Burgenland: Erstmals ökumenischer Osterbrief

Das Ostereignis und das Erlebnis der Emmausjünger müssten als Wegweiser für "den gemeinsamen ökumenischen Weg der Zukunft" gesehen werden, sind sich Superintendent Manfred Koch und Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics im gemeinsamen Osterbrief einig. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Das Ostereignis und das Erlebnis der Emmausjünger müssten als Wegweiser für "den gemeinsamen ökumenischen Weg der Zukunft" gesehen werden, sind sich Superintendent Manfred Koch und Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics im gemeinsamen Osterbrief einig. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

„Vom Miteinander der Konfessionen zum Füreinander in der Liebe“

Eisenstadt (epdÖ) – Erstmals in der Geschichte des Burgenlandes haben der katholische Bischof und der evangelische Superintendent gemeinsam einen Osterbrief verfasst. Das Schreiben von Bischof Ägidius Zsifkovics und Superintendent Manfred Koch geht an alle evangelischen und katholischen Pfarren des Burgenlandes und wurde am Ostersonntag oder Ostermontag bei den Gottesdiensten verlesen. Der Brief enthält einen Appell vom „Miteinander der Konfessionen zum Füreinander in jener Liebe, die Christus uns aufgetragen hat – untereinander wie auch im Umgang mit der Welt“, wie es in dem Schreiben wörtlich heißt.

Ein dreifacher Anlass sei für das erstmals gemeinsame Osterschreiben eines Superintendenten und eines Bischof an die katholischen und evangelischen Christinnen und Christen ausschlaggebend gewesen, wie es zu Beginn heißt: Erstens das Reformationsjubiläum zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags Luthers; zweitens der „jahrhundertelange Weg unserer christlichen Konfessionen“, der „von Religionskriegen über Polemiken und Vorurteile“ schließlich zur ökumenisch bahnbrechenden Vergebungsbitte „und zu immer stärker werdender Verbundenheit geführt hat.“ Und schließlich und vor allem das konkrete Osterfest selbst als „gemeinsame Grundlage des christlichen Glaubens und Lebens“.

Der „Glanz des Osterlichts“ lehre, auch „bestehenden Unterschiedlichkeiten unserer Konfessionen gelassener“ zu begegnen und auf der gemeinsamen Glaubensgrundlage des Ostergeschehens darauf zu vertrauen, auch Hindernisse in der Ökumene zu überwinden, halten Koch und Zsifkovics fest. Dafür brauche es freilich eine Abkehr von „verstockten Sichtweisen, persönlichem Ehrgeiz oder Geltungsbedürfnissen“.

Der ökumenische Osterbrief nimmt in Wort und Bild Bezug auf die Emmausgeschichte zweier Jünger, die sich auf den Weg machen und nicht erkennen, dass der von ihnen Gesuchte bereits bei ihnen ist. Die grafische Gestaltung der rahmengebenden Vorder- und Rückseite des Osterbriefs in Form einer modernen Bebilderung der Emmausjünger stammt vom Künstler Heinz Ebner. Die Emmausjünger seien auch „ein Sinnbild unserer beiden Kirchen: In fünf Jahrhunderten haben uns Politik, Ideologie und theologische Spitzfindigkeiten die Sicht aufeinander und dadurch die Sicht auf Gottes Fülle verdunkelt, habe es allzu oft Abend werden lassen“, so der selbstkritische Blick auf die eigene „von Blindheit geschlagene“ Geschichte.

Der entscheidende Grundgedanke müsse jedoch darin bestehen, dass nur über das Erkennen des jeweils anderen, des Mitmenschen und Nächsten Christus als der Gesuchte erkannt werden kann.

Das Ostereignis und das Erlebnis der Emmausjünger müssten deshalb als Wegweiser für „den gemeinsamen ökumenischen Weg der Zukunft“ gesehen werden. Gerade das Burgenland mit seinen historischen Erfahrungen, mit dem Leben „an einer Grenze, am ‚Eisernen Vorhang'“, sei aufgerufen, das ehemals „schreckliche Gegeneinander der Konfessionen“ nicht nur in ein „Miteinander der Konfessionen“ zu verwandeln, sondern in ein „Füreinander in jener Liebe, die Christus uns aufgetragen hat“.

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ISSN 2222-2464