Türkei: Bünker für EU-Beitrittsverhandlungen

In der „Furche“ kritisiert der lutherische Oberkirchenrat antiislamische Vorurteile, die an Antisemitismus erinnern

Wien, 19. Mai 2004 (epd Ö) „Die Türkei gilt als das ‚Tor zum Islam’. Europa sollte es nicht zuschlagen.“ Das schreibt der lutherische Oberkirchenrat Hon.Prof. Dr. Michael Bünker in einem Artikel in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitschrift „Furche“ anlässlich der Debatte zu den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, über die die EU im Dezember dieses Jahres entscheiden wird. Bünker betont: „Im Verhältnis von Europa und Islam kommt der Frage nach dem EU-Beitritt der Türkei eine entscheidende Bedeutung zu.“ Auch wenn der Beitritt noch rund 20 Jahre auf sich warten lasse, wäre mit der Aufnahme von Verhandlungen heute schon ein wichtiges Signal gesetzt.

In diesem Zusammenhang kritisiert der Oberkirchenrat, dass in der öffentlichen Diskussion zunehmend antiislamische Vorurteile kolportiert würden. Die dabei verwendeten Klischees erinnerten an den Antisemitismus des frühen 20. Jahrhunderts. „Mehr oder weniger geschlossene Ablehnung“, so Bünker in seinem Artikel, „signalisieren nun die heimischen Spitzenkandidaten für die kommende Wahl zum Europaparlament. Das ist besonders bei denen verwunderlich, die bisher als Beitrittsbefürworter aufgetreten sind. Wohl aus wahltaktischen Gründen rudern sie zurück.“

Die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei dagegen würde ein Zeichen für den Willen sein, der These des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel Huntington vom „Kampf der Kulturen“ nicht Recht zu geben.

ISSN 2222-2464