Ökumene: „Punkto Abendmahl ist noch sehr viel Weg und Arbeit notwendig“

Bei der „Langen Nacht“ wurde auch über das unterschiedliche Amtsverständnis diskutiert

Wien, (epd Ö) – „Ist das Amt des Pfarrers, der Pfarrerin Repräsentation, Prophetie oder Charisma? Wer sich darüber streitet, das sind die Evangelischen“, meinte der evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Raoul Kneucker bei einer Podiumsdiskussion über das unterschiedliche Amtsverständnis in christlichen Konfessionen, zu der Theologiestudierende der katholischen und evangelischen Fakultät am Freitagabend, 5. Juni, eingeladen hatten. Das Amtsverständnis, so der juristische Oberkirchenrat, sei eben geprägt von der Sozialisierung in einem bestimmten Land und der Modernisierung einer Organisation. Die Frage nach dem Amtsverständnis „schwebt in der Gemeinde, nicht nur im Pfarrer“. Auch in der katholischen Kirche könne nicht von dem einen Amt gesprochen werden, erklärte Ludger Müller, Professor für Kanonisches Recht an der katholischen Fakultät. „Es gibt das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen.“ Laien und Kleriker arbeiteten alle an dem einen Leib Christi. Dabei gälte es jedoch, das Spannungsverhältnis zwischen Laienpriestertum und geweihtem Priestertum auszuhalten. Das sei nicht immer leicht, unterstrich der Theologieprofessor.

„Seit Jahrzehnten höre ich, dass ich nicht mit meiner evangelischen Frau zum Abendmahl gehen kann, weil das Amtsverständnis so unterschiedlich ist“, beklagte sich eine Stimme aus dem Publikum. Für Wilhelm Pratscher, Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät ist jedoch klar: „Das Problem punkto Abendmahl liegt nicht an der evangelischen, sondern an der katholischen Kirche. Da ist noch sehr viel Weg und Arbeit notwendig.“ „Wir Evangelischen gehen davon aus, dass alle getauften Christen zum Tisch des Herrn eingeladen sind“, sagte Kneucker. Das sei von katholischer und orthodoxer Seite jedoch nicht so. Mit der Zulassung zum Abendmahl „tun sich Orthodoxe wie Katholische sehr schwer“, betonte der katholische Priester und Experte für das östliche Christentum, Rudolf Prokschi. „Meiner Meinung nach sollen Kirchen alles für verschieden konfessionelle Paare tun, die am Glauben interessiert sind und sie unterstützen.“

ISSN 2222-2464