Weiland: Evangelisch-Sein ist spannender geworden

Ökumenische Aufgabe heute: Neu und gegenseitig das Kirchenverständnis befragen – Niederösterreichische Superintendentialversammlung tagte in Annaberg

Wien-Annaberg, 4. April 2001 (epd Ö) „Mit aller Eindeutigkeit ist festzuhalten, dass Ökumene mit der römisch-katholischen Kirche so lange nicht sinnvoll ist, solange für sie die reformatorischen Kirchen nicht Kirche im eigentlichen Sinn sind. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo in der Tat wieder neu über das Kirchenverständnis nachgefragt werden muss.“ Das betonte der Superintendent der Evangelischen Kirche in Niederösterreich, Mag. Paul Weiland, in seinem Bericht auf der Superintendentialversammlung am vergangenen Wochenende in Annaberg. Dabei gehe es nicht nur darum, die Evangelische Kirche befragen zu lassen, sondern auch Dogmen, Lehren und Frömmigkeit der römisch-katholischen Kirche nach ihrer Legitimität in einer Kirche Jesu Christi zu überprüfen, so Weiland im Blick auf die Entwicklung des Papstamtes oder die bis heute geübte Ablasspraxis.

Die niederösterreichische Diözesansynode tagte am 30. und 31. März 2001 im evangelischen Gästehaus Annaberg. Schwerpunkte waren neben dem Rückblick des Superintendenten auf das Jahr 2000 konzeptionelle Überlegungen zur Führung des diözesaneigenen Hauses in Annaberg und Berichte aus den verschiedenen Arbeitszweigen der Diözese, wie z. B. des Schulamtes, des Bildungswerkes, der Diakonie, des Sektenreferats und der Telefonseelsorge.

Rede und Anwort stehen

In seinem Bericht nahm Weiland Stellung zur derzeitigen ökumenischen Situation in Österreich. Der Superintendent wies darauf hin, dass das vatikanische Dokument „Dominus Jesus“ die ökumenische Entwicklung der letzten 30 Jahre mit der römisch-katholischen Kirche „auch hier bei uns in Österreich in Frage“ stelle. Diese Entwicklungen machten es „wieder spannender, evangelischer Christ zu sein“. Die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche seien „herausgefordert, Rede und Antwort zu stehen, was Kennzeichen und Inhalt der Evangelischen Kirche ist“. Es gehöre zum Wesen der Kirche, so Weiland, dass diese Verantwortung von allen und nicht nur von den geistlichen Amtsträgern wahrgenommen werde. Evangelisch-Sein sei nicht die bequeme Form des Christseins, sondern verlange von allen, selbstverantwortlich und mündig zu sein. Es habe mit der „Lehre der Rechtfertigung“ und dem „allgemeinen Priestertum“ die Bibel auf seiner Seite.

Weiters ging der Superintendent auf die Bedeutung des Gottesdienstes ein. Er ermutigte die Delegierten der niederösterreichischen evangelischen Gemeinden, „Gottesdienste wieder bewusster zu feiern und sich damit über Zeit und Raum in die Gemeinschaft der Christen hineinzubegeben“. Weiland betonte ebenso in seinem Bericht, dass „überall dort lebendiges Gemeindeleben entsteht, wo es zur persönlichen Betroffenheit kommt“. Es könne heute aber nicht mehr erwartet werden, „dass alle Menschen von sich aus zur Kirche kommen“. Allen persönliche Begegnungen, etwa bei Haus- oder Krankenhausbesuchen, komme besondere Bedeutung zu. Die Kirche, so Weiland, müsse verstärkt zu den Menschen gehen. Besonderen Dank sprach der Superintendent den unzähligen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirche aus. Die Verantwortlichen der Gemeinden ersuchte er, diese Mitarbeiter verstärkt zu schulen und zu begleiten.

ISSN 2222-2464