Ökumenischer Christentag in Kärnten

Sauer: Gemeinsam für Menschenwürde und Gerechtigkeit

Klagenfurt, 25. Mai 2005 (epd Ö) – Evangelische und katholische Christinnen und Christen in Kärnten feierten am vergangenen Wochenende gemeinsam einen „Christentag“. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand das gemeinsame Feiern und die Rolle der Spiritualität in der Gesellschaft.

Der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm sieht den Christentag als „Hoffnungszeichen für die Ökumene in Österreich“. Die Ökumene habe die Kraft zum Mitgestalten, das sei auch im Sozialwort christlicher Kirchen deutlich dokumentiert, so der Bischof bei der Eröffnung am Samstag, 21. Mai, in der Klagenfurter Messehalle. In diesem Zusammenhang würdigte Sturm das verdienstvolle Wirken katholischer Ordensgemeinschaften.

Nach Ansicht des Kärntner römisch-katholischen Diözesanbischofs Alois Schwarz ist der Christentag in Klagenfurt ein „lebendiges Zeugnis des Glaubens“ und vermittle den Menschen eine Zukunftsperspektive. Für den Superintendenten der evangelisch-lutherischen Kirche in Kärnten, Manfred Sauer, ist der Christentag ein „deutliches Signal dafür, dass zu einem erfüllten Leben auch Vertrauen auf Gott, Gebet und Glaube gehören“. Das Leben der Menschen werde „gesegnet und erfüllt sein, wenn wir aus dem Evangelium leben“, erklärte Sauer vor den rund 1000 Besuchern. An der Eröffnungsfeier nahm auch Landeshauptmann Jörg Haider teil. Er erinnerte in seinen Grußworten an die vom Christentum geprägte Tradition Kärntens. Der Christentag sei ein „Zeichen der Öffnung in einer Zeit, in der den Kirchen nachgesagt wird, zu viel über Glaubenssätze und zu wenig über das zu reden, was den Menschen Hoffnung gibt“.

Krätzl: Eigene spirituelle Schätze bewusst machen

Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl rief in seinem Festvortrag dazu auf, das steigende Bedürfnis nach Religiosität in unserer Gesellschaft nicht zum Anlass für „Beruhigung und Gelassenheit“ zu nehmen. „Christen und etablierte Kirchen muss es beunruhigen, dass die Sehnsucht nach Religiosität und nach den Spuren des Wunderbaren steigt, dass man aber gleichzeitig den Kirchen die spirituelle Kompetenz für diese Sehnsüchte der Menschen nicht mehr zutraut“, stellte Krätzl fest. Es sei zu hinterfragen, ob die christlichen Kirchen sich nicht ihrer eigenen spirituellen Schätze zu wenig bewusst seien.

Barth: Schon genügend Ratgeber und Räucherstäbchen

Der evangelische Theologe Hans Martin Barth von der Universität Marburg stellte die Frage nach der Bedeutung des „Megatrends Religion“ für die Kirchen. Barth: „Spirituelle Ratgeber und Räucherstäbchen gibt es in Europa schon genug.“ Was dies für die traditionellen Kirchen bedeute, sei aber noch offen. Dem Protestantismus attestierte der Theologe, sich „relativ spröde“ gegenüber spiritueller Sehnsucht zu zeigen. Spiritualität sei heute ein „Containerbegriff“, in dem sehr viel und sehr Unterschiedliches enthalten sein könne. Der protestantische Gegenbegriff dazu ist für Barth die Frömmigkeit: „Diese versteht sich weniger als Suchbewegung, denn als Antwort auf die Herausforderungen des Lebens.“ Sie sei „vernünftig, säkular und demokratisch“ und nicht ohne Anschluss an die weltweite Kirche. Barth: „Evangelische Frömmigkeit hat ihre religiösen Seiten, aber ihre Aufgabe und eigentliche Funktion hat sie in der säkularen Welt, denn die liegt Gott am Herzen.“

Schlussveranstaltung auf voll besetzter Seebühne am Wörthersee

Bei der Schlussveranstaltung des Kärntner „Christentags“ auf der voll besetzten Klagenfurter Seebühne am Sonntagabend unterstrich Superintendent Sauer die gemeinsamen starken Wurzeln der Christen in Kärnten, „die sichtbar werden, wenn wir gemeinsam eintreten für Menschenwürde und Gerechtigkeit, für ein Miteinander der Sprachen und Kulturen, die einander befruchten und bereichern“. Kärnten könne, so Sauer, zu einem Vorzeigemodell für Europa werden, „wenn es gelingt, dass wir in wichtigen Fragen an einem Strang ziehen und das Miteinander und die Zusammenarbeit vor das Einzelkämpfertum stellen“.

Die Bedeutung des Gebets hat Bischof Alois Schwarz betont. Schwarz verwies auf die Bedeutung eines „hörenden Herzens“, um das manchmal leise Echo Gottes zu vernehmen. Beten könne dabei auf vielfältige Weise geschehen.

Das fast dreistündige Programm auf der Seebühne wurde musikalisch von Kärntner Ensembles gestaltet. „Promis“ lasen ausgewählte biblische und literarische Texte und sprachen über ihren Lebensweg und ihre Verwurzelung im Glauben. Zum Abschluss ließen Bischof Schwarz und Superintendent Sauer Luftballons mit Segenswünschen steigen.

ISSN 2222-2464