Eberau: Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer fordern sachliche Debatte ein

Südburgenländische PfarrerInnenkonferenz beurteilt Volksbefragung kritisch – Nicht aus den Ängsten der Bevölkerung Kapital schlagen

Unterschützen, 1. Februar 2010 (epd Ö) – Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer des Südburgenlandes fordern in einer aktuellen Stellungnahme zur Asyldebatte „alle an der Diskussion und an den Entscheidungen beteiligten Personen dazu auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren“. Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf zeigen sich besorgt und erschüttert, „dass wieder einmal versucht wird, aus den Ängsten der Bevölkerung Kapital zu schlagen“, heißt es in der Stellungnahme, die auf der südburgenländischen PfarrerInnenkonferenz am Donnerstag, 28. Jänner, in Unterschützen beschlossen wurde. Die Frage nach dem Umgang mit Asylwerberinnen und Asylwerbern werde „fast ausschließlich auf die Sicherheitsfrage reduziert“. Stattdessen mahnen die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer „aus Respekt vor den Menschen, die unsere Hilfe brauchen“ eindringlich, „alles zu unterlassen, was weitere irrationale Ängste vor fremden Menschen schürt und Asylwerberinnen und Asylwerber pauschal mit Kriminalität und Missbrauch in Zusammenhang stellt“.

Im Mittelpunkt der Asyldebatte sollten die besonderen Bedürfnisse derjenigen stehen, die in Österreich Schutz suchen. Asylwerberinnen und Asylwerber, von denen viele schwer traumatisiert seien, brauchen, so die Pfarrerinnen und Pfarrer, neben der notwendigen Versorgung ihrer Grundbedürfnisse auch die Möglichkeit einer psychischen und sozialen Betreuung sowie einer unabhängigen rechtlichen Beratung. Gefragt seien „zielführende Maßnahmen für eine gelingende Integration“.

Zur Volksbefragung äußert sich die PfarrerInnenkonferenz kritisch: „Grundsätzlich stellen wir die Sinnhaftigkeit von Volksbefragungen zu diesem hoch emotionalisierten Thema in Frage. Wenn die Mehrheit über Grundrechte von Minderheiten zu entscheiden hat, werden aus unserer Sicht die Grenzen der direkten Demokratie überschritten.“

ISSN 2222-2464