„Trauung für alle“: Intensive Debatte und Transparente

Theologie-Studierende und junge in der Kirche Engagierte brachten ihre Haltung mit Transparenten zum Ausdruck. Foto: epd/Uschmann
Theologie-Studierende und junge in der Kirche Engagierte brachten ihre Haltung mit Transparenten zum Ausdruck. Foto: epd/Uschmann

Stimmen und Stimmungen aus der Synode

Wien (epdÖ ) – Dem Beschluss zur Frage der Trauung von homosexuellen Paaren war eine fast vierstündige intensive Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen vorangegangen. Neben den Synodalen hatten auch zahlreiche Interessierte die öffentliche Debatte mitverfolgt.

Bischof Michael Bünker hatte sich zu Beginn dafür ausgesprochen, dass sich die Kirche für die Trauung für homosexuelle Paare öffnen solle: „Homosexuelle Menschen sind Mitglieder unserer Kirche. Wir sollten in dieser Diskussion auf alles verzichten, was wir diesen Menschen nicht in die Augen sagen würden.“ Bünker hob hervor, dass es zwar in der Kirche keinen Konsens in der Frage gebe, aber ein „aufrichtiges Bemühen um die Form, wie mit diesen Unterschieden umzugehen ist.“

Synodenpräsident Peter Krömer wies auf die Unterscheidung von Ehe und eingetragener Partnerschaft hin und die Notwendigkeit für die Kirche, die beiden staatlichen Rechtsinstitute zu bewerten: „Was ist für uns eine Ehe? Wie bewerten wir andere Formen des Zusammenlebens, können wir bei diesen auch eine Segnung vornehmen?“ Dies sei letztlich auch eine Frage des Schriftverständnisses. Krömer sprach sich im Sinne der kirchlichen Einheit dafür aus, dass sich die Gemeinden mit der Frage befassen.

Inwieweit die Kirche „die durch die Bibel und die Bekenntnisschriften vorgegebenen Sachverhalte abändern dürfe“ stellte der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner in Frage. Die Ehe als Verbindung von Mann und Frau versteht Lehner als Teil der Schöpfungsordnung. Auch Jesus habe die Ehe „entlang dieser Verbindung verstanden“, so Lehner.

„Unsere Kirche hat genug an Respektlosigkeit, an verachtendem und verächtlichem Umgang homosexuellen  Menschen gegenüber auf sich geladen. Es ist an der Zeit, sich davon zu verabschieden“, meinte die Vizepräsidentin der Synode, Gisela Malekpour. Es sei wesentlich, dass beide Positionen gehört und gewürdigt würden. Niemand solle mit der Angst vor drohenden Austritten Stimmung machen: „Das ist keine Art, miteinander umzugehen.“

„Es schmerzt mich, dass in vielen der geäußerten Stellungnahmen zu hören ist, dass nach den langen Diskussionen Homosexuelle immer noch unter dem Verdikt der Sünde stehen – in ihrem Wesen als Homosexuelle“, erklärte Olivier Dantine, Superintendent von Salzburg und Tirol. Dantine sprach sich dagegen aus, das Eheverständnis an die biologische Möglichkeit der Zeugung von Kindern zu binden. Der Blick solle hier vor allem auf das Kindeswohl gerichtet werden: „Was Kinder brauchen, können nicht nur leibliche Eltern bieten, sondern auch Pflege- und Adoptiveltern und Eltern in Patchworkfamilien.“

Der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg, selbst bekennender Homosexueller, forderte eine Öffnung der Kirche für alle Bevölkerungsgruppen: „Mein Bild von Kirche ist, dass wir ja zu Menschen sagen, und zu je mehr Menschen, desto besser.“ Homosexualität sei keine zeitgeistige Erscheinung, sondern Teil des Menschseins: „Auch Menschenrechte sind vielleicht modern, aber nicht zeitgeistig.“

Fritz Gattermayer, Kurator in Eferding und Mitglied der Synode, warnte, die Entscheidung „über´s Knie zu brechen“. Es gelte, die Pfarrgemeinden einzubinden, sie bräuchten mehr Zeit. Die Wiener Pfarrerin Marianne Fliegenschnee meinte dagegen: „Wir diskutieren das Thema seit 30 Jahren, es ist nicht so, dass Gemeinden darüber keine Meinung hätten.“

„Fürchtet euch nicht“, appellierte der steirische Superintendentialkurator Michael Axmann an die Gegner der Trauung für alle. „Wer kann Menschen wegschicken, die für einander einstehen, Verantwortung füreinander wahrnehmen und dafür den Segen Gottes erbitten? Sie stärken unsere Gesellschaft“, so der Grazer Rechtsanwalt, der auch den finalen Antrag zur Trauung für alle eingebracht hatte. Er sei „stolz, in einer weltoffenen Kirche zu sein, in der Menschen unterschiedlicher Überzeugung Platz haben und sie der Glaube eint.“

Rund 30 Studierende und junge, in der Kirche aktive Menschen hatten die synodale Diskussion beobachtet und mit Transparenten klar für eine Trauung homosexueller Paare Stellung bezogen. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagte der Theologiestudent Stefan Haider: „Es muss eine Bewegung in Richtung der Öffnung für eine Ehe für alle geben.“ Stephanie Faugel, die ebenfalls in Wien Theologie studiert, betonte: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Synode auch uns vertritt und dass wir ein ziemlich großer Teil und die Zukunft der Kirche sind.“

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ISSN 2222-2464