Literaturpreis „Ohrenschmaus“ sucht auch heuer wieder neue Schriftsteller-Talente

Literaturwettbewerb für Menschen mit Lernbehinderungen

Wien (epd Ö) – Nach der erfolgreichen Premiere geht der Literaturpreis „Ohrenschmaus“ ins zweite Jahr. Über 100 Geschichten, Erzählungen und Gedichte wurden im Vorjahr von Menschen mit Lernbehinderungen eingereicht. Und auch heuer sucht die Jury wieder neue literarische Talente. Die Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie Österreich, Jugend am Werk, Lebenshilfe Österreich, SOB 31 und Vienna people first unterstützen als Initiativkomitee diesen Literaturpreis und stellen ihr Engagement und ihre Expertise in der Behindertenarbeit zur Verfügung. Unter der Schirmherrschaft des Autors Felix Mitterer sind Menschen mit Lernbehinderung aufgerufen, bis 30. September ihre Texte einzusenden. Bewertet werden die Beiträge durch eine prominente Jury, darunter der Autor und Journalist Heinz Janisch, die ORF-Moderatorin Barbara Rett oder der Autor Kurt Palm.

Beeindruckt von der Qualität der Texte zeigte sich Jurymitglied Heinz Janisch bei der Präsentation der Initiative am Montag, 21. April, vor Journalisten in Wien. Viele Menschen mit Down-Syndrom hätten sich an dem Wettbewerb beteiligt, erzählte der Initiator des Literaturpreises, Franz-Joseph Huainigg. Vor allem am Beginn des Lebens sei die Chancengleichheit behinderter Menschen „immer mehr in Gefahr“. Leben mit Behinderung könne auch Glück bedeuten, dies werde in den Texten deutlich transportiert. Durch die „pränatale Rasterfahndung“ kämen jedoch immer weniger Menschen mit Down-Syndrom auf die Welt, sagte der Nationalratsabgeordnete.

Für Diakonie-Direktor Michael Chalupka haben die Texte „Türen geöffnet und einen bemerkenswerten Einblick in die Welt der Autorinnen und Autoren“ gewährt. So habe etwa bei den Schülerinnen und Schülern der Orientierungsstufe des Evangelischen Diakonievereins Salzburg die Auszeichnung einen wichtigen Motivationsschub ausgelöst. Die Öffentlichkeit konnte darauf aufmerksam gemacht werden, dass auch Jugendliche mit intellektuellen Behinderungen sprachliche und literarische Fähigkeiten haben und nicht nur, wie immer wieder in Vorurteilen zu hören sei, über Begabungen im handwerklichen Bereich verfügen.

Caritas-Präsident Franz Küberl würdigte den „fulminanten Start“ der Initiative. Mit viel „Engagement und Herzblut“ hätten Menschen hier Texte, Gedichte und Lebensgeschichten verfasst. Der Literaturpreis sei zu einer „interessanten und spannenden Plattform für literarisches Schaffen geworden, weil der Mensch und sein Werk im Mittelpunkt stehen“. Von einer „preiswürdigen“ Literatur von Menschen mit Behinderungen sprach der Bundesgeschäftsführer der Lebenshilfe Östereich, Albert Brandstätter. Die TeilnehmerInnen hätten „überhaupt keine Schwierigkeiten, ihre Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, Hoffnungen, ihren Humor, ihren Schmerz in berührende Worte zu fassen“. Im Publikum anwesend war auch die Preisträgerin des Vorjahres, Renate Gradwohl aus Kindberg. Mit ihrem Gedicht „Der böse Gerhard“ hatte sie die Jury in der Kategorie Lyrik überzeugt, ein Sponsor druckte das prämierte Gedicht auf eine Sonderedition seiner Schokoladen. Heuer gehören auch die PreisträgerInnen des Vorjahres der Jury an.

Infos und Einreichbedingungen unter: www.ohrenschmaus.net

ISSN 2222-2464