Armutskonferenz fordert neue Arbeitsmarktpolitik

Weniger Mittel für mehr Jobsuchende bedeutet eine Minderung der Qualität arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, kritisiert die Armutskonferenz.

Wien, 20. Februar 2002 (epd Ö) Eine Neurorientierung der österreichischen Arbeitsmarktpolitik hat die Armutskonferenz gefordert. Als ersten Schritt, so das soziale Netzwerk in einer Aussendung, sollten die Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik den aktuellen Herausforderungen angepasst, dann die arbeitsmarktpolitischen Ziele für Armutsgefährdete in Richtung Nachhaltigkeit und Qualität neu definiert werden.

Österreich liege mit seinen Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik im unteren Drittel der EU-Staaten. Angesichts der Konjunktur-Probleme und höherer Arbeitslosigkeit hält die Armutskonferenz das Einfrieren der Mittel für „unklug“. Auch die Milliarden-Überschüsse, die aus der Arbeitslosenversicherung für das Budget abgezweigt würden, stünden den Betroffenen nicht zur Verfügung.

Weniger Mittel für mehr Jobsuchende bedeute eine Minderung der Qualität arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, kritisiert die Armutskonferenz weiter. Die Arbeitsmarktpolitik konzentriere sich so auf jene, bei denen eine rasche Integration vermutet werden könne. Der Effekt sei eine Art „Creaming“: „Der gute Schaum oben wird abgeschöpft, der ‘Sud’ bleibt am Boden“, heißt es in der Aussendung. Einrichtungen und Initiativen, die sich in Qualifizierung und Beratung von Benachteiligten am Arbeitsmarkt engagierten, seien von massiven Leistungskürzungen bedroht. Betroffen seien vor allem benachteiligte Frauen, Migranten, Behinderte oder Personen mit psychosozialen Problemen.

Während die Langzeitarbeitslosigkeit im Jahresvergleich sank, stieg die Zahl der Notstandshilfeempfänger. Diese Zahl sei jedoch ein besserer Indikator, um die langfristige Ausgrenzung von Arbeitsmarkt zu erfassen. Bei den Notstandhilfeempfängern überschreite die Armutsquote mit rund 22 Prozent den Durchschnittswert um das mehr als Fünffache. Besonders auffällig sei der deutlich schlechtere Gesundheitszustand als in der Normalbevölkerung.

ISSN 2222-2464