Schiefermair: Religionen müssen sich Pluralisierung stellen

"Schon in den ersten Jahrhunderten hat sich die Kirche ständig verändert, von einer geistgelenkten Gruppe hin zu einer Institution", sagte Oberkirchenrat Schiefermair bei einer Diskussion über Religion und Reform in Wien. (Foto: epd/M.Uschmann) "Schon in den ersten Jahrhunderten hat sich die Kirche ständig verändert, von einer geistgelenkten Gruppe hin zu einer Institution", sagte Oberkirchenrat Schiefermair bei einer Diskussion über Religion und Reform in Wien. (Foto: epd/M.Uschmann)
"Schon in den ersten Jahrhunderten hat sich die Kirche ständig verändert, von einer geistgelenkten Gruppe hin zu einer Institution", sagte Oberkirchenrat Schiefermair bei einer Diskussion über Religion und Reform in Wien. (Foto: epd/M.Uschmann)"Schon in den ersten Jahrhunderten hat sich die Kirche ständig verändert, von einer geistgelenkten Gruppe hin zu einer Institution", sagte Oberkirchenrat Schiefermair bei einer Diskussion über Religion und Reform in Wien. (Foto: epd/M.Uschmann)

Interreligiöses Rundgespräch über Religion und Reform in Wien

Wien (epdÖ) – „Reformation und Reform sind Teil unseres Selbstverständnisses“, erklärte der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Karl Schiefermair bei einem interreligiösen Rundgespräch zum Thema „Religion und Reform – wie viel Veränderung verträgt Religion?“ am Freitag, 16. März im Islamischen Bildungs- und Kulturzentrum Österreich (IBIKUZ) in Wien.

Schiefermair betonte, dass es bei einer Reform immer auch um die Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes gehe, so auch bei der Reformation. Gleichzeitig habe es in der Geschichte der Kirche zu allen Zeiten Reformbestrebungen gegeben. „Schon in den ersten Jahrhunderten hat sich die Kirche ständig verändert, von einer geistgelenkten Gruppe hin zu einer Institution“, so der Oberkirchenrat.

Institutionen und Traditionen hätten die Aufgabe, Menschen zu entlasten. Jede religiöse Gemeinschaft müsse sich die Frage stellen, ob sie Menschen ent- oder belastet und ob sie die Weitergabe ihrer Botschaft begünstigt und durch Glaubwürdigkeit ermöglicht. Dementsprechend sei es immer auch notwendig, religiöse Autoritäten zu hinterfragen. „Wir müssen uns der Pluralisierung stellen“, sagte Schiefermair, und betonte, dass der Protestantismus eine positive Sicht auf den Pluralismus und seine religionskritischen Seiten in den interreligiösen Dialog einbringen könne. Auf eine Wortmeldung aus dem Publikum, wonach die Aufklärung als etwas Negatives angesehen werden müsse, da sie unter anderem religionsfeindlich sei, antwortete Schiefermair deutlich: „Nein, diese Ansicht teile ich nicht. Der Aufklärung verdanken wir unter anderem, dass wir seit rund 300 Jahren keinen größeren Religionskrieg mehr in Europa hatten.“

Über den Zusammenhang von Reform und Frieden sprach der islamische Theologe Philipp Lanzl. „Friede ist nur möglich, wenn es zu einer inneren Reform im Menschen und in der Gesellschaft kommt.“ Nicht jede Veränderung stelle aber automatisch eine Verbesserung dar, merkte Lanzl an. Der Islam jedenfalls sei eine beständige Religion, eine historisch-kritische Auslegung des Koran lehne er ab. „Wer versucht, den Koran im historischen Kontext zu verstehen, argumentiert gegen den Koran“, sagte Lanzl.

Als gläubiger Mensch solle man „nicht dem Zeitgeist nachlaufen, aber Gottes Geist in der Zeit finden“, unterstrich Wolfgang Bartsch, der sich seit vielen Jahren von römisch-katholischer Seite im interreligiösen Dialog in Wien-Ottakring engagiert. „Sich auf Reformen einzulassen bedeutet auch, sich auf den Willen Gottes einzulassen“, so Bartsch. Reformen seien dabei aber niemals als Selbstzweck zu verstehen.

ISSN 2222-2464