Manfred Sauer neuer Kärntner Superintendent (2)

Sauer: Für eine Kirche mit vertrautem Gesicht

Feldkirchen-Waiern, 4. April 2001 (epd Ö) Senior Mag. Manfred Sauer ist zum Superintendenten der Evangelischen Diözese A.B. Kärnten/Osttirol gewählt worden. Die Superintendentialversammlung, in der alle Gemeinden der Diözese mit geistlichen und weltlichen Delegierten vertreten sind, wählte den 40-jährigen Pfarrer von Pörtschach am 31. März 2001 in Waiern nach neun Wahlgängen mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Weitere Kandidaten waren der Pfarrer von Lienz, DI Mag. Hans Hecht und der Pfarrer von Feld am See, Senior Mag. Michael Guttner. Vom ersten Wahlgang an konnte Sauer seinen Stimmenvorsprung halten, nach dem 7. Wahlgang hatte Hans Hecht seine Kandidatur zurückgezogen. Die Wahl war notwendig geworden, weil der bisherige Kärntner Superintendent, Mag. Joachim Rathke, nach Erreichung der Altersgrenze Ende des Jahres in den Ruhestand tritt.

„Jede der 33 Kärntner Pfarrgemeinden ist ein Kunstwerk mit eigenständigem Profil und eigener Geschichte“, erklärte Sauer beim Hearing vor den Delegierten der Kärntner Gemeinden. Es könne nicht sein, dass „mit dem alles erschlagenden Geldargument Kunstwerke abgehängt und Pfarrgemeinden eingespart werden“. Als Superintendent will sich Sauer „wie ein guter Ausstellungskurator“ um die Pfarrgemeinden kümmern, sie in ihrer Einmaligkeit sehen und nach außen vertreten. Reformpläne dürften nicht „von oben übergestülpt und nicht zu hastig entschieden werden“, warnte Sauer. „Gemeinsam, nicht einsam“ will Sauer überlegen. Der designierte Superintendent plädierte für eine „Kirche zum Anfassen, ein Kirche mit einem vertrauten Gesicht, kurzen Wegen und schlanker Bürokratie“. Als besondere Herausforderung sieht Sauer den religiösen Pluralismus. Vor diesem Hintergrund müsse die evangelische Identität mit ihrem „freien, kritischen und unabhängigen“ Element stärker hervortreten. Sauer: „Unsere Stimme als Kirche ist gefragt. Die Evangelische Kirche hat etwas zu sagen zu den heißen Themen unserer Zeit.“

„Das Glück zu erleben, bei sich selbst zu Hause sein zu können“ wünschte Sup. Mag. Joachim Rathke seinem Nachfolger. Sauer zeichne sich dadurch aus, „die Wahrheit zu sagen, aber so, dass sie der andere annehmen kann.“ Bischof Mag. Herwig Sturm sagte bei der Pressekonferenz nach der Wahl: „Wenn einem die Arbeit über dem Kopf zusammenschlägt, gilt es einen Schnorchel zu suchen, um Luft zu bekommen.“ Dass es gelinge, angesichts der neuen Herausforderungen im „größeren Raum der Gesamtverantwortung“ immer wieder auch die Privatsphäre und das Familienleben zu schützen, wünschte der Bischof. Glücklich über die drei Kandidaten zeigte sich die Superintendentialkuratorin, Dr. Helga Duffek, die die Wahl leitete: „Jeder einzelne wäre fähig gewesen, die Diözese zu führen“. Sie sei stolz, dass „bei allen Unterschieden in den Frömmigkeitsformen“ die Superintendentenwahl keine Gräben aufgerissen habe.

Zu den Aufgaben des neuen Superintendenten gehört die geistliche Führung der Diözese. Er hat die Aufsicht über die kirchlichen Ordnungen und über die schriftgemäße Verkündigung. Zu seinen bischöflichen Rechten gehören Ordination und Visitation. Seine Stellung entspricht dem Diözesanbischof in der Römisch-katholischen Kirche. Die Diözese Kärnten/Osttirol hat über 57.000 Mitglieder in 33 Pfarrgemeinden.

Manfred Sauer wurde am 20. November 1960 in Bernstein (Burgenland) geboren. Nach seinem Theologiestudium in Wien und Hamburg absolvierte er sein Lehrvikariat in Zell am See. Seit 1987 ist Sauer Pfarrer in Pörtschach. Der Kärntner Senior gehört seit 1996 auch der Synode an und ist in verschiedenen übergemeindlichen Bereichen tätig. Sauer ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter zwischen elf und sechs Jahren.

ISSN 2222-2464