Oberkirchenrätin Reiner: Frauen fehlen Netzwerke

Ökumenische Fachtagung über neue Perspektiven von Frauen im kirchlichen Leitungsdienst

Wien (epd Ö) – Für ein Frauennetzwerk über Konfessionen und verschiedene Professionen hinweg hat sich die evangelische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner ausgesprochen. „Solche Netzwerke sind Männern vertraut, aber uns Frauen fehlen sie weithin“, sagte die Personalreferentin im Oberkirchenrat bei einer ökumenischen Fachtagung am Freitag, 4. Februar, in Wiener Kardinal König Haus. Über „Neue Perspektiven von Frauen im kirchlichen Leitungsdienst“, so der Titel der Tagung, sprachen neben der evangelisch-lutherischen Oberkirchenrätin die rumänisch-orthodoxe Theologin Alina Patru und die Präsidentin der Frauenorden Österreichs, Sr. Kunigunde Fürst. Moderiert hat die Tagung die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel.

Reiner erinnerte an den langen Weg zur Anerkennung und Gleichberechtigung von Frauen in allen Ämtern der evangelischen Kirche: von der ersten Wiener Theologiestudentin Paula Rath (1929) über die ersten Gemeindevertretungswahlen, bei denen Frauen das passive Wahlrecht hatten (1947), bis hin zur Synode im Jahr 1980, bei der letztlich alle Paragrafen fielen, die bis dahin Frauen im geistlichen Amt diskriminiert hatten. Seit der Frauenarbeitsstudie von 1999 – sie hatte einen „verschwindenden“ Anteil von Frauen in der Pfarrerschaft festgestellt – habe sich einiges verändert. Reiner nannte die Verabschiedung der Gleichstellungsordnung (2003), die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten oder auch den Gender-Mainstreaming-Prozess im Bereich des Religionsunterrichts und des Gottesdienstes. Der Blick auf die geistlichen AmtsträgerInnen zeige nun ein anderes Bild: Heute arbeiten in der evangelischen Kirche 66 Frauen im geistlichen Amt und 197 Männer. Seit Frauen mit gleichen Rechten und Pflichten im geistlichen Amt tätig sind, „haben wir keinen schmerzenden Pfarrermangel mehr“, sagte die für das Personal verantwortliche Oberkirchenrätin. Frauen in Spitzenpositionen seien oft „double bind“. Reiner: „Sie können es niemand recht machen. Entweder sind sie sympathisch, weiblich und kooperativ, dann sind sie zu weich für den harten Job, für die schwierige Leitungsaufgabe, und der männliche Kollege meint, dem ‚Patscherl‘ immer hilfreich zur Seite stehen zu müssen. Wenn Frauen in solchen Positionen aber Entscheidungen treffen und stark agieren, womöglich auch noch eine laute Stimme haben, dann wirken sie wenig feminin und unsympathisch und haben bald alle Chancen verspielt.“ Persönlich habe sie „nie empfunden, dass ich als Frau eine Sonderstellung im Oberkirchenrat hätte, weder positiv noch negativ“.

Reiner zeigte sich zuversichtlich, dass auch künftig der weibliche Anteil an den Leitungsfunktionen zunehmen werde. Letztlich gehe es „niemals allein um Selbstbehauptung oder Erfolg“, sondern „dass wir allesamt wachsen zu Christus hin“.

Fürst: Ruf Gottes richtet sich an Männer und Frauen

Ein starkes Plädoyer für Frauen im geistlichen Amt hielt die Generaloberin der Franziskanerinnen, Kunigunde Fürst. Ohne das Engagement von Frauen würde das kirchliche Leben oft zum Stillstand kommen, bedankt würden meist nur die im Vordergrund stehenden Männer. „Persönlich bin ich davon überzeugt, dass auch Frauen die Berufung zum geistlichen Dienst und Amt haben und nicht nur Männer“, sagte Fürst. Der Ruf Gottes richte sich an Männer und Frauen, was die römisch-katholische Amtskirche jedoch nicht ernst nehme. Zwar gebe es ansatzweise positive Bemühungen, Frauen in kirchliche Führungsgremien zu berufen, letztlich hänge dies jedoch stark von den einzelnen Personen im Bischofsamt ab.

Für die Rumänisch-orthodoxe Kirche sind Frauen im geistlichen Amt derzeit „kein Thema“, berichtete die Theologin Alina Patru. Vielmehr wünscht sich die an der Universität in Sibiu arbeitende promovierte Theologin mehr Möglichkeiten für Frauen, verstärkt in der kirchlichen Öffentlichkeit aufzutreten. Die „nicht reflektierte Verbindung zwischen Autorität und Mann in einigen Köpfen“ erschwere auch ihre Lehrtätigkeit. Frauen sollten die Chance erhalten, „in der Kirche das Wort zu ergreifen, in Gremien ebenso wie in der Predigt“, forderte Patru. Die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen der Kirche könnte dieser helfen, „sich besser in der Gesellschaft zu verankern“. Frauen sollten nicht mehr als „Sonderkategorie“ betrachtet werden, sondern als „normale Mitglieder der Kirche“. „Zu dieser Normalität sollten wir gelangen“, hofft die junge Theologin.

ISSN 2222-2464