Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete frei

Bei der Kundgebung am Dienstag vor der Wiener Staatsoper. Foto: Diakonie/Lukas Plank
Bei der Kundgebung am Dienstag vor der Wiener Staatsoper. Foto: Diakonie/Lukas Plank

Riedl: Helfer retten die Ehre jedes einzelnen Menschen in Europa

Lampedusa/Hannover/Wien (epdÖ) – „Von einem Punktsieg für Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit“ spricht der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Ein italienisches Gericht hatte am Dienstag, 2. Juli, die Freilassung der deutschen Sea-Watch-Kapitänin angeordnet, Carola Rackete wurde daraufhin aus dem Hausarrest entlassen. Am 9. Juli soll sie sich einer Vernehmung stellen. Rackete selbst zeigte sich „erleichtert“, die Freilassung sei ein „großer Sieg für die Solidarität“ mit allen Migranten und Flüchtlingen.

Carola Rackete war am Samstag festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, weil sie die Sea-Watch 3 mit 40 Flüchtlingen an Bord unerlaubt in den Hafen der Insel Lampedusa gesteuert hatte. Die Festnahme der Kapitänin stieß international auf Empörung. Auch der scheidende evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker hatte sich bei seinem Abschiedsgottesdienst am Samstag unmittelbar nach Bekanntwerden der Festnahme solidarisch mit Rackete gezeigt. Mehr als eine Million Euro wurden kurzfristig in einer Spendenaktion für die Gerichtskosten und eventuell ein neues Schiff gesammelt, in Deutschland und auch in Österreich gingen zahlreiche Demonstranten für Rackete auf die Straße. In Salzburg wurde beim Staatsbesuch des italienischen Präsidenten gegen die Festnahme demonstriert, für Dienstagabend rief eine NGO-Plattform zu einer Demo in der Wiener Innenstadt auf.

Dort erinnerte der Asylexperte der Diakonie, Christoph Riedl an den EKD-Ratsvorsitzenden Bedford Strohm, der gemeint hatte: „Dass eine junge Frau in einem europäischen Land verhaftet wird, weil sie Menschenleben gerettet hat und die geretteten Menschen sicher an Land bringen will, ist eine Schande für Europa!“ Dem schloss sich Riedl an und erklärte: „Das was du, Carola Rackete, gemeinsam mit deiner Crew getan hast, und hoffentlich wieder tun wirst, ist für mich modernes Heldentum.“ SeenotretterInnen würden unter großer persönlicher Gefahr nicht nur Menschenleben retten: „Nein, sie retten auch uns. Sie retten die Ehre jedes einzelnen Menschen auf diesem europäischen Kontinent“, so Riedl. Der Schutz von Flüchtlingen sei eine völkerrechtliche Verpflichtung. Rackete habe geleitet durch ihr „Rechtsempfinden, ihren Verstand und Humanismus“ mit der Rettung „mehr Zivilcourage gezeigt, als die meisten von uns jemals im Stand wären“.

Organisiert worden war die Kundgebung, die von der Staatsoper zur Italienischen Botschaft zog, von der „Plattform für eine menschliche Asylpolitik“, die von zahlreichen NGOs und politischen Organisationen getragen wird. Deren Sprecher, Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger, hatte bereits im Vorfeld in einer Aussendung politische Verantwortung gefordert: „Einmal mehr hat die EU die Rechte dieser Menschen in Not nicht anerkannt.“ Österreich müsse sich wie alle anderen Staaten verpflichten, Gerettete und Geflüchtete aufzunehmen.

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ISSN 2222-2464