Breslau: Internationales Forum Junge Theologie tagt zu Europa

"Verantwortung übernehmen, Hoffnung geben, sichtbar sein" lauten die Leitthemen der Tagung in Breslau. Im Bild der Breslauer Ring. Foto: wikimedia/lestat
"Verantwortung übernehmen, Hoffnung geben, sichtbar sein" lauten die Leitthemen der Tagung in Breslau. Im Bild der Breslauer Ring. Foto: wikimedia/lestat

TheologInnen aus Österreich mit hohen Erwartungen

Breslau/Wien (epdÖ) – Wie die protestantischen Kirchen im größer gewordenen Europa sichtbar und wirksam werden können ist das Thema einer internationalen Tagung vom 4. bis 8. April 2018 im polnischen Breslau. 17 junge TheologInnen aus elf Ländern fragen, ob die Kirchen der Reformation im größer gewordenen Europa als protestantisch wahrgenommen werden oder sogar das gesellschaftliche Leben befruchten. „Der Protestantismus hat Europa im 16. Jahrhundert bis in die Neuzeit extrem stark geprägt“, sagt Volkmar Ortmann. Der Theologe und Privatdozent aus Gießen begleitet die Tagung wissenschaftlich. Sowohl die christliche Prägung Europas, als auch die protestantische Ethik hätten den Kontinent und das Selbstverständnis seiner Bewohner in einer Weise geformt, die den meisten geradezu „in Fleisch und Blut übergegangen, aber nicht unbedingt bewusst“ sei. In der Begegnung mit Menschen fremder Kulturen würden manche ihre europäische Identität neu entdecken. Auf der Tagung wolle man nun herausfinden, was der Protestantismus für Europa leisten kann und „ob er Europa eine Hoffnung geben“ könne.

Aus Österreich nehmen die beiden Wiener TheologInnen Ulrike Swoboda und Marcus Hütter an der Tagung teil. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagt Swoboda, die an ihrer Dissertation zur Medizinethik arbeitet: „Die Konferenz bietet für mich die einmalige Gelegenheit, die evangelischen Kirchen in Österreich vorzustellen.“ In ihrer Präsentation wolle sie unter den drei Gesichtspunkten der Konferenz – taking responsibility, giving hope, being visible (Verantwortung übernehmen, Hoffnung geben, sichtbar sein) – „aufzeigen, welchen Einfluss die evangelischen Kirchen in Österreich auf die Gesellschaft haben“.

Hütter, wie Swoboda Assistent am Wiener Institut für Ethik und Recht in der Medizin, ist der Überzeugung, dass die Leitthemen der Tagung „wesentlich über die Gegenwart und Zukunft der protestantischen Kirchen entscheiden. ProtestantInnen und protestantische Kirchen müssen sich den damit verbundenen Fragen – selbstkritisch – stellen, ohne jedoch dabei in Größenwahn oder Resignation und ‚Minderwertigkeitskomplexe‘ zu geraten.“  Aus theologischen Gründen sei er der Meinung, „dass die Kirchen nicht im Rückzug, sondern im Schritt in die Gesellschaft und auf die Gesellschaft zu ihr Wesen und ihre Aufgabe erkennen müssen“.

Veranstaltet wird die Tagung von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und dem Evangelischen Bund Hessen. Die TeilnehmerInnen kommen aus England, Estland, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, der Schweiz und Ungarn. In einem Blog berichten sie über das Geschehen der Tagung (www.junge-theologie.de).

Die jungen Theologinnen und Theologen werden auch Krzyżowa besuchen. Das frühere Kreisau war der Treffpunkt der deutschen Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“, aus dem die spätere Gruppe der Hitler-Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg hervorging. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurden zahlreiche Kreisauer verhaftet, acht von ihnen bis Anfang 1945 im Berliner Gefängnis Plötzensee hingerichtet.

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ISSN 2222-2464