Filitz: „Heidelberger Katechismus wieder kennenlernen“

Ein Exemplar des Heidelberger Katechismus befindet sich im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek. Foto: epd/Uschmann
Ein Exemplar des Heidelberger Katechismus befindet sich im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek. Foto: epd/Uschmann

Synodenempfang im Zeichen der 450 Jahre alten Bekenntnisschrift

Wien (epdÖ) – „Der Heidelberger Katechismus ist hilfreich, aber nicht unfehlbar; alt, aber nicht verstaubt“, erklärte Domprediger Martin Filitz (Halle/Saale) beim Synodenempfang der evangelischen Kirchen in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien am 14. Juni. In seinem Vortrag „Zwischen Trost und Nutzen – Einsichten in den Heidelberger Katechismus“ referierte er über die interessante Geschichte der reformierten Bekenntnisschrift, die ursprünglich als verbindendes Glaubenszeugnis für alle evangelischen Konfessionen verfasst wurde. Anlass ist das 450-jährige Jubiläum der Veröffentlichung. Er wurde auf Initiative des Kurfürsten Friedrich III. hauptsächlich von Zacharias Ursinus erstellt und im Jahr 1563 in Heidelberg unter dem Titel „Catechismus oder christlicher Vnderricht, wie der in Kirchen vnd Schulen der Churfürstlichen Pfaltz getrieben wirdt“ herausgegeben.

Der Katechismus sei ein Gottesdienst-, ein Schul- sowie ein Seelsorgebuch, sagte Filitz. Die Stärke des „Heidelberger“ liege darin, theologische Inhalte in einer einfachen Sprache vermitteln zu können. Er diene Gläubigen genauso wie Pfarrerinnen und Pfarrern, die darin auch heute noch Anregungen und Hilfe für die Erstellung von Predigten finden könnten. „Darum ist es wichtig, dass den Gemeinden der Katechismus wieder vertrauter wird“, betonte Filitz. Durch die dialogische Struktur des Heidelberger Katechismus – er ist in Frage-Antwort-Form aufgebaut – könne der Leser eine Beziehung zu dem Buch herstellen. Dies werde auch durch den Aufbau des Katechismus gefördert, der nicht etwa bei der Schöpfung, sondern bei der persönlichen Glaubensgewissheit beginnt.

Gleichzeitig räumte Filitz, der auch reformierter Senior der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist, ein, dass der Heidelberger Katechismus kein Rezept- oder Zauberbuch ist. Dennoch, trotz des historischen Abstands und der etwas veralteten Sprache, lohne es sich nach wie vor, den Heidelberger Katechismus zu lesen, zu studieren und zu verwenden, zeigte sich Filitz überzeugt.

Landessuperintendent Thomas Hennefeld äußerte ebenfalls die Hoffnung, dass das Jubiläum dazu führt, sich wieder intensiver mit dem Heidelberger Katechismus auseinanderzusetzen. Im Rahmen des Gedenkjahres haben die Gemeinden der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich 2.300 Euro gesammelt und eine Patenschaft für ein Exemplar des Heidelberger Katechismus übernommen, das sich im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek befindet. Dass der Empfang einer Generalsynode einer reformierten Bekenntnisschrift gewidmet ist, zeige, wie gut das Zusammenleben zwischen reformierten und lutherischen Geschwistern in Österreich funktioniere, so Hennefeld.

In seiner Begrüßung betonte Synodenpräsident Peter Krömer, dass der Heidelberger Katechismus auch für die Evangelisch-lutherische Kirche große Bedeutung habe. Dies käme nicht zuletzt in der Tatsache zum Ausdruck, dass er neben den lutherischen Bekenntnisschriften zur Gänze im österreichischen Evangelischen Gesangbuch abgedruckt ist.

Zu dem Empfang der Synoden der Evangelischen Kirchen in Österreich konnten zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland sowie aus der Ökumene begrüßt werden. Neben dem Festvortrag widmet sich auch eine Wanderausstellung, die in zahlreichen Gemeinden in Österreich zu sehen sein wird, dem Heidelberger Katechismus. Musikalisch wurde der Abend von einem Ensemble des Albert Schweitzer Chors unter der Leitung von Landeskantor Matthias Krampe gestaltet. Die Barockposaune spielte Andreas Raidl, an der Blockflöte war Anke Gerbeth zu hören.

Fotos zur Synode und zum Empfang (auch in Druckqualität) auf: foto.evang.at/

ISSN 2222-2464