Soziale Nachteile durch Bildung kompensieren

Eine gezielte Bildungsoffensive soll Kindern eine Zukunft trotz ihrer Herkuft aus sozial schlechter gestellten Bezirken ermöglichen. Foto: epd/Uschmann
Eine gezielte Bildungsoffensive soll Kindern eine Zukunft trotz ihrer Herkuft aus sozial schlechter gestellten Bezirken ermöglichen. Foto: epd/Uschmann

Armutskonferenz: Gesellschaftliche Herkunft bestimmt zu stark die Aufstiegschancen von Kindern

Wien (epdÖ) – Mit einer gezielten Bildungsoffensive sollen sozial benachteiligte Regionen und Wohngegenden gefördert werden: Das fordert die Armutskonferenz mit dem Modell einer „kompensatorischen Ressourcenzuteilung“, damit Kindern eine Zukunft trotz ihrer Herkunft aus sozial schlechter gestellten Bezirken ermöglicht werde. Damit könnten zwar soziale Unterschiede in der Einkommens- und Wohnsituation nicht aufgehoben werden, aber: „In den Schulen kann einiges verbessert werden“, meint der Mitbegründer der Armutskonferenz, Martin Schenk von der evangelischen Diakonie, in einer Aussendung.

Eine solche kompensatorische Mittelzuteilung habe sich etwa in den Niederlanden, in Zürich, Hamburg oder Kanada in der Praxis bewährt. Eine niedrige Stufe auf dem Sozialindex, der u.a. Bildungsstand, Beruf und Einkommen der Eltern erfasst, bedeute demnach gemäß dem Kompensationsmodell eine Mehrzuteilung schulischer Ressourcen.

Es gehe aber nicht primär um mehr Geld, sondern um eine qualitative Verbesserung der Bildungssituation in sozial schwächer gestellten Regionen, betonte Schenk: „Deswegen muss jeder Standort ein Konzept entwickeln, wie er die Ressourcen am sinnvollsten einsetzt.“ Dadurch sei zugleich ein Instrument zur Förderung schulischer Autonomie, Demokratiebewusstsein und von Anreizen für engagierte Pädagogen gegeben, erläuterte der Sozialexperte und stellvertretende Direktor der Diakonie.

Schlechte Schulleistung lasse sich nie auf eine einzige Ursache zurückführen; vielmehr sei ein Bündel von Faktoren wie Wohnungssituation, Einkommen und Bildungsstand der Eltern für Aufstiegschancen mitverantwortlich. Auffallend sei, dass elf Prozent der Volksschulen, 17 Prozent der Hauptschulen, aber nur zwei Prozent der AHS eine hohe soziale Benachteiligung aufweisen, so die Armutskonferenz. „Die soziale Herkunft bestimmt in Österreich überaus stark den weiteren Lebensweg“, so Schenk.

Schulorganisation, Unterrichtsqualität, die räumlichen Möglichkeiten von Schulen und die Qualität der Lehrerausbildung seien wesentliche Indikatoren für einen sozial inklusiven Charakter einer Bildungseinrichtung. „Es braucht einen Bildungsweg, der nicht sozial aussondert, sondern individuell fördert“, sagt Schenk.

ISSN 2222-2464