Bünker: Sozialwort will Friedenssicherung

Im Stift Kremsmünster in Oberösterreich fand die Ökumenische Sommerakademie heuer zum 16. Mal statt. (Foto: wikimedia)
Im Stift Kremsmünster in Oberösterreich fand die Ökumenische Sommerakademie heuer zum 16. Mal statt. (Foto: wikimedia)

Sommerakademie Kremsmünster: „Gewalt im Namen Gottes“

Kremsmünster (epdÖ ) – Unter dem Thema „Gewalt im Namen Gottes. Die Verantwortung der Religionen für Krieg und Frieden“ stand die diesjährige 16. Ökumenische Sommerakademie Kremsmünster mit rund 400 TeilnehmerInnen vom 9. bis 11. Juli.

Zum Auftakt der Sommerakademie verwies der evangelische Bischof Michael Bünker als Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich auf das Sozialwort der christlichen Kirchen. Es werde darin eindeutig die Frage gestellt, ob es wirklich gerechtfertigt sei, Kriege unter dem Zeichen des Christlichen zu führen. Im Sozialwort sei auch der Appell enthalten, dass diese Diskussion im Sinne von Friedenssicherung geführt werden muss. Bünker erinnerte auch an die friedensstiftende Arbeit der Kirchen vor 25 Jahren im Osten Deutschlands. Von den „Montagsgebeten“ sei eine friedliche Veränderung Europas ausgegangen.

Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz sprach in seinen Eröffnungsworten am Mittwochnachmittag, 9. Juli, die Rolle der christlichen Kirchen im Ersten Weltkrieg an. Die Kirchen in den Kriegsnationen hätten damals eindeutig Partei ergriffen. Sie seien nicht auf Seiten des Friedens gestanden. „Sie haben Gott für sich selbst vereinnahmt. Man tat innerhalb der eigenen Nation so, als ob das Heil nur mit den eigenen Truppen möglich gewesen wäre“, so Schwarz.

Lehner: Das Kreuz hat Schlüsselstellung im Glauben

Der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner betonte in seinem Eröffnungsstatement, dass eine Gewalterfahrung – der Tod Jesu am Kreuz – am Anfang des Christentums stehe. Das Kreuz sei Mitte des Christentums und habe eine Schlüsselstellung im Glauben. „Im Kreuz bildet sich eine Spannung ab zwischen Wahrheit und Liebe.“ Der Umgang mit diesem Kreuzestod erfordere von den Christen eine neue Umgangsform: „Jede Auflösung dieser Spannung, die die Liebe vergisst, ist ein Verrat an Jesus Christus“, sagte der Superintendent.

„Der Vorwurf der Gewaltanwendung ist nicht den Religionen, sondern den Menschen zu machen, die das Gotteswort missbrauchen“, zeigte sich der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer überzeugt. Für die Gegenwart sei ein Höchstmaß an Zusammenarbeit der Religionen notwendig, um den Frieden zu sichern. Durch die Gründung und Arbeit des Religionsbeirates im Land Oberösterreich werde hierzu ein wertvoller Beitrag geleistet.

Ökumene ist Friedensarbeit

„Ökumene ist auch Friedensarbeit, sonst ist sie keine ökumenische Arbeit“: Das war am 11. Juli der Tenor zum Abschluss der Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster, bei dem Vertreter von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche zum Spannungsfeld Religion – Gewalt Stellung nahmen. Die evangelisch-methodistische Pastorin Esther Hanna Handschin bezeichnete die ökumenische Bewegung als „das große Friedensprojekt der christlichen Kirchen“. Handschin verwies in diesem Zusammenhang auf die „Charta Oecumenica“ von 2001, in der sich die Kirchen Europas verpflichteten, jeder Form von Nationalismus entgegenzutreten und sich für gewaltfreie Lösungen einzusetzen. Einen wesentlichen Beitrag zur Friedenserziehung leisten die Kirchen vor allem im Religionsunterricht, unterstrich die Pastorin. Dasselbe Dokument nannte auch der orthodoxe Theologe Prof. Grigorios Larentzakis als eines der vielen anderen „beachtenswerten ökumenischen und auch interreligiösen Vereinbarungen“ zum Thema Frieden in den vergangenen Jahrzehnten.

Säkulare Konflikte religiös besetzt

Mit verschiedenen Aspekten religiös motivierter Gewalt beschäftigten sich die rund 400 TeilnehmerInnen am Donnerstag, 10. Juli, wobei Prof. Hans Kippenberg von der Jacobs University in Bremen auf den Nahost-Konflikt hinwies. So kam es auf israelischer Seite zu einer religiösen Begründung politischer Ansprüche auf Palästina erst im Zuge des Sechstagekrieges 1967, gefolgt von jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten. „In einen säkularen Konflikt heilsgeschichtliche Dimensionen hereinzubringen, ist gefährlich – das sehen wir in Israel“, gab der Religionswissenschaftler zu bedenken.

Kippenberg beleuchtete auch die andere Seite: Durch die im Zuge der Intifada ab 1987 gegründete Hamas habe der Nahostkonflikt auch auf muslimischer Seite eine religiöse Note erhalten. Hamas bedeute Eifer, erinnerte der Experte: „Plötzlich ist der Islam selbst Kriegspartei mit einer hoch aufgeladenen aggressiven Sprache“, und erstmals sei auf islamischer Seite ein auch religiöser Anspruch auf Palästina erhoben worden. „Auf beiden Seiten werden politische Handlungen durch die religiöse Überlieferung gedeutet und damit sakrosankt“, stellte der Forscher fest.

Abgeschlossen wurde die Sommerakademie mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche Kremsmünster.

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ISSN 2222-2464