Wahlkampf: Evangelische Kirche gegen Missbrauch religiöser Symbole

Wien, 12. Oktober 2005 (epd Ö) – Ihre Besorgnis über die Verwendung religiöser Symbole in Wahlauseinandersetzungen hat die Evangelische Kirche zum Ausdruck gebracht. Mit der Verwendung des Stephansdoms und der Rede von einem „Kopftuchzwang“ wie derzeit auf Wiener FPÖ-Wahlplakaten werde die aktuelle politische Auseinandersetzung durch die missbräuchliche Verwendung religiöser Symbole geführt. „Wir sehen darin eine Entwicklung, die das auf Achtung und gegenseitigem Respekt beruhende Miteinander der Religionen in unserem Land mutwillig gefährdet und aufs Spiel setzt“, heißt es in einer Stellungnahme vom 11. Oktober. Unterzeichnet ist die Stellungnahme vom lutherischen Bischof Mag. Herwig Sturm, dem reformierten Oberkirchenrat Mag. Thomas Hennefeld und dem Wiener Superintendenten Mag. Hansjörg Lein.

Durch die Formulierung „Kopftuchzwang“ werde zudem in „bedenklicher Weise“ das Menschenrecht auf freie Religionsausübung in Frage gestellt. Dass sich Kirchen und Religionsgesellschaften nicht in laufende Wahlauseinandersetzungen einmischen, gehöre zu den „selbstverständlichen Gepflogenheiten eines demokratischen Rechtsstaates“, betont die Evangelische Kirche. Gleichzeitig seien jedoch Kirchen und Religionsgesellschaften verpflichtet „dort ihre Stimmen zu erheben, wo die politisch Verantwortlichen den religiösen Frieden und das Grundrecht der Religionsfreiheit in Frage stellen“.

 

ISSN 2222-2464