Mauthausen: Kirchen gedenken der NS-Opfer und der Retter

Ein ökumenischer Gottesdienst eröffnete am 12. Mai die Feiern zum "Internationalen Befreiungstag" im ehemaligen KZ Mauthausen. Foto: PHLouw
Ein ökumenischer Gottesdienst eröffnete am 12. Mai die Feiern zum "Internationalen Befreiungstag" im ehemaligen KZ Mauthausen. Foto: PHLouw

Ökumenischer Gottesdienst war Auftakt der internationalen Befreiungsfeier

Linz (epdÖ) – Mit einem ökumenischen Gottesdienst sind am Sonntagmorgen, 12. Mai, die Feiern zum „Internationalen Befreiungstag“ im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eröffnet worden. Den Gottesdienst in der Kapelle im Konzentrationslager gestalteten der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der Linzer römisch-katholische Bischof Ludwig Schwarz und als Vertreter der orthodoxen Kirchen Bischofsvikar Ioannis Nikolitsis.

Bischof Bünker verwies in seiner Ansprache auf die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und jene Bäume, die dort für die „Gerechten unter den Völkern“ gepflanzt wurden; „zum Gedenken an diejenigen, die Jüdinnen und Juden geholfen haben, der Verfolgung, der Erniedrigung und letztlich dem Tod zu entkommen“. Viele Namen seien dort zu lesen, „aus allen Ländern Europas und darüber hinaus, bis Vietnam und China, auch 90 Österreicher-innen und Österreicher sind darunter – und doch viel zu wenige“. Umso wichtiger sei es, „derer zu gedenken, die sich für die Verfolgten eingesetzt haben, ihnen zur Flucht verhalfen oder sie versteckten, fast immer auch unter Lebensgefahr“.

Mitgefühl und Hilfsbereitschaft sowie der Mut, der diese Menschen zu Rettern machte, hätten nicht in Sekunden entstehen können, so Bünker: „Letztlich sind es Werte, die schon sehr früh, in der Erziehung, im Vorbild der Eltern entstanden sind.“ Das könne aber nicht die einzige Erklärung sein. „Es gab ja auch solche, die keine fürsorglichen Eltern hatten, ja sogar solche, deren Eltern selbst Nationalsozialisten und Antisemiten waren“, sagte der Bischof: „Viele der Retter waren starke Persönlichkeiten, die zu ihrer eigenen Meinung und Überzeugung standen, auch gegen den Trend der Mehrheit und des herrschenden Zeitgeistes.“
Viele hätten sich schon zuvor für Arme und Hilfsbedürftige eingesetzt. Aber dann habe es auch solche wie Oskar Schindler gegeben, „die moralisch gewiss kein Vorbild gewesen sind“. Bünker: „Letztlich bleibt es ohne Antwort, aber wir können dankbar sein, dass auch uns heute diese Menschen geschenkt sind, als Vorbilder der Menschlichkeit, nicht selten auch als Vorbilder im Glauben.“

Der „Internationale Befreiungstag“ stand unter dem Themenschwerpunkt „Retterinnen und Retter“. Damit sollte besonders auf jene Menschen hingewiesen werden, die gegen die Diktatur der Nationalsozialisten Widerstand leisteten.

ISSN 2222-2464