Sozialpolitik hat für Existenzsicherung zu sorgen

Ökumenische Frauen-Konsultation zum 5-Jahre-Jubiläum des Sozialwortes der Kirchen

Wien (epd Ö) – Ziel der Sozialpolitik muss sein, jeder und jedem unabhängig von der Leistungsfähigkeit ein existenzsicherndes „gutes Leben“ zu sichern. Das ist nach der römisch-katholischen Theologin Veronika Prüller-Jagenteufel das Ergebnis einer Konsultation des „Ökumenischen Forums christlicher Frauen in Österreich“, die am 3. Oktober im Albert-Schweitzer-Haus in Wien stattfand. Teilnehmerinnen der Konsultation mit dem Titel „Menschsein bedüta.ma1511006528skriw1511006528@gitf1511006528r1511006528 – Frauenblicke auf die soziale Lage in Österreich fünf Jahre nach dem Ökumenischen Sozialwort der Kirchen“ waren Vertreterinnen verschiedener christlicher Kirchen, der Katholischen Sozialakademie und Expertinnen aus dem Sozialbereich.

Michaela Moser von der Armutskonferenz forderte ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie eine deutliche Arbeitszeitverkürzung. Der Staat sei als Garant für die soziale Infrastruktur, für Bildung, und leistbare Mobilität in die Pflicht zu nehmen.

Die EU verbiete Diskriminierung am Arbeitsmarkt aufgrund von Geschlecht und Alter, dennoch seien gerade ältere Frauen nach wie vor Benachteiligungen ausgesetzt, kritisierte die Gleichbehandlungsanwältin Nikolay-Leitner. In der Privatwirtschaft würden die Einkommen von Frauen jenseits der 40 durchschnittlich sogar sinken statt steigen wie bei den Männern. Betroffene würden oft unverblümt vor die Alternative Gehaltsreduzierung oder Entlassung gestellt. Das sei ungesetzlich, so Nikolay-Leitner, und Frauen, denen so etwas widerfahre, müssten dies auch anzeigen.

Bettlerinnen sind eine Berufsgruppe

Ein Schwerpunkt der Konsultation lag auch auf Bettlerinnen und deren wichtiger Funktion, „Bedürftigkeit selbstbewusst zu Schau zu stellen“, wie Marion Thuswald vom Internationalen Versöhnungsbund-Österreich betonte. Bettlerinnen seien als Vertreterinnen einer Berufsgruppe zu betrachten, die Rechte hat.

In der Diskussion wurden die Kirchen aufgefordert, sich zu Anwältinnen gesellschaftlicher Randgruppen wie Bettlerinnen und Migrantinnen zu machen, die sonst keine Lobby hätten. Auch eine Arbeitszeitverkürzung und das „Recht auf Freiwilligenarbeit, die sich viele nicht leisten können“, müsse eingefordert werden, so der Tenor der Konsultation. Gerade vor dem Hintergrund der herrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise sei anstelle von Profitgier die Solidarität aller gefordert.

Veranstaltet wurde die Konsultation anlässlich des 5-Jahre-Jubiläums des Sozialwortes der Kirchen vom Ökumenischen Forum Christlicher Frauen, der Katholischen Sozialakademie Österreich, der Evangelischen Frauenarbeit und der Evangelischen Akademie Wien.

ISSN 2222-2464