„Im Gespräch“ – In Gottes Werkstatt

„Wenn mein Auto kaputt ist, bringe ich es in die Werkstatt. Dort wird es gerichtet. Und dann fährt es wieder.“ Es gibt vieles zu richten, meint Maria Katharina Moser. Foto: pixabay
„Wenn mein Auto kaputt ist, bringe ich es in die Werkstatt. Dort wird es gerichtet. Und dann fährt es wieder.“ Es gibt vieles zu richten, meint Maria Katharina Moser. Foto: pixabay

Weil Gott die Menschen nicht egal sind. Pfarrerin Maria Katharina Moser über das jüngste Gericht.

Ich könnte im Boden versinken … Kennen Sie dieses Gefühl? Es überkommt uns sieden heiß in den Moment, in dem uns bewusst wird: Ich hab was wirklich Falsches gemacht. Wir empfinden Scham. Das Gesicht läuft rot an, der Schweiß bricht aus und der Boden unter den Füßen beginnt zu wanken. So ähnlich stelle ich mir das jüngste Gericht vor.

Über das jüngste Gericht haben wir kürzlich in der Pfarrgemeinde diskutiert. Wie die meisten Menschen hatten wir die furchterregenden Bilder aus der Kunstgeschichte vor Augen. Die Gerichteten werden hinabgestoßen in den Höllenschlund, wo sie als Strafe für ihre Sünden schreckliche Qualen erleiden. Nur einige wenige gerettete Seelen flattern in den Himmel. So drastisch wie die Malerei stellen weder Bibel noch evangelische Theologie Gericht und Hölle dar. Es gibt keine ausgefeilte evangelische Höllen-Lehre. Aber es steht in der Bibel und im Glaubensbekenntnis: Christus wird kommen, „zu richten die Lebenden und die Toten“. Die Vorstellung vom Gericht ist schon befremdlich, haben einige in unserer Runde gemeint. „Warum?“ hat mein Kollege Pfarrer Sepp Lagger gefragt. „Wenn mein Auto kaputt ist, bringe ich es in die Werkstatt. Dort wird es gerichtet. Und dann fährt es wieder.“

Der Gedanke gefällt mir. Es gibt vieles zu richten: Fehler, die ich gemacht habe; Verletzungen, die ich anderen zugefügt habe; Beziehungen, die zerbrochen sind; Schäden, den wir in unser Umwelt angerichtet haben. Um etwas in die Werkstatt zu bringen, müssen wir erst mal merken, dass es kaputt ist. Beim jüngsten Gericht hält uns Gott einen Spiegel vor, in dem wir erkennen, was alles gerichtet werden muss. Dieser Moment, wenn wir uns nicht länger mit den Selbstbildern, die wir uns gebastelt haben, beruhigen können und die ganze Wahrheit über unser Leben erkennen – dieser Moment wird höllisch sein. Wir könnten vor Scham im Boden versinken. Es ist kein Zufall, dass wir uns die Hölle unten vorstellen. Aber ich glaube nicht, dass die Hölle ein Ort der Strafe ist und dass es beim jüngsten Gericht um Strafe geht. Es geht darum, Rechenschaft abzulegen und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Zu richten eben.
Vieles in unserer Welt ist nicht in Ordnung. Im jüngsten Gericht rückt Gott die Dinge wieder zurecht. Gott stellt Recht her, wo Unrecht war. Weil ihm die Welt und die Menschen nicht egal sind. In der Bibel heißt es: „Alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.“ Das Unrecht hat keinen Bestand. Gott wird die Gerechtigkeit durchsetzen. Das ist eine tröstende und frohe Botschaft für alle, die Ungerechtigkeit erleben.

Dr. Maria Katharina Moser ist Pfarrerin in Wien-Simmering. ta.eh1544715288criks1544715288nebua1544715288lg@re1544715288som.a1544715288iram1544715288

Jeden Sonntag sind Pfarrerin Maria Katharina Moser, Vikarin Julia Schnizlein und Pfarrerin Ingrid Tschank in der „Krone bunt“ – Kolumne „Im Gespräch“ zu lesen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von krone.at

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ISSN 2222-2464