Diakoniepreis 2016 für Hospizbewegung Kärnten

Freude über den Diakoniepreis 2016: Thomas Haider von der RLB OÖ überreicht den Scheck über 10.000 Euro an die VertreterInnen der Hospizbewegung Kärnten. Foto: epd/Uschmann
Freude über den Diakoniepreis 2016: Thomas Haider von der RLB OÖ überreicht den Scheck über 10.000 Euro an die VertreterInnen der Hospizbewegung Kärnten. Foto: epd/Uschmann

Für Menschen mit Behinderung – Sonderpreis für Flüchtlingsarbeit der Pfarrgemeinde Leibnitz

Wien (epdÖ) – Die „Diakonie de La Tour – Hospizbewegung Kärnten“ erhält den diesjährigen Diakoniepreis für innovative Sozialprojekte in Kirche und Diakonie der Evangelischen Kirchen in Österreich. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde auch in diesem Jahr wieder von der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich gestiftet und beim Reformationsempfang am 3. November in Wien durch Synodenpräsident Peter Krömer und Thomas Haider, Direktor-Stellvertreter der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, verliehen. „Als starke Regionalbank ist es uns wichtig, den Leuten etwas zurückzugeben, die sich gesellschaftspolitisch engagieren. Das ist auch ganz im Sinne unseres Gründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen Großvater evangelischer Pfarrer war“, betonte Haider.

„Die Auswahl heuer ist exzellent, es handelt sich um ein Projekt, das ganz im Sinne von 500 Jahre Reformation ist“, sagte Krömer. Das Projekt verbinde diakonisches mit seelsorgerlichem Handeln. „Ich möchte mich bedanken für die Auszeichnung. Wir sehen darin eine besondere Wertschätzung und Würdigung unseres jahrelangen Engagements für Menschen mit Behinderung“, unterstrich Hubert Stotter, Rektor der Diakonie de La Tour, der gemeinsam mit Maria-Regina Kugler und Petra Richter den Preis entgegennahm. „Wir haben in unseren Einrichtungen für Menschen mit Behinderung gemerkt, dass wir immer ältere Bewohner haben und immer öfter mit Sterben konfrontiert sind. Wir haben gespürt, dass uns da die Erfahrungen fehlen. Wir haben aber Hospizerfahrung und so haben wir uns gedacht, dass wir darauf zurückgreifen können“, so Stotter.

„Hospizbegleitung für Menschen mit Behinderung“, so lautet der offizielle Titel des Projekts. Unterstützt werden Menschen mit Behinderung aller Altersgruppen in ihrer letzten Lebensphase, aber ebenso ihre Angehörigen, Freundinnen und Freunde, ihre MitbewohnerInnen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sozialeinrichtungen.

Tod und Sterben von Menschen mit Behinderung seien nach wie vor stark tabuisiert, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hospizbewegung Kärnten überzeugt. Durch die verbesserten Betreuungsmöglichkeiten, etwa in den Bereichen heilpädagogische Förderung und medizinische Versorgung, sei die Lebenserwartung von Menschen mit Behinderung stetig angestiegen. Umso wichtiger sei es, dass auch diese Menschen eine würdevolle Begleitung bis zum Lebensende erfahren. „Dies erfordert Zeit, die durch Strukturen in Einrichtungen und auch im familiären Kontext nur bedingt zur Verfügung steht. Um ein Hospizteam für Menschen mit Behinderungen mit dem Einsatzgebiet Kärnten gründen zu können und den steigenden Bedarf an Hospizbegleitungen zu decken, sind Schulungen für ehrenamtliche HospizbegleiterInnen erforderlich, ebenso um den Angehörigen sowie MitarbeiterInnen der Einrichtungen Unterstützung bieten zu können. Auch das Ausarbeiten eines Weiterbildungskonzepts für diese BetreuerInnen ist Bestandteil des Projekts“, heißt es dazu in der offiziellen Projektbeschreibung.

Einen Sonderpreis des Oberkirchenrats A.B. über ebenfalls 10.000 Euro beziehungsweise eine Sonderwürdigung für ihr Engagement im Bereich der Flüchtlingsarbeit erhielt die Evangelische Pfarrgemeinde Leibnitz. Seit Beginn der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 setzt sich die Gemeinde in Leibnitz auf vielfältige Weise dafür ein, dass Menschen aus verschiedenen Ländern miteinander in Kontakt kommen. Es gab gemeinsame Veranstaltungen für Einheimische und Menschen auf der Flucht, die in der Region untergebracht sind. Zahlreiche gemeinsame Aktivitäten wurden geplant und durchgeführt.

„Es ist beeindruckend, in welcher Weise hier geholfen wird und wie viele Menschen eingebunden werden“, erklärte Oberkirchenrat Karl Schiefermair zum Engagement der Pfarrgemeinde Leibnitz. Mit der Auszeichnung werden stellvertretend auch alle Initiativen ausgezeichnet, die sich regional gefunden haben, um zu helfen. Die Pfarrgemeinde, so Schiefermair, habe darauf geachtet, möglichst viele gesellschaftliche Gruppen in und rund um Leibnitz einzubinden, etwa den „verein-freiraum“, die Polizei, das Rote Kreuz, die Römisch-katholische Kirche, den Lions Club, die Caritas, die Schulen und viele mehr. So haben beispielsweise Privatpersonen vor Ort den Flüchtlingen ihr handwerkliches Können weitergegeben und ihnen gezeigt, wie man etwa Fahrräder repariert oder eine Nähmaschine bedient. Durch Exkursionen in die Natur konnten die untergebrachten Flüchtlinge ihren neuen Wohnort besser kennenlernen. Pfarrerin Marianne Pratl-Zebinger hat einen Wertekurs für Flüchtlinge organisiert. Schon jetzt zeige sich die Nachhaltigkeit der vielen Projekte: „Durch die Aktivitäten wurden wesentliche Verbesserungen im Sprachgebrauch erreicht, was zu erheblicher Kontakterweiterung der Flüchtlinge geführt hat“, heißt es seitens der Pfarrgemeinde. Und Pfarrerin Pratl-Zebinger hält fest: „Das Engagement geht nicht zurück, es verändert sich nur die Stimmung bei den anderen. Es sind ganz viele Menschen engagiert, wir sind ein riesiger Kreis von Leuten, und viele unterschiedliche Institutionen docken an.“

Der Sonderpreis wurde verliehen, weil viele Pfarrgemeinden Projekte im Bereich der Flüchtlingsarbeit für den Diakoniepreis 2016 eingereicht haben. „Wir wollten ein Zeichen der Dankbarkeit setzen für alle, die sich engagiert haben. Und auch ein Signal setzen für jene, die sich engagieren und ihre Projekte nicht für den DIakoniepreis eingereicht haben“, sagte Oberkirchenrat Schiefermair.

Bilder zum Reformationsempfang auf: foto.evang.at

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ISSN 2222-2464