Weltgebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Jänner

ÖRKÖ-Vorsitzender Sturm: Große Aufgaben bei interreligiösem Dialog und Integration

Wien (epd Ö) – Den interreligiösen Dialog und das Thema Integration sieht der Vorsitzende des „Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich“ ÖRKÖ), der lutherische Altbischof Herwig Sturm, als die großen kommenden Herausforderungen für die christlichen Kirchen im Land. Im Vorfeld der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ (18. bis 25. Jänner) hob Sturm vor allem die Beziehungen zum Judentum und den Dialog mit dem Islam hervor. Er verwies auf den „Tag des Judentums“, den die Kirchen jedes Jahr am 17. Jänner begehen, sowie auf eine Tagung im kommenden April in St. Pölten, zu der Vertreter aller europäischen Ökumenischen Räte geladen sind. Dabei werde es zu einer ausführlichen Begegnung mit Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich kommen, kündigte Sturm an.

Zum Thema Integration wies der ÖRKÖ-Vorsitzende darauf hin, dass die meisten christlichen Zuwanderer in Österreich bereits eigene nationale bzw. muttersprachliche Kirchengemeinden vorfinden würden. Das sei ein bedeutender Anknüpfungspunkt für eine gelungene Integration, so Altbischof Sturm.

An der traditionellen Weltgebetswoche für die Einheit der Christen beteiligen sich weltweit Christen aus unterschiedlichen Konfessionen. Höhepunkt der „Weltgebetswoche“ in Österreich ist der traditionelle Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Dieser steht heuer unter dem Motto „Damit sie eins werden in deiner Hand“ und wird am 23. Jänner in der Altkatholischen Heilandskirche (Wien 15, Rauchfangkehrergasse 12) gefeiert. Den Gottesdienst wird der evangelisch-lutherische Altbischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Herwig Sturm, gestalten, die Predigt hält der römisch-katholische Bischof der Diözese Innsbruck, Manfred Scheurer. Bereits seit 1959 veranstaltet der ÖRKÖ in der „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“ einen Gottesdienst. Dabei lädt jedes Jahr eine andere Kirche zu der Veranstaltung ein.

Ebenfalls am 23. Jänner bittet der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, Vertreter des ÖRKÖ zu einem Empfang. Am Montag, 26. Jänner, steht um 17 Uhr der diesjährige Empfang des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, im Wiener Erzbischöflichen Palais auf dem Programm. Themen beim Empfang sind u.a. die Möglichkeiten gelebter Ökumene in der Ausbildung an der Universität, die Kontakte des ÖRKÖ über die Grenzen Österreichs hinaus und eine Bilanz des 50-Jahr-Jubiläums des ÖRKÖ, das 2008 gefeiert wurde.

Die „Weltgebetswoche“ ist auch Anlass für die alljährliche „Ökumenische Fachtagung“ der Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen, die am Freitag, den 30. Jänner, im Kardinal König Haus stattfinden wird. Referenten der Tagung, die unter dem Titel „Dienen die Kirchen der Welt und dem Reich Gottes?“ steht, sind der römisch-katholisch Fundamentaltheologe Jürgen Werbick, der em. griechisch-orthodoxe Theologe Anastasios Kallis und der Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Bünker.

Die Ursprünge der „Weltgebetswoche“ gehen bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Seit 1968 werden die Themen und Texte für die Gebetswoche von einer gemeinsamen Kommission von Vertretern des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und des Ökumenischen Rates der Kirchen erarbeitet.

Trennung bei Eucharistie ist „tiefe Wunde“

Für Altbischof Sturm ist die Tatsache, „dass wir bei der Eucharistie noch immer getrennt sein müssen, obwohl wir beisammen sein wollen“, eine „ganz tiefe Wunde“ im ökumenischen Dialog. Vom Verständnis des Abendmahls und von der Auslegung der biblischen Texte her bestehe weitgehende Übereinkunft unter den Kirchen und Konfessionen, so der ÖRKÖ-Vorsitzende, wenn er auch im Detail unterschiedliche wissenschaftliche Lehrmeinungen zu bestimmten Punkten einräume.

„Mit dem Kirchenbegriff selber aber schließen die orthodoxe und die katholische Kirche einander und beide wiederum die reformatorischen Kirchen vom Abendmahl aus“, kritisierte Sturm. Er persönlich verstehe nicht, „warum die Kirchen nicht schon längst die Formel oder auch nur das betende Schweigen gefunden haben, um einander am Tisch des Herrn gastbereit einzuladen“.

Entschieden wandte sich Sturm gegen jede Kleingläubigkeit in der Ökumene und das gegenseitige Ausspielen von Kirchenbasis und Kirchenleitung. Wer sich etwa in den Gemeinden mit Berufung auf die Kirchenleitung ökumenischen Fortschritten verwehre, habe den Auftrag und das Gebet Jesu um Einheit genauso wenig verstanden wie Kirchenleitungen, die aus Angst vor Spaltungen der Kirche keine weiterführenden Schritte unternehmen würden.

Als eine der ganz großen Herausforderungen für die Kirchen sieht der ÖRKÖ-Vorsitzende auch das Bemühen um die Bewahrung der Schöpfung und mehr soziale Gerechtigkeit. Hier müssten die Kirchen gemeinsam eine Vorreiterrolle einnehmen, so Altbischof Sturm.

ISSN 2222-2464