Wien: Kirchen gedachten der Novemberpogrome

Ökumenischer Gottesdienst in der Ruprechtskirche im Rahmen der Gebets- und Bedenkwoche „Mechaye Hametim“

Wien – Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche begingen die Kirchen am Abend des 9. November den Jahrestag der nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938. Wie der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl betonte, sei eine lebendige Erinnerung an die Ereignisse von großer Bedeutung, „weil man es sonst nicht glauben kann, wozu menschliche Bosheit fähig ist“. Krätzl hatte gemeinsam mit der evangelischen Hochschulpfarrerin Gerda Pfandl und dem neuen Rektor der Ruprechtskirche, P. Gernot Wisser SJ, den Gottesdienst geleitet.

Im Blick auf die Rolle der Christen während der so genannten „Reichspogromnacht“ vor 68 Jahren betonte Krätzl: „Die Geschichte macht uns beschämt darüber, was Christen damals getan haben.“ Die Gegenwart werde durch die Erinnerung stets gemahnt, „allem zu widerstehen, was heute an Ausländerfeindlichkeit und Verachtung gegenüber anders denkenden Menschen“ grassiere, sagte der Weihbischof.

Nie wieder

Auch die langjährige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Oberin Christine Gleixner, unterstrich die Bedeutung einer lebendigen Erinnerung: „Dieser Tag bewegt uns zutiefst, in dem Sinne: Nie wieder darf so etwas passieren.“

Die evangelische Hochschulpfarrerin Gerda Pfandl hob hervor, dass man noch immer lernen müsse, „mit der Last der Geschichte umzugehen“. Gedenkveranstaltungen wie der Gottesdienst in der Ruprechtskirche seien notwendig, um der Gefahr einer Wiederholung vorzubeugen, sagte Pfandl.

Im Anschluss an den Gottesdienst führte ein Schweigemarsch die Teilnehmer des Gottesdienstes zum Holocaust-Mahnmal auf dem Judenplatz, wo sie in Stille der Opfer gedachten.

Gebets- und Bedenkwoche „Mechaye Hametim“

Der Gottesdienst fand im Rahmen der traditionellen Gebets- und Bedenkwoche „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“ statt, die vom 3. bis 10. November in Wien abgehalten wurde. Im Zentrum der Bedenkwoche steht jeweils die Erinnerung an die Nacht vom 9. auf 10. November 1938, die noch immer unter dem Nazi-Ausdruck „Reichskristallnacht“ bekannt ist und in der im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört und jüdische Wohnungen verwüstet wurden. In Wien wurden in dieser Nacht insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört.

Die Bedenkwoche soll auch an jene Menschen erinnern, die nicht weggeschaut, sondern trotz persönlicher Gefahr und Unverständnis ihrer Zeitgenossen gehandelt haben. Ihr Beispiel soll als bleibende Mahnung für die Gegenwart dienen.

ISSN 2222-2464