„Brot für die Welt“: Großer Festakt zum Auftakt in Wien

Barbara Alli & die POPAK Stageband beim "Brot für die Welt"-Auftakt in Wien. (epdÖ/M.Uschmann)
Barbara Alli & die POPAK Stageband beim "Brot für die Welt"-Auftakt in Wien. (epdÖ/M.Uschmann)

Schwerpunktland Ruanda im Mittelpunkt der feierlichen Eröffnung

Wien (epdÖ) – Mit einem großen Festakt wurde am Samstagabend, 29. November, in Wien die 56. Kampagne der Aktion „Brot für die Welt“ eröffnet. Gäste aus Deutschland und Österreich sowie aus Ruanda, dem Schwerpunktland der diesjährigen Kampagne, kamen in den Großen Festsaal der Universität Wien, um mehr über das Thema „Satt ist nicht genug“ – das Motto der kommenden Monate – zu erfahren. Rund zwei Milliarden Menschen leiden an mangelhafter Ernährung. Viele hätten zwar genug kalorienreiche Nahrung fürs Überleben zur Verfügung, diese sei aber teilweise kaum nahrhaft. Die Folgen der Mangelernährung – das Fehlen wichtiger Vitamine und Mineralstoffe – führten zu schlimmen Erkrankungen, von denen gerade Kinder in ihrer Entwicklungsphase besonders häufig betroffen seien.

In seinem Statement erinnerte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, Schirmherr der Aktion „Brot für die Welt“ Österreich daran, dass die Kirchen in Österreich und Deutschland bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges damit begonnen hätten, Verantwortung wahrzunehmen und Ländern, die in Not sind, zu helfen. In Österreich sei dies lange Zeit durch die Aktion „Brot für Hungernde“ geschehen, vor fünf Jahren habe man mit der deutschen Aktion „Brot für die Welt“ fusioniert, „was für Brot für die Welt Deutschland ein großer Vorteil ist“, wie Bünker schmunzelnd erklärte. Entscheidend für die Arbeit von „Brot für die Welt“ sei, dass nicht einfach von oben herab geholfen werde. Es gehe darum, den Menschen im Süden Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. „Wir arbeiten eng mit den Partnerorganisationen vor Ort zusammen. Diese schlagen Projekte vor, die wir dann prüfen und gegebenenfalls unterstützen“, erläuterte „BrotBotschafterin“ Mechthild Fuchs, die auch Projekte vor Ort besucht hat. „Es ist immer wieder schön zu sehen, mit welchem Enthusiasmus die Menschen versuchen, die unterschiedlichen Projekte umzusetzen.“

Über Nahrungstrends klärte die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler auf. Die Zukunft liege in Insekten, zeigte sie sich überzeugt, vor allem in den so genannten Entwicklungsländern. Insekten würden eine hervorragende Proteinquelle darstellen, im Gegensatz zu herkömmlichem Fleisch sei auch die Produktion effizienter, ressourcenschonender und umweltverträglicher. „Wir waren ganz überrascht, was für ein hochwertiges Lebensmittel Insekten sind“, sagte Rützler. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werde es jedenfalls eine wichtige Rolle spielen, etwa bei Tierfutter. Dass gefriergetrocknete Mehlwürmer weder ekelig noch abstoßend sind, davon konnte sich Bischof Bünker auf der Bühne auch selbst überzeugen. „Ein bisschen fad schmecken sie“, befand der Bischof.

Kritik übte Bünker am sorglosen Umgang mit Lebensmitteln, viel zu viele Produkte würden weggeworfen, obwohl sie sich noch in einwandfreiem Zustand befänden. „Viele kennen den Unterschied nicht zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Ablaufdatum“, so Bünker. Darüber hinaus würden viel zu viele Lebensmittel für Treibstoffe sowie für die Fleischproduktion verwendet. „Das Grundproblem ist unser Konsumverhalten, wir kaufen das Falsche, wissen nicht, wie man es richtig lagert, und wollen auch um 19 Uhr noch frische Semmeln kaufen können.“ Mangelernährung werde aber auch in Österreich immer mehr zu einem Problem, bestätigt Ernährungsexpertin Rützler. Lebensmittel würden zu wenig wertgeschätzt und hochwertige Produkte durch Fast Food und Ähnliches ersetzt.

Von einem erfolgreichen Projekt in Ruanda konnte Jean Damascène Ndahimana berichten. Bei seinem Projekt CSC-UMAGA (Centre des Services aux Coopératives in Muhanga, Ruanda) sei es gelungen, qualitativ bessere Nahrungsmittel zu produzieren. „Früher gab es nicht genug Essen, weder quantitativ noch qualitativ. Heute unterstützen wir die Bäuerinnen und Bauern, wir schauen, dass jede Familie einen Obstbaum hat, und unsere Animateure vermitteln, wie man ausgewogene und gesunde Mahlzeiten zubereitet“, unterstrich Damascène Ndahimana. So würde den Menschen etwa beigebracht, wie man kleine Obstgärten anlegen und gut bewässern kann oder wie Terrassenbau in der Landwirtschaft funktioniert. Letztlich gehe es bei dem Projekt, das von Brot für die Welt unterstützt wird, auch darum, geringere Flächen intensiver zu nutzen, damit Familien neben den landwirtschaftlichen Produkten für den Eigenbedarf damit auch Geld verdienen können, um etwa die Schulausbildung ihrer Kinder zu finanzieren, erklärte der Projektpartner aus Ruanda.

„Heute gibt es immer mehr genormte Getreide- und Obstsorten, die sehr ertragreich, aber wenig nahrhaft sind. Diese nutzen in erster Linie den großen Agrokonzernen und den Händlern“, sagte Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt Deutschland. Es sei erschreckend, dass die Artenvielfalt immer mehr abnehme, auch in Europa. „Früher hatten wir in unserem Garten rund 13 verschiedene Apfelsorten. Davon finde ich in heimischen Supermärkten bestenfalls drei oder vier.“

Hunger und Mangelernährung seien aber auch in Österreich ein Thema, ergänzte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich. „Wir brauchen eine Grundsicherung, die den Namen verdient.“ Nach wie vor gebe es in Österreich Menschen, die zu Ausspeisungen gehen müssen, um sich ernähren zu können. Dazu kämen immer mehr Sozialmärkte. „Wir haben einen zweiten Nahrungsmarkt geschaffen, es gibt Leute, die nicht in normale Supermärkte gehen können“, berichtete Chalupka. Hier herrsche dringender Handlungsbedarf auf Seiten des Staates. Den Abschluss der Veranstaltung bildete der traditionelle Aufruf zur Hilfe durch eine Jugendliche. “ Einer allein kann nicht viel tun, aber wir alle zusammen vermögen etwas zu verändern“, so Alina Klein von der Evangelischen Jugend.

Durch den Abend führte die ORF-Fernsehmoderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher. Für die Musik sorgten das Salonorchester der Johann Sebastian Bach Musikschule sowie Barbara Alli und die POPAK Stageband. Johanna Höller und Florian Hartl von der Evangelischen Jugend Österreich präsentierten Wissenswertes über Ruanda.

Bilder vom Festakt unter: foto.evang.at

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ISSN 2222-2464