Pädagogischer Salon über Zukunft des Kindergartens

Die Institution Kindergarten steht vor vielen Herausforderungen, wurde bei einer Podiumsdiskussion in Wien deutlich. Im Bild Dagmar Petrovitsch von der Diakonie Bildung im Gespräch mit Elmar Walter von der St. Nikolausstiftung, die katholische Kindergärten betreibt. Foto: Winkler/Evang. Akademie
Die Institution Kindergarten steht vor vielen Herausforderungen, wurde bei einer Podiumsdiskussion in Wien deutlich. Im Bild Dagmar Petrovitsch von der Diakonie Bildung im Gespräch mit Elmar Walter von der St. Nikolausstiftung, die katholische Kindergärten betreibt. Foto: Winkler/Evang. Akademie

Qualität des Kindergartens hängt von Personalsituation ab

Wien (epdÖ) – „Was machen wir mit unseren Kindergärten?“, diese Frage stand im Zentrum eines Diskussionsabends mit hochkarätigen VertreterInnen aus dem Bereich der Elementarbildung und Erziehungswissenschaft am 19. Oktober in Wien. Gerade in der Bundeshauptstadt wurde in den vergangenen Monaten viel über Kindergärten diskutiert, ausgehend von der Studie zu den Islamischen Kindergärten, aber auch ausgelöst durch die missbräuchliche Verwendung von Fördergeldern durch einen privaten Kindergartenbetreiber. Im Gespräch wurde relativ schnell deutlich, dass die Institution Kindergarten vor vielen Herausforderungen steht: Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifiziertem Personal, Geldmangel, aber auch die Frage, wie Qualitätskontrolle sichergestellt werden kann.

„Die Qualität des Kindergartens hängt mit der Personalsituation eng zusammen“, erklärte Dagmar Petrovitsch von der Diakonie Bildung. „Nur wenige, die ausgebildet sind, ergreifen den Beruf. Vor allem die jungen ElementarpädagogInnen schmeißen schnell wieder hin, weil sie an sich selber gestellten Anforderungen scheitern.“ Hier brauche es viel Unterstützung seitens der Träger. Dazu komme, dass sich der Beruf in den vergangenen Jahren sehr stark gewandelt habe. Die Anforderungen der Eltern haben sich geändert, darüber hinaus nehme die Betreuung von unter dreijährigen Kindern zu. „Die PädagogInnen werden zu früh ausgebildet. Viele gehen uns auch verloren, weil sie am Ende der Ausbildung nicht den Beruf der KindergärtnerIn ergreifen, sondern ein Studium aufnehmen.“

„Ich würde mir mehr Ressourcen wünschen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr entlasten zu können“, sagte Elmar Walter von der St. Nikolausstiftung, die in katholischen Pfarren konfessionelle Kindergärten betreibt. Die Pädagoginnen und Pädagogen hätten enorm viel zu tun allein schon auf Grund der Vor- und Nachbereitungszeiten. „Wir versuchen hier gegenzuwirken, etwa indem wir Fortbildungsprogramme anbieten.“ Walter würde seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerne mehr Vorbereitungs- und Planungsstunden geben, dies sei aber mit erheblichen Kosten verbunden.

Barbara Herzog-Punzenberger (Universität Linz) plädierte für mehr öffentliche Kindergärten, da nur so eine soziale und auch sozio-ökonomische Durchmischung sichergestellt sei. Aus Untersuchungen rund um die Zusammensetzung von Schülerinnen und Schülern an Volksschulen befürchtet die Bildungs- und Migrationsforscherin auch eine „Entmischung“ im Kindergarten. „Dabei wissen wir, dass der Kindergarten wichtig ist für die Sozialisierung der Kinder. Die Frage ist, wie private Kindergärten ihre Verantwortung für die Gesellschaft wahrnehmen.“

„Die Segregation schaffen wir ganz alleine, auch ohne Kindergärten in privater Trägerschaft“, betonte Henning Schluß, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien. Die „Entmischung“ würde vor allem auch in der Volksschule passieren. Grundsätzlich spricht Schluß statt von privater Trägerschaft lieber von freier Trägerschaft. „Wir brauchen keine Privatschulen, aber wir brauchen ein öffentliches Bildungssystem, das den Namen verdient. Wenn das freie Träger machen, ist das okay. Sofern sie das für die Öffentlichkeit und im Interesse der Öffentlichkeit tun.“ Schluß hob bei der Diskussion den Unterschied zwischen öffentlich, privat und staatlich hervor. „Heißt öffentlich gleich in Trägerschaft des Staates? Wie ist das etwa mit dem öffentlichen Rundfunk?“ Bereits in der Aufklärung habe es die Überzeugung gegeben, dass Bildung weder in den Aufgabenbereich des Staates noch der Kirche falle, sondern bürgerschaftliches Engagement ausschlaggebend sei. „Öffentlichkeit ist etwas anderes als Staatlichkeit, nur bei Bildung leuchtet uns das nicht ein“, so Bildungswissenschaftler Schluß.

Die Podiumsdiskussion aus der Reihe „Der pädagogische Salon“ wurde von der Evangelischen Akademie Wien veranstaltet und von Heidemarie Lex-Nalis von der Plattform Educare moderiert.

Schlagworte: |

ISSN 2222-2464