Lange Nacht der Kirchen: Buntes Programm in den Bundesländern

Wien (epd Ö) – Ein vielfältiges Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher der „Langen Nacht der Kirchen“ am Freitag, 5. Juni, auch in den Bundesländern. In Niederösterreich laden 86 Gotteshäuser zu mehr als 500 Veranstaltungen. Neben der Römisch-katholischen, Evangelischen, Altkatholischen und Serbisch-orthodoxen Kirche beteiligt sich heuer erstmals auch die Evangelisch-methodistische Kirche. Der ökumenische Eröffnungsgottesdienst wird um 18.00 Uhr in der evangelischen Kirche in St. Pölten (Julius-Raab-Promenade 8) gefeiert.

Die „Lange Nacht der Kirchen“ sei eine „ökumenische Erfolgsgeschichte“, sagte der evangelische Superintendent Paul Weiland bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 27. Mai, in St. Pölten: „Die Ökumene funktioniert in unserem Land hervorragend.“ Die „Offenheit und Vielfalt“ der Angebote zeige ein „gutes Miteinander“, wobei die jeweiligen Eigenheiten der einzelnen Kirchen bewahrt werden könnten, so Weiland. Es gebe eine Sehnsucht der Menschen, ihr Leben sinnvoll zu bewältigen, erklärte der St. Pöltner römisch-katholische Dompfarrer Norbert Burmetler: „Hier ist die Antwort der Kirche wichtig.“ So stelle sich beispielsweise auch Diözesanbischof Klaus Küng im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes den Fragen der Besucher. Erstmals nimmt auch die Evangelisch-methodistische Kirche in Niederösterreich an der „Langen Nacht der Kirchen“ teil. Er sehe darin eine „Chance, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden“, erklärte Superintendent Lothar Pöll bei der Pressekonferenz. Zugleich bedeute die Teilnahme auch eine große Herausforderung: „Wir haben keinen Kirchturm, von dem man sich abseilen kann, und keine Orgel für große Konzerte“, so Pöll. „Unsere Schätze sind die Menschen, die da sind und in dieser Nacht zur Verfügung stehen.“ Unter dem Motto „lebendig.offen.anders“ wolle sich die evangelisch-methodistische Gemeinde vorstellen. Die Verantwortlichen der „Langen Nacht“ erwarten in Niederösterreich 20.000 Besucher. Geboten wird erstmals auch ein ökumenisches Kabarett mit Superintendent Paul Weiland, dem früheren reformierten Landessuperintendenten Karner und dem Altabt des Stiftes Geras, Joachim Angerer. „Gott erfand die Ökumene – die Kirche die Probleme“ ist der Titel des „kirchlichen und ketzerischen“ Programms, das um 20.15 Uhr in der evangelischen Kirche in Waidhofen an der Thaya beginnt.

112 steirische Kirchen präsentieren sich in „Langer Nacht“

In der Steiermark laden 112 Gotteshäuser – davon allein 37 in Graz – zur Begegnung. Die „Highlights“ des Programms wurden am Dienstag, 2. Juni, bei einer Pressekonferenz präsentiert: Der Grazer Bischofsvikar und Stadtpfarrpropst Heinrich Schnuderl und die evangelisch-lutherische Pfarrerin Ulrike Frank-Schlamberger hatten dazu in die kulturell äußerst ergiebige Sakristei des Grazer Doms gebeten. Bei der bereits zum dritten Mal in der Steiermark durchgeführten „Langen Nacht“ wurden rund 700 Programmpunkte von haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern in monatelanger Arbeit vorbereitet. Im Vorjahr wurden die Angebote von 45.000 Besuchern genutzt. In der Franziskanerkirche bietet Altbischof Johann Weber ab 18.30 Uhr einen Segnungsgottesdienst für werdende Mütter und Väter an. Texte des unvergessenen Grazer Dichter-Priesters Martin Gutl liest von 19.00 bis 20.00 Uhr in der Münzgrabenkirche der Moderator Dieter Dorner. Die evangelische Bergkirche in Frohnleiten ist ab 20.00 Uhr Schauplatz von Zeitgeschichte 20 Jahre nach dem Fall der „Mauer“: Gottfried Schweizer erzählt „aus der Geschichte der evangelischen Kirche in der DDR“, die bei der politischen „Wende“ eine nicht unbedeutende Rolle spielte.

Haydn-Konzert in Eisenstadt

Dem Haydn-Jahr entsprechend gibt es in Eisenstadt ein Orgelkonzert mit Werken des Komponisten. In 40 katholischen und evangelischen Kirchen können landesweit rund 170 Veranstaltungen besucht werden. Im Vorjahr, als die „Lange Nacht der Kirchen“ erstmals auch im Burgenland als ökumenisches Projekt stattfand, konnten die heimischen Pfarren rund 14.000 Besucher anlocken. Die neun evangelischen Gemeinden, die sich beteiligen, bieten Konzerte, Diskussionsrunden, Filme, Gottesdienste oder eine Lesung mit Gedanken von Dietrich Bonhoeffer.
Ein abwechslungsreiches Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher auch in Oberösterreich. An immerhin 100 Veranstaltungsorten in 76 Kirchen werden fast 400 Programmpunkte geboten. Allein in Linz werden an 35 Veranstaltungsorten in 23 Kirchen – vor allem im Stadtzentrum und im Süden von Linz in Ebelsberg, St. Paul und in der Solarcity – rund 120 Veranstaltungen stattfinden. Das Programm ist vielseitig: von einem Gespräch mit dem Turmeremiten bis zu einem Windkanal und einem Tauchkurs in Wels. Die evangelischen Gemeinden setzen dabei einen starken musikalischen Schwerpunkt.

Lichterlabyrinth in Salzburg

In Salzburg bildet heuer die Neueröffnung des Doms nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg vor 50 Jahren den Schwerpunkt der „Langen Nacht der Kirchen“. Ein ökumenischer Gottesdienst wird dort die Nacht einläuten, Highlight ist ein Lichterlabyrinth, bei dem 700 Kerzen die Kathedrale erleuchten sollen. Den geografischen Mittelpunkt der „Langen Nacht“ wird heuer die Altstadt Salzburgs bilden, nicht zuletzt, um auch „Laufkundschaft“ ins Boot zu holen. Wie schon im Vorjahr kann auch heuer wieder auf das Panorama der Stadt vom Turm der evangelischen Christuskirche geblickt werden. Sechs Konfessionen beteiligen sich in Salzburg an der Aktion.

Von Kärnten aus strahlt die Idee der „Langen Nacht der Kirchen“ heuer erstmals auf die Nachbarländer Slowenien und Italien (Friaul) aus. Neben rund 30 Gotteshäusern in Österreichs südlichstem Bundesland nehmen in der Nacht auf den 6. Juni auch Pfarrgemeinden aus Ljubljana, Maribor, Radlje ob Dravi, Udine, Cividale sowie Gemona teil. Wie in den vergangenen Jahren ist die Initiative in Kärnten als ökumenisches Projekt organisiert – neben katholischen stehen auch evangelische und altkatholische Kirchen offen. In der evangelischen Johanneskirche in Klagenfurt warten zu jeder vollen Stunde zehnminütige Musik- und Textkollagen zum Thema „Bach und Luther“. „Diese Nacht soll uns nicht unberührt lassen“, meint Superintendent Manfred Sauer.

In Tirol, wo die „Lange Nacht der Kirchen“ zum zweiten Mal stattfindet, werden 81 Kirchen und Klöster ihre Pforten für Nachtschwärmer offen halten. Die Palette der insgesamt 266 Veranstaltungen wird von liturgischen Feiern und stillen Gebetsstunden über Orgel-, Chor- und Jugendkonzerte bis hin zu Theater- und Filmvorführungen, kirchlichen Modeschauen und Turmbesteigungen reichen. Unter anderem wird dabei die Pfarre Breitenwang im Außerfern ein mysteriöses Spiel in und um das Gotteshaus veranstalten, die evangelische Gemeinde Landeck zu einem „biblischen Kochen“ einladen und die Pfarre Allerheiligen in Innsbruck am Abend den Film „Don Camillo und Peppone“ open air zeigen. Eröffnet wird die „Lange Nacht“ mit einem ökumenischen Gottesdienst von katholischen, orthodoxen und evangelischen Christen im Innsbrucker Dom zu St. Jakob. Im vergangenen Jahr besuchten in Tirol rund 15.000 Menschen die verschiedenen Veranstaltungen.

Wien-St. Anna: Lange Nacht im Zeichen der Frauen

In der St. Anna-Kirche nahe der Wiener Oper steht heuer die lange Nacht im Zeichen der Frauen. Um 23.00 Uhr feiern Mitglieder des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen einen besonderen Gottesdienst mit Texten der schottischen Iona-Kommunität. Das vielfältige Programm in der „Frauenkirche“ steht unter dem Motto „In der Mitte der Nacht – Durchatmen und Aufbruch“.

Nähere Informationen: www.langenachtderkirchen.at

ISSN 2222-2464