2013

Sabrina in Dormaa (Juli 2013)

Kinderstation im Spital in Dormaa Ahenkro/ Ghana (Foto: privat)
Kinderstation im Spital in Dormaa Ahenkro/ Ghana (Foto: privat)

Die Medizinstudentin Sabrina Riegler war von Ende Juni an, knapp zwei Monate im Krankenhaus in Dormaa Ahenkro in Ghana, einem Projekt, das im Rahmen der Partnerschaft vom EAWM finanziell unterstützt wird. In ihrem Bericht schreibt sie:

Ich tauchte in eine völlig neue Welt ein und im ersten Moment konnte ich es einfach nicht glauben, da man von Kind auf an einen westlichen Standard gewöhnt ist und ich bis jetzt keine ähnlichen Erfahrungen hatte. Doch mit der Zeit stellte ich fest, dass es auch mit viel einfacheren Mitteln funktionieren kann. Handschuhe, Masken und Desinfektionsmittel als Mangelware, sowie ein OP ohne EKG und nicht funktionsfähige Brutkästen im Kinderintensivzimmer für Frühgeborene. Aufgrund des Ärztemangels sind die Kompetenzen der Krankenschwestern komplett ausgereizt, so wird ein Arzt wirklich nur im äußersten Grenzfall zu Hilfe gerufen, alle anderen Maßnahmen übernehmen die Krankenschwestern und Krankenpfleger selbst. Da es nur 4 Ärzte in diesem Krankenhaus gibt, konzentriert sich ihre Tätigkeit auf die täglichen Visiten, das Stellen der Diagnose, Verordnen der Medikamente oder auf Operationen. In einem 20m² großen Krankenzimmer sind mindestens acht Personen untergebracht.

Laden Sie den gesamten Bericht als .pdf hier herunter.

 

In Ghana (Oktober 2013)

Care for every child (Foto: Kirchmeir)
Care for every child (Foto: Kirchmeir)

Seit September 2013 sind wieder zwei Volontäre in Ghana im Adumasa Link Projekt, Simone Hackl und Hanna Kirchmeir. Hanna hat , trotz teilweise schlechter Internetverbindung, einen Blog eingerichtet, in dem nachgelesen werden kann, was sie in Ghana alles erlebt. Viel Vergnügen bei der Lektüre:

http://hanna-for-ghana.blogspot.co.at

 

Hanna’s Halbzeitbericht (Jänner 2014)

Simone und Hanna am Cape Three Points (Foto: Kirchmeir)
Simone und Hanna am Cape Three Points (Foto: Kirchmeir)

Hanna Kirchmeir und Simone Hackl sind seit Oktober 2013 in Ghana und arbeiten im Adumasa Link Projekt mit.

Hanna hat eine kurze Zusammenfassung darüber geschrieben, was bisher geschah:

„Genau zu Weihnachten, am 24. Dezember, war es so weit – Halbzeit in Ghana. Drei spannende Monate waren es bis jetzt, und weitere drei sollten folgen.
September 2013: Der große Schritt Am 25. September ging das Abenteuer Ghana dann richtig los. Hanna allein auf Reisen. Die Zeit davor war richtig stressig für mich. Impfungen, Koffer packen, aber vor allem der Abschied von den Freunden, der Gemeinde und der Familie. Dadurch, dass die letzte gemeinsame Zeit so schön war, viel es mir schwer, loszulassen. Aber schlussendlich besiegten Vernunft und Neugier den Kummer und ich startete mit einem Wirrwarr an gemischten Gefühlen in einen neuen Lebensabschnitt, der alles verändern sollte. Ghana – eine neue Welt.“ Lesen Sie mehr (PDF-Datei).

 

Simone Hackl: „Hoffentlich kann ich in ein paar Jahren zurückkehren“ (Februar 2014)

Simone Hackl mit Kinder der presbyterianischen Volksschule (Foto: privat)
Simone Hackl mit Kinder der presbyterianischen Volksschule (Foto: privat)

Am 2. September begann mein Freiwilligeneinsatz in Ghana. Nach einem fast 6-stündigen Flug kam ich endlich in Accra, der Hauptstadt Ghanas, an. Obwohl es  schon dunkel war, war es immer noch sehr warm. Ich wurde herzlich von zwei Mitgliedern der Presbyterian Church of Ghana begrüßt. Dann traf ich auch auf Sandro, einem ehemaligen Freiwilligen beim  Adumasa-Link Projekt, und Manfred, seine Begleitung, die extra ihre Ghanareise so angelegt haben, damit ich die erste Zeit nicht alleine sein  musste. Wir verbrachten die erste Nacht in einem Hotel und am nächsten Tag wurde die Reise fortgesetzt. Dabei  bekam ich zum ersten Mal etwas von Ghana zu sehen und gewann einen ersten kleinen Einblick in das Land. Auf den Straßen wimmelte es von Menschen, die  ihre Waren verkauften. Angefangen bei Kochbananenchips über Bücher und Decken bis zu Autoantennen kann man auf der Straße fast alles erwerben. Auch neu war, dass man Wasser aus rechteckigen Plastiksackerln trinkt, die vielen Trotros und Autos, unter denen zu meinem Erstaunen auch sehr viele neue und teure Modelle zu finden waren, Frauen tragen ihre Babys mit bunten Tüchern um den Rücken gebunden, alles wird auf dem Kopf transportiert. Was für die Ghanaer Alltag ist, war für mich neu, fremd und aufregend.

Nach 6 Stunden Fahrt in einem sehr  komfortablen Bus, erreichten wir endlich Kumasi und trafen auf Fei, den Projektleiter. Als ich auf dem Gelände der Presbyterian Church aus dem Taxi stieg und meine Gepäckstücke aus dem Kofferraum hievte, kam gleich ein etwa 7-jähriger Junge auf mich zugelaufen und half mir, meinen Koffer zu ziehen. Das ist die Gastfreundschaft der Ghanaer, mit der ich noch viele weitere Erfahrungen gemacht habe. Am späten Abend kamen wir endlich im Gästehaus in Adumasa an, das für die folgenden fünf Monate mein Zuhause war. In den nächsten zweieinhalb Wochen gab es viel Programm, da Manfred nach Ghana kam um sich ein Bild vom Adumasa-Link Projekt zu machen. Wir besuchten die Schule, die beiden anderen Dörfer, Bedaase und Chiransa, die auch unter der Obhut des Projektes und der  Presbyterian Church stehen und reisten ein bisschen umher, damit Manfred das Land zu sehen bekam. Es gab für mich in den ersten Wochen viel zu erleben und ich musste mich an viel Neues gewöhnen: die Lautsprecher im Dorf, die schon um fünf Uhr morgens zum Einsatz kamen, ständig von Passanten angesprochen zu werden, stundenlange Gottesdienste, die Gastfreundschaft der Ghanaer aber auch deren Unpünktlichkeit, Essen einfach so am Straßenrand zu kaufen, usw. Richtig überrascht war ich aber, als ich das erste Mal den Supermarkt in Kumasi betrat. Das Angebot reichte von Leibnitz-Keksen bis zur Listerine Mundspülung. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Was mich an diesem wunderschönen Land am meisten fasziniert und begeistert hat, ist der Umgang der Menschen untereinander: wie sie sich gegenseitig unterstützen und helfen.  Dies zeigt sich in der folgenden Geschichte: Eine Wasserverkäuferin war zu langsam um einem Trotro nachzulaufen und ihr Wassersackerl zu verkaufen. Ein Passant, der am Straßenrand wartete, bemerkte dies, nahm eines der Sackerl, lief dem Fahrzeug nach, verkaufte die Ware und brachte der Verkäuferin das Geld. Diese Form der Hilfsbereitschaft ist in Österreich eher selten zu finden.

Kinder der presbyterianischen Volkkschule auf dem Spielplatz (Foto: privat)
Kinder der presbyterianischen Volkkschule auf dem Spielplatz (Foto: privat)

Aufregend war der erste Tag in der Schule. Als ich das Klassenzimmer betrat, war die Lehrerin im ersten Moment ziemlich überrascht, da sie nicht darüber informiert war, dass nun eine Freiwillige bei ihr in der Klasse mithelfen würde. Im nächsten Moment meinte sie aber, ich könne nun anfangen zu unterrichten. Gott sei Dank war Samuel, ein Mitarbeiter des Projekts, dabei und erklärte der Lehrerin, ich sei keine ausgebildete Lehrperson und die ersten Tage nur zum Beobachten hier. Nachdem ich mir die ersten zwei Tage ein Bild vom Unterricht gemacht habe, konnte ich auch schon brav mithelfen: mit den Kindern singen und basteln, auf der Tafel zeichnen, die Hausübungshefte einsammeln und korrigieren, die Kinder beim Schreiben unterstützen, das Mittagessen austeilen.

Kaum waren Sandro und Manfred abgereist, kam wenige Tage später auch schon Hanna, eine weitere Freiwillige aus Kärnten, nach Adumasa.  Obwohl ich nur 6 Tage alleine verbracht habe, habe ich sofort gemerkt, wie wichtig es ist, jemand anderen an seiner Seite zu haben, sich austauschen zu können. Wäre ich die restlichen Monate alleine gewesen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob ich bis zum Schluss geblieben wäre oder schon früher nach Hause zurück gewollt hätte.

Unterricht mit Kindern der öffentlichen Volksschule (Foto: privat)
Unterricht mit Kindern der öffentlichen Volksschule (Foto: privat)

Neben dem Unterrichten, spielten wir nachmittags mit den Kindern Fußball oder Frisbee im Garten oder malten und spielten Brettspiele mit ihnen im Gästehaus, je nachdem wie viele an unsere Tür klopften.  Zudem erledigten wir für Fei Büroarbeiten und halfen beim Streichen von Schulgebäuden und dem Spielplatz in Chiransa.

Der anstrengendste Monat während meines Freiwilligeneinsatzes war mit Abstand der November. Zum einen, weil wir begannen zwei Mal in der Woche ins Ghana National Cultural Centre zu fahren, um dort die Kunst des Batiken zu erlernen. Bei meiner Kreativität und meinem handwerklichen Geschick zwar kein allzu leichtes Unterfangen aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Zum anderen hatten wir Joanne aus England, die mit Spendengeldern und Koffer voller Spielzeug ausgestattet war, drei Wochen bei uns zu Besuch. Und Joanne hatte in diesen drei Wochen sehr viel vor. Wir verteilten die Spielsachen in den Schulen in Bedaase und Chiransa und führten zur Vorbereitung auf die eigentlichen Prüfungen für die Schüler und Schülerinnen aus der Primary in Bedaase Probeexamen durch.  Mit den mitgebrachten Geldspenden wollte Joanne für die Kinder, deren Eltern das Geld für eine Schuluniform nicht aufbringen konnten, eine kaufen. Dieses Vorhaben kostete uns viel Zeit und viele Nerven. Stunden verbrachten wir auf einem der größten Märkte in Westafrika, dem Kejetia Markt in Kumasi und wählten Schuluniformen aus. Doch als wir die Uniformen austeilten kamen immer mehr Kinder, die eine Uniform brauchten und nicht auf der zuvor angefertigten Liste standen. Also ging es am nächsten Tag wieder zurück auf den hektischen Markt und es wurden neue Schuluniformen gekauft und nicht passende umgetauscht. Auch dieses Unternehmen nahm wieder mehrere Stunden in Anspruch und sollte auch nicht der letzte Marktbesuch zwecks der Uniformen sein. Bis zu Joannes Abreise gab es immer noch Uniformen, die umgetauscht werden mussten und für zwei Kinder musste eine extra Uniform angefertigt werden, da ihnen die Einheitsmaße der Kleidung von dem Markt nicht passten.

Adventkalenderbastelrunde (Foto: privat)
Adventkalenderbastelrunde (Foto: privat)

Etwas ruhiger wurde es dann wieder in der Vorweihnachtszeit. Hanna und ich haben schon im Oktober einen Adventkalender für die Kinder vorbereitet: Ab 1. Dezember war für jeden Tag bis zum Heiligen Abend ein Bastelprogramm für die Kinder vorgesehen. Die Kinder konnten uns zwischen 17:00-18:00 besuchen und gemeinsam gestalteten wir Weihnachtskarten, Engel aus Wolle, Schneeflocken, Weihnachtssterne etc. Dabei hat man auch gemerkt, dass Basteln für die meisten Kinder nichts Alltägliches ist und sie den Umgang mit der Schere und anderen Bastelmaterialien nicht gewohnt waren. Oft hatte es auch den Anschein als würden die Kinder außer den Nationalfarben Ghanas-rot, gelb, grün- keine anderen Farben kennen. Beinahe alles Gebastelte, das die Kinder anmalen konnten, erhielt diese Farben. Aber als wir einen Nikolaus bastelten, griffen Hanna und ich hart durch und legten nur rote Farben auf den Tisch, sonst hätte der Nikolaus bestimmt einen Mantel im Ghanaflagstyle bekommen.

Weihnachtsmusik, Weihnachtspalme, Kekse, und Dekoration ließen bei uns im Gästehaus zwar Weihnachtsstimmung aufkommen aber diese verflog in dem Augenblick, in dem man das Haus verließ und der Hitze ausgesetzt war. Den Heiligen Abend verbrachten Hanna und ich im Gästehaus und feierten unter unserer Palme. Am nächsten Tag fuhren wir in die Kirche nach Kumasi und verbrachten den Nachmittag bei Fei und seiner Familie. Feis Frau Agnes verwöhnte uns wieder einmal mit einem leckeren Essen. Am 27. Dezember fuhren wir nach Brosanko, einem Dorf ohne Strom und Auto. Um in das nächste Dorf zu kommen, müssen die Einwohner, von denen die meisten Bauern sind, eine Stunde Fußmarsch auf sich nehmen. Mit den freundlichen Bewohnern feierten wir Weihnachten. Dank der großzügigen Spenden, die Hanna auftreiben konnte, war es uns möglich Kekse, Säfte und Bleistifte an die Kinder zu verschenken.  Hier sah man auch, wie unterschiedlich schnell die Entwicklung vorangeht: Während es in Brosanko, wie bereits erwähnt, noch nicht einmal an das Stromnetz angeschlossen ist, gibt es in Accra für die Wenigen, die es sich leisten können, ein Porschezentrum.

Am 30. Dezember brachen Hanna und ich dann zu einer Küstenreise auf. Die Silvesterfeier und ein paar Tage verbrachten wir in Cape Coast und im Anschluss entspannten wir an dem wunderschönen Strand in Cape Three Points. Am 5. Jänner kehrten wir auch schon wieder zurück nach Adumasa. Da war noch alles in Ordnung. Doch am nächsten Morgen fühlte ich mich schwach und mir war schlecht. Im Laufe des Tages ging es mir immer schlechter und das Fieber stieg. Am Abend beschloss ich, doch ins Krankenhaus zu fahren, wo ich dann auch zwei Nächte und eineinhalb Tage verbringen musste. Während des Aufenthaltes saßen Fei und Hanna die meiste Zeit bei mir im Zimmer und Hanna brachte mir Essen mit, da dies im Krankenhaus nicht zur Verfügung gestellt wurde. Man sagte mir zwar gleich am nächsten Morgen, ich sei nicht an Malaria erkrankt, doch welche Krankheit tatsächlich für mein Unwohlsein verantwortlich war, erfuhr ich erst bei meiner Entlassung: Salmonellen. Es dauerte ungefähr eine Woche bis ich mich erholt hatte und wieder richtig fit war.

Der neue Schulblock in Adumasa (Foto: privat)
Der neue Schulblock in Adumasa (Foto: privat)

In meiner restlichen Zeit nahmen wir uns der Bibliothek der Primary School in Adumasa an. Wir säuberten die Regale, entstaubten die Bücher, sortierten sie neu ein und reparierten kaputte Exemplare. Wir gestalteten noch ein Plakat mit den Regeln, die in der Bücherei und im Umgang mit den Büchern zu beachten sind. Leider konnte ich bei der Wiedereröffnung der Bibliothek nicht dabei sein, da meine Zeit in Ghana abgelaufen war. Der Abschied fiel mir besonders von den Kindern schwer, da mir einige besonders ans Herz gewachsen sind. Durch den Aufenthalt in Ghana habe ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen und für mich selbst viel gelernt. Hoffentlich ist es möglich, dass ich in ein paar Jahren zurückkehren kann, um zu sehen was aus einigen der Kinder geworden ist.

Simone Hackl

 

Hanna Kirchmeir: „Niemand kommt nur einmal nach Ghana“ (März 2014)

Hanna @ Monkey Village (Foto: Kirchmeir)
Hanna @ Monkey Village (Foto: Kirchmeir)

Hanna Kirchmeir ist aus Ghana zurückgekehrt. Sie war mit Simone sechs Monate dort, hat auch im Adumasa Link Projekt mitgearbeitet und berichtet:

„Obroni! Obroni! Weiße! Weiße! Hört man die Ghanaer von allen Seiten rufen. Männer, Frauen, Kinder. Anfangs winkt man noch fleißig, irgendwann wird es einem dann aber auch zu blöd, sich nach jedem zweiten Schritt umzudrehen und das Risiko auf sich zu nehmen,  in einen offenen Kanal zu fallen oder blind in einen Passanten zu laufen, womöglich noch ein Verkäufer mit kiloschweren Lasten, die er am Kopf transportiert. Als „Obroni“ bekommt man in Ghana unglaublich viel Aufmerksamkeit, mit der man erst mal umzugehen lernen muss. Das dauert natürlich eine Zeit lang, aber wie das Sprichwort besagt – „Europäer haben die Uhren, Afrikaner haben die Zeit“ – und ich war auf dem besten Wege, eine richtige „Ghanaian Lady“ zu werden.

Hanna und Prince am Lake Busomtwi (Foto: Kirchmeir)
Hanna und Prince am Lake Busomtwi (Foto: Kirchmeir)

Wenn man sechs Monate beim Adumasa Link Projekt, einem Kindergarten- und Schulprojekt nahe Kumasi mitarbeitet, erlebt man viel. Es kommt aber alles anders, als man sich das vorstellt. Ich hatte erwartet, eine fixe Aufgabe zu haben, aber dem war ganz und gar nicht so. Ich war komplett freigestellt. Simone, die zweite Freiwillige und ich, konnten uns unsere Aufgaben selbst aussuchen und uns überall einbringen. So halfen wir anfangs vor allem in den Schulen der drei Dörfer Adumasa, Bedaase und Chiransa aus und spielten oder malten am Nachmittag im großen Garten vorm Gästehaus. In Adumasa kannten die Kids meinen Namen dann bereits nach wenigen Tagen nach meiner Ankunft Ende September 2013. Und für ein „Hanna!“ oder ein „Sister Adjoa!“ drehte ich mich jedes Mal gerne um. „Wo ho te sen? – wie geht es dir? „Me ho ye!“ – mir geht‘s gut!

In der Adventszeit organisierten wir für die Kinder in Adumasa ein Adventskalender-Bastelprogramm, wo wir jeden Tag mindestens eine Stunde Weihnachtsdekoration bastelten. Zum Glück war unser Programm eher ein Geheimtipp, es war meistens eine überschaubare Anzahl von Kindern da. Trotzdem ist es ganz anders, mit ghanaischen Kindern zu basteln, als beispielsweise im Kindergottesdienst bei uns. Man muss viel besser aufpassen. Die Kinder wissen oft nicht, wie man Schere, Uhu und co. ordnungsgemäß verwendet und ich war wirklich froh, dass Simone und ich uns die Aufsicht teilen konnten. Andererseits ist es teilweiße auch viel einfacher eine große Gruppe von Kindern zu beschäftigen. Basteln kann man da allerdings vergessen. Dafür wirken hier Fußball, Frisbee oder einfach nur ein Kopf mit langen Haaren zum Flechten besser als ein Fernseher.

Das spannendste Projekt war der Bau eines neuen Klassenzimmers für die Primary 2 in Adumasa. Über 60 Kinder zwischen acht und zehn  Jahren waren in einen winzigen Raum gestopft, die vorderste Reihe begann einen halben Meter vor der Tafel und die Kinder in der letzten Reihe waren irgendwo zwischen Schulbank und Wand eingepfercht. Eigentlich wurde die Klasse von zwei Lehrerinnen betreut, es hatte aber immer nur eine Platz, die andere musste draußen warten. Der Lärmpegel war unerträglich. So konnte das nicht weitergehen. Wir beschlossen, die alte Küche, die leer stand, zum Klassenzimmer umzubauen. Die Obronis packten zum Erstaunen der Dorfbewohner fleißig mit an. Wir halfen beim Verputzen, beim Ausmalen, beim Dach reparieren und gegen Ende meines Aufenthalts hin konnte bereits im geräumigen, hellen neuen Klassenzimmer unterrichtet werden.

Brosanko (Foto: Kirchmeir)
Brosanko (Foto: Kirchmeir)

Im Februar gründete ich dann meinen „Beads-Club“. Mit elf fleißigen Mädels und Burschen aus Primary 6 und Junior High School 1, sie waren alle 13 bis 14 Jahre alt, bastelte ich viele bunte Armbänder, die ich mit nach Österreich nahm, um sie hier zu verkaufen. Mit dem Erlös sollen die Ausbildungskosten der Jugendlichen zumindest fürs nächste Jahr gedeckt werden.

Die letzten Wochen vergingen wie im Flug, und schon war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich von meinen Kollegen,  Freunden und Adoptivhunden verabschieden und einen unbeschreiblich prägenden Lebensabschnitt beenden musste, oder durfte. Wahrscheinlich wäre mir der Abschied schwerer gefallen, wenn es ein endgültiger Abschied gewesen wäre. So verließ ich Ghana Ende März mit Dankbarkeit in Herz und Seele und dem festen Plan im Kopf, wieder zurückzukehren.“