Ökumenischer Rat unterstützt Friedenseinsätze in Palästina

„Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI)
Das zweite überall sichtbare Problem sei die Mauer, die das Westjordanland von Israel trennt und großteils auf palästinensischem Gebiet verläuft, so Barbara Schruf, die am „Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI) teilnahm. (Foto: Wikipedia/Nilfanion)

Hennefeld: „Wir stehen auf der Seite jener, die sich für Frieden einsetzen“

Wien (epdÖ) – Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) unterstützt aktiv Friedensbemühungen im Heiligen Land. Seit 2010 beteiligt er sich am „Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI) und entsendet Freiwillige, die sich gemeinsam mit Friedensaktivisten aus aller Welt um ein Ende der Gewalt und ein friedliches und gerechtes Zusammenleben von Palästinensern und Israelis einsetzen. Im ÖRKÖ ist der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld für EAPPI zuständig. Der ÖRKÖ werde sein Engagement für mehr Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land fortsetzen, so Hennefeld. Zuletzt war die 28-jährige Tirolerin Barbara Schruf vor Ort im Einsatz. 2016 sollen laut Hennefeld wieder zwei Freiwillige aus Österreich an EAPPI teilnehmen.

Barbara Schruf war von September bis Dezember 2015 in Bethlehem stationiert und u.a. gemeinsam mit anderen EAPPI-Mitarbeitern regelmäßig an den Checkpoints präsent, um auf einen respektvollen und gewaltfreien Umgang der israelischen Militärs mit palästinensischen Zivilisten zu achten. Sie war auch in Schulen zugegen und begleitete Kinder auf ihrem Schulweg oder palästinensische Bauern bei ihrer Arbeit auf den Feldern.
Die Präsenz der EAPPI-Mitarbeiter helfe beispielsweise, Übergriffe von gewaltbereiten jüdischen Siedlern auf die Bauern zu unterbinden, berichtetSchruf. Sie besuchte in den umliegenden Gemeinden von Bethlehem auch zahlreiche Familien und hörte sich deren Schicksal an. Schruf und die anderen EAPPI-Mitarbeiter dokumentierten Menschenrechtsverletzungen und leiteten diese an verschiedene Behörden und Organisationen weiter.

Die Arbeit der EAPPI-Mitarbeiter werde von der Bevölkerung grundsätzlich sehr geschätzt. Freilich, Wunder wirken könnten die Freiwilligen aus aller Welt auch nicht. Rechtliche Möglichkeiten zum Einschreiten bei Menschenrechtsverletzungen haben sie nicht. „Aber die Menschen sind schon froh, dass überhaupt jemand da ist und sich ihrer Sache annimmt“, sagt die studierte Sozialpädagogin.

Manchmal gebe es auch Möglichkeiten, einzelnen Personen konkret zu helfen, sodass etwa Bauern ihr Land nicht an jüdische Siedler verlieren. Politisch sei die Situation allerdings völlig festgefahren, meint die EAPPI-Mitarbeiterin. Die Palästinenser hätten jede Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lage verloren. Das israelische Militär schütze vor allem die israelischen Siedler, so der Eindruck Schrufs.Ein schwerwiegendes Problem seien die vielen illegalen israelischen Siedlungen in Palästina, gegen die die israelischen Behörden nichts unternähmen. Das zweite überall sichtbare Problem: die Mauer, die das Westjordanland von Israel trennt und großteils auf palästinensischem Gebiet verläuft.

Das „Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI) ist eine Organisation des Weltkirchenrates mit Sitz in Genf. Es setzt sich vor Ort für ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Israelis ein. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 haben sich bereits rund 1500 Freiwillige aus aller Welt an verschiedenen Orten in Israel und Palästina für den Frieden eingesetzt.

Die österreichische Koordination für EAPPI wird von der Diakonie Auslandshilfe, dem Internationalen Versöhnungsbund und der katholischen Friedensbewegung Pax Christi im Auftrag des ÖRKÖ gemeinsam getragen. Die Einsätze der „ökumenischen Begleiter“ erfolgen ehrenamtlich und werden durch Spenden finanziert.

Die freiwilligen Begleiter stünden weder auf der Seite der Palästinenser noch auf jener der Israelis, erläutert Landessuperintendent Hennefeld. „Wir stehen auf der Seite jener, die sich für einen gerechten Frieden einsetzen, und wir sind gegen jene, die das nicht wollen“, so Hennefeld wörtlich. Diese Trennlinie verlaufe quer durch die israelische und palästinensische Bevölkerung. Er sehe EAPPI als erfolgreiche Möglichkeit, wie engagierte Zivilisten zu einer Deeskalation eines Konflikts beitragen können. Zentral sei der Schutz der Zivilbevölkerung.

Barbara Schruf bestätigt, dass die EAPPI-Mitarbeiter auch den Kontakt zu israelischen Friedensorganisationen suchen. Diese hätten es freilich in ihrem eigenen Land nicht leicht.

ISSN 2222-2464