Rosen unter Dornen

"Der Ort der Dornen, die stechen können, die blutige Wunden reißen können, in denen kein Leben mehr scheint, wird zum blühenden Leben erweckt." Foto: publicdomainpictures
"Der Ort der Dornen, die stechen können, die blutige Wunden reißen können, in denen kein Leben mehr scheint, wird zum blühenden Leben erweckt." Foto: publicdomainpictures

Michael Chalupka über eine Weihnachtsbotschaft in drei Strophen

Eine junge Frau, hochschwanger, geht durch einen Wald voller Dornen. Sieben Jahre hat er kein Laub getragen. Was für ein Bild. Der Dornwald, Sinnbild des Todes. Die Hochschwangere, Sinnbild des Lebens. Als sie durch den Dornwald geht, mit dem Kind unter dem Herzen, da tragen die Dornen plötzlich Rosen, sie beginnen zu blühen. Ein Wunder geschieht.

Das ist der Inhalt des Adventlieds „Maria durch ein Dornwald geht“. Es ist eines der beliebtesten Lieder, wird morgen, wenn die vierte Kerze entzündet wird, wieder in vielen Kirchen gesungen. Viele lieben das Lied. Es gibt Aufnahmen von Helene Fischer, den Prinzen und den Wiener Sängerknaben. In drei kurzen Strophen ist die ganze Weihnachtsbotschaft verborgen. Die Welt wird verwandelt. Der Ort der Dornen, die stechen können, die blutige Wunden reißen können, in denen kein Leben mehr scheint, wird zum blühenden Leben erweckt. Nicht durch ein Wunder, sondern etwas Alltägliches, etwas was täglich geschieht, eine Frau gebiert ein Kind, das Leben wird neu. Rosen blühen unter den Dornen.

Die Dornen am Beginn des Lebens Jesu weisen auch schon auf die Dornenkrone hin, auf Tod und Auferstehung Jesu. Am Ende blühen wieder die Rosen. So endet das Lied in seiner ursprünglichen Fassung. „Wer hat erlöst die Welt allein? Das hat getan das Christkindlein.“ Ein Lied, das sich zu singen lohnt, vor allem dann, wenn einem das Leben gerade voller Dornen zu sein scheint.

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ISSN 2222-2464