OÖ: Altsuperintendent Hansjörg Eichmeyer 70

Landeshauptmann Pühringer und Altsuperintendent Eichmeyer (von li)
Landeshauptmann Pühringer und Altsuperintendent Eichmeyer (von li)

Eichmeyer: Christi Früchte den Menschen weiterreichen – Festgottesdienst anlässlich des 70. Geburtstages des früheren Superintendenten – LH Pühringer: Meilensteine gesetzt

Vöcklabruck (epd Ö) – „Echter christlicher Glaube darf nur durch Christus geprägt sein und nicht vermischt mit allen möglichen Glaubensrichtungen wie etwa bei einer Cuvée“, sagte der frühere Superintendent der evangelischen Diözese Oberösterreich, Hansjörg Eichmeyer, am Sonntag, 10. Jänner, in der evangelischen Kirche in Vöcklabruck. Anlässlich des 70. Geburtstages des früheren Superintendenten hatte die Superintendentur zu einem Festgottesdienst geladen, in dem Vertreter aus Kirche und Politik die Verdienste des langjährigen oberösterreichischen Superintendenten würdigten. Christus rufe dazu auf, Früchte zu tragen, damit seien aber nicht Auszeichnungen oder Titel gemeint, sagte Eichmeyer. „Die Frucht, die bleibt, ist die Liebe, und das sind auch die Früchte, die Christus meint.“ In Bezug auf die „über die Konfessionen hinwegreichenden Austritte“ meinte der Altsuperintendent, dass „wir uns bei jedem Austritt fragen müssen, ob wir zu viel auf Sitzungen oder zu viel vor dem Computer gesessen sind und uns zu wenig um die Menschen gekümmert haben“. Es sei „nie zu spät“, auf Gott zu vertrauen, Christi Liebe anzunehmen und weiterzureichen.

Bünker: Gottesdienste strahlen integrative Kraft aus

Es sei „ein Geschenk“, diesen Geburtstag an dem Ort zu feiern, an dem Eichmeyer 16 Jahre lang Pfarrer gewesen sei, betonte Bischof Michael Bünker in seiner Predigt. Eichmeyer seien immer „die schönen Gottesdienste“ wichtig gewesen, den Gottesdienst habe er als „Mitte des Gemeindelebens“ gefördert.
Bünker: „Ursache für die Schönheit eines Gottesdienstes ist, dass Gott uns anspricht.“ Es gebe sonst keinen Raum, in dem die Reichen neben den Armen und die Fremden neben den Einheimischen säßen. „Und diese Gottesdienste mit ihrer integrativen Kraft strahlen aus. Es gibt keine Zukunft ohne Herkunft“, Gott sei es, der die Tür in das Morgen öffne. „Daher gilt, dass unsere Kirche herkömmlich sein muss und noch herkömmlicher werden muss. Es ist genau das Herkömmliche, das in diese Zeit passt.“ Der Bischof berichtete in seiner Predigt auch von einem jungen Asylwerber, der eine Lebensgefährtin in Österreich gefunden habe und nun nach mehreren Jahren Aufenthalt in Österreich wieder abgeschoben werden soll. Alle Rechtsmittel seien inzwischen ausgeschöpft, „aber Rechtsstaatlichkeit und Humanität dürfen kein Gegensatz sein“.

Pühringer: Meilensteine gesetzt

Eichmeyers Wirken wurde in zahlreichen Grußworten im Anschluss an den Gottesdienst gewürdigt. „Wir haben in den vergangenen Jahren Hansjörg Eichmeyer Vieles zu verdanken“, sagte der OÖ-Landeshauptmann Josef Pühringer. Der Dienst in der Kirche sei immer auch „Dienst am Menschen“, das sei das allergrößte Verdienst von Eichmeyer, „sein ‚Dasein für die Menschen'“. Gleichwohl habe der Altsuperintendent auch „Meilensteine“ gesetzt wie den Bau des Dietrich-Bonhoeffer-Studentenwohnheims in Linz oder die Errichtung des Diözesanmuseums in Rutzenmoos. Ebenso sei Eichmeyers Einsatz für das Diakoniewerk Gallneukirchen und die Neustrukturierung des Evangelischen Bildungswerkes in Oberösterreich hervorzuheben. Der Landeshauptmann dankte für die „besonders gute Qualität“ der Ökumene in Oberösterreich, die durch besondere Persönlichkeiten erreicht worden sei. „Eine dieser Persönlichkeiten ist Hansjörg Eichmeyer gewesen. Diese funktionierende Ökumene im Land besteht nicht nur auf dem Papier, sondern ist Teil der Kultur und für viele Menschen spürbar, wie etwa in der Allianz für den freien Sonntag.“ Auch sei es mit ein Verdienst des Drängens von Eichmeyer, dass die oberösterreichische Landesausstellung 2010 in Schloss Parz in Grieskirchen auf die Geschichte der Protestanten eingehen wird.

Lehner: Ruf Gottes durch Jahrzehnte gefolgt

„Wir freuen uns, dass Eichmeyer den Ruf Gottes angenommen hat und diesem Ruf durch die Jahrzehnte gefolgt ist“, sagte der oberösterreichische Superintendent und Nachfolger Eichmeyers, Gerold Lehner. Dieser Weg habe auch durch persönliche Täler geführt und sei nicht immer einfach gewesen. „Superintendent Eichmeyer war ein engagierter und erfolgreicher Hirte seiner Diözese“, erklärte der ehemalige römisch-katholische Diözesanbischof Maximilian Aichern. „Wir hatten die gleiche Wellenlänge bei der Sorge um die Menschen und das Land.“

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der Evangelischen Kantorei Linz unter der Leitung von Kantor Kristian Schneider, Josef Eidenberger an der Trompete, Bernd Geißelbrecht an der Orgel und dem Bariton Josef Schlömicher-Thier. Die Veranstaltung moderiert hat Ulrike Eichmeyer-Schmid.

Hansjörg Eichmeyer war von 1990 bis 2005 Superintendent der Diözese Oberösterreich, seinen 70. Geburtstag feierte er am 4. Jänner.

ISSN 2222-2464