Anima besuchen. Anlass der Romreise, die bis 18. Februar dauert, ist das Reformationsjubiläum 2017.

Die Kärntner Gruppe wird bei ihrer Romfahrt auch auf den Spuren Martin Luthers unterwegs sein. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen zur Reformation der Kirche veröffentlicht; sieben Jahre vorher, im Spätsommer 1510, hatte sich Luther gemeinsam mit einem Mitbruder seines Ordens, der Augustiner, nach Rom begeben. Dort verweilten sie vier Wochen. Anlass zur Romreise war der Streit unter den Augustinern über die Zukunft der strengen Regel, die dem päpstlichen Hof unter Julius II. nähergebracht werden sollte.

Die Verhandlungen gingen um das ordensintern umstrittene (und letztlich gescheiterte) Projekt der Union der strengen Augustiner-Observantenklöster mit den liberaleren Augustinerklöstern. Auftraggeber der Romreise war der Generalvikar der deutschen Observanten-Kongregation des Augustinerordens, Johann von Staupitz. Dieser wollte den jungen Ordensmann durch die Entsendung nach Rom fördern. Der spätere Reformator kam deshalb zu Ordensgeneral Egidio da Viterbo (1469–1532), dem er Bericht erstattete und vor dem er die Union verteidigte. Luther zweifelte damals noch nicht an der römischen Buß- und Ablasspraxis, war aber gleichwohl entsetzt über den Unernst und Sittenverfall, die ihm in Rom begegneten. Die Romreise war die längste und weiteste Reise im Leben Luthers. Sie gilt als ein Schlüsselerlebnis und wurde von Luther selbst in späteren Schriften und Reden immer wieder erwähnt.

ISSN 2222-2464