25 Jahre Wycliff-Bibelübersetzer-Österreich

Mission als „wechselseitige Bereicherung“ – Mündlich überlieferte Sprachen werden verschriftet

St. Pölten (epd Ö) – Mission dürfe nicht im Sinn einer Einbahnstraße verstanden werden, vielmehr gehe es dabei um „wechselseitige Bereicherung“, betonte die Sprachwissenschaftlerin und Entwicklungshelferin Alice Tlustos von Wycliff-Österreich am Freitag, 17. Oktober, bei einem Pressegespräch in St. Pölten. Zwei Wochen lang tourte die Entwicklungshelferin, die selbst neun Jahr in Afrika tätig war, mit Bischof Job Mbwilo von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Tansania durch Österreich, um anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Wycliff-Österreich auf die Projekte der Organisation aufmerksam zu machen. Die 1934 von Cameron Townsend gegründete Bewegung ist eine der größten Missionsorganisationen. Wycliff arbeitet mit Sprachgemeinschaften, Universitäten und Regierungen zusammen, um mündlich überlieferte Minderheitensprachen zu verschriften, Leselernprogramme durchzuführen und die Bibel zu übersetzen.

Auf die hohe kulturelle Bedeutung der Bibelübersetzung in der Landessprache verwies der NÖ-Superintendent, Paul Weiland bei dem Pressegespräch. Der Superintendent dankte für das „intensive Engagement“, das die SprachforscherInnen vorantreibe. Job Mbwilo erzählte vom mühsamen und langwierigen Prozess, auch seine Muttersprache Wanji zu verschriften. Inzwischen gibt es die Bücher Jona und Ruth in Wanji. Dabei geht es nicht nur um die Bibelübersetzung: Die Arbeit von Wycliff trage wesentlich dazu bei, die Sprache überhaupt zu verschriften und leiste so einen entscheidenden Beitrag gegen den hohen Analphabetismus. Begonnen hat alles, „indem wir zuerst die Märchen aufgeschrieben haben“, so die Sprachwissenschaftlicherin Alice Tlustos. Das Buch Ruth sei ausgewählt worden, „weil seine biblische Kultur einem Menschen in Tansania sehr nahe“ sei, erklärte Bischof Mbwilo. Durchschnittlich braucht es 15 Jahre, um die Bücher des Neuen Testaments zu übersetzen, und rund 10 Jahre für die Bücher des Alten Testaments, dafür hofft der Bischof weiterhin auf die Unterstützung aus Österreich.

Der Name der Organisation kommt von John Wycliff, der als erster die Bibel ins Englische übersetzt hat. Wycliff als Organisation ist nicht an eine Kirche gebunden, die Arbeit wird aber von vielen Kirchengemeinden mitgetragen. Die einzelnen MitarbeiterInnen, weltweit sind es rund 6.000 Personen, gehören bewusst verschiedenen Kirchen an.

www.wycliff.at

ISSN 2222-2464