Lein: Fußball nicht zur Religion hochstilisieren

Sport: ein Lernfeld, mit Niederlagen umzugehen

Wien (epd Ö) – Zur vielerorts geäußerten Ansicht, Fußball sei durchaus so etwas wie Religion, hat sich der Wiener Superintendent Hansjörg Lein geäußert.

Er teile die Ansicht nicht, dass Fußball und Religion letztlich sehr vieles gemeinsam hätten, so Lein angesichts der Endphase der Fußball-Weltmeisterschaft im Gespräch mit epd Ö und der ökumenischen Radioagentur „Studio Omega“. Dass es viele gläubige Fußballer gebe, sich zahlreiche Spieler vor dem Anpfiff bekreuzigen oder bestimmte religiös anmutende Rituale verfolgen, bedeute noch nicht, dass Fußball an sich in die Nähe von Religion gerückt werden könne. Lein: „Letztlich handelt es sich dabei doch um eine weltliche Sache. Religion geht viel tiefer, berührt den Menschen in seinem Innersten.“ Diesen Stellenwert wolle er dem Fußball nicht einräumen. Fußball sollte nicht zu einer Art „Religion“ hochstilisiert werden.

Zugleich hob der Wiener Superintendent aber auch einen sehr positiven Aspekt des Fußballs hervor: Es werde in besonderer Weise sichtbar, wie nahe Sieg und Niederlage beieinander liegen. Das gelte auch für das tägliche Leben, beruflich wie privat. „Der Sport kann hier ein gutes Lernfeld sein, wie man mit Niederlagen umgehen kann“, so Lein wörtlich. Er räumte aber doch ein, dass sich der Großteil des Fußball-Publikums wohl eher mit den Siegern identifiziere und sich hauptsächlich für diese interessiere.

Sehr kritisch äußerte sich Lein zu den Unsummen, die im Fußballsport für größere und kleinere Stars bezahlt werden. Auf der einen Seite sei das Leben von Millionen Menschen, die an Hunger und Krankheit weltweit sterben, scheinbar überhaupt nichts wert, auf der anderen Seite würden Millionen von Euro für Fußballer bezahlt, kritisierte der Wiener Superintendent.

ISSN 2222-2464