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Evangelische Kirchen Österreichs fordern Solidarität mit Opfern der weltweiten Hungerkatastrophe

von rechts: Diakoniedirektor Pfarrer Mag. Michael Chalupka, der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll, der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker und der reformierte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld
von rechts: Diakoniedirektor Pfarrer Mag. Michael Chalupka, der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll, der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker und der reformierte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld

Kritik an zögerlicher Haltung der Bundesregierung

Wien (epd Ö) – Mit einem Appell zur Solidarität mit den Opfern der weltweiten Hungerkatastrophe haben sich die Spitzenvertreter der Mitgliedskirchen der Diakonie Österreich an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Pressekonferenz im Wiener Albert Schweitzer Haus präsentierten am 22. April der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker, der reformierte Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld, der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll sowie der Direktor der Diakonie Österreich, Pfarrer Mag. Michael Chalupka, einen Brief an die evangelischen Gemeinden, in dem es heißt: „Wir wenden uns heute mit der großen Sorge an Sie, dass einer rasant wachsenden Zahl von Menschen das tägliche Brot verweigert wird.“

Bünker, der den Brief erläuterte, unterstrich: „Hunger ist kein Schicksal, Hunger wird gemacht.“ Der Bischof erinnerte daran, dass in der Geschichte immer wieder Hunger von den Mächtigen ganz bewusst zur Unterdrückung eingesetzt worden sei. „Wir Evangelische“, so Bünker, „sind dazu befreit, die sündhaften Strukturen zu ändern und die, die Verantwortung tragen, bei ihrer Verantwortung zu behaften.“ Die Politik sei aufgerufen, ihren Beitrag zur Hilfe in dieser Situation zu leisten, allerdings: „Von unserer Regierung hört man leider nichts.“

Dass Kirche kein Selbstzweck ist, sondern immer für andere Menschen da zu sein und für sie zu handeln hat, hob Landessuperintendent Hennefeld auf der Pressekonferenz hervor. Dies sei ein „Grundgebot“, das sich durch die gesamte biblische Botschaft ziehe. Dabei gehe es nicht um eine Frage des Almosengebens, sondern lediglich um Gerechtigkeit. In diesem Zusammenhang kritisierte Hennefeld den derzeitigen „Globalisierungswahn“, der nicht „gestaltet“ werde, vielmehr auf Profitmaximierung und nicht auf Gerechtigkeit abziele.

Von der Verpflichtung seiner Kirche, sich für Gerechtigkeit und gegen Armut einzusetzen, sprach auch der evangelisch-methodistische Superintendent Mag. Lothar Pöll. Da Hunger und Armut kein Schicksal seien, könne man diese Welt „mit Gottes Hilfe verändern“. Die Bitte des Vaterunsers „Unser täglich Brot gib uns heute“ sei zugleich eine Selbstverpflichtung. Der Superintendent kündigte an, die Beseitigung der Armut und die weltweite Gesundheitsfürsorge werde in der Evangelisch-methodistischen Kirche in der kommenden Zeit im Mittelpunkt stehen.

Weltweite Projekte der Diakonie

Für Diakoniedirektor Chalupka sollte die engagierte Haltung der Kirchen zur Hungerkatastrophe von der österreichischen Bundesregierung zum Vorbild genommen werden. Chalupka kritisierte, die Regierung erweise sich einmal mehr als „sehr zögerlich“ und gehe international nicht voran wie es einem der reichsten Länder der Welt wohl anstehen würde. „Es wäre wichtig“, so Chalupka, „dass die Bundesregierung, wie andere Länder auch, ihre Verpflichtung gegenüber dem World-Food-Programm einhält bzw. ihre Beteiligung steigert.“ Österreich stehe hier etwa an 30. Stelle.

Als Projekte im Rahmen von Nothilfeprogrammen der Diakonie Katastrophenhilfe nannte der Diakoniedirektor einen Beitrag zur Verbesserung der Lage der von Krieg betroffenen Familien in Somalia, u.a. durch Verteilung von Lebensmitteln, in Mogadischu und Umgebung sowie die Überlebenssicherung von Kleinkindern, Schwangeren, stillenden Müttern, Alten und Kranken durch Bereitstellung von Hilfsgütern über einen Zeitraum von drei Monaten in Kenia. Auf Haiti soll die Ernährungslage nachhaltig verbessert werden durch Eigenproduktion von Gemüse in intensiv bewirtschafteten Hausgärten. Dazu dienen u.a. die Ausbildung von Kleinbauern, die Installierung von Bewässerungssystemen und die Verteilung von Saatgut, Dünger und Werkzeugen.

Die Hilfsprojekte der Diakonie können durch Spenden auf das Postscheckkonto 23 13 300, Kennwort Hunger, unterstützt werden.

ISSN 2222-2464