Landessuperintendent Hennefeld: Kritik am neuen Islamgesetz

Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld (li) im Gespräch mit ORF-Journalist Christoph Riedl-Daser (re). Foto: Uschmann/epdÖ
Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld (li) im Gespräch mit ORF-Journalist Christoph Riedl-Daser (re). Foto: Uschmann/epdÖ

„Ich kann die Empörung der Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft verstehen“

Wien (epdÖ) – Kritisch beurteilt der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld das neue Islamgesetz, dessen Entwurf vor wenigen Wochen erstmals präsentiert wurde. „Ich kann die Empörung der Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich verstehen, die darin eine Diskriminierung sehen“, sagte Hennefeld in der ORFIII-Sendung „Das ganze Interview“ am Reformationstag, dem 31. Oktober. So klinge etwa das Verbot ausländischer Finanzierung im ersten Moment gut. Der reformierte Landessuperintendent erinnerte im Gespräch mit Christoph Riedl-Daser aber gleichzeitig daran, dass beispielsweise der reformierte ungarische Seelsorgedienst, der 1956 nach der Ungarnkrise in Österreich aufgebaut wurde, über Jahrzehnte aus der Schweiz finanziert wurde, weil in Österreich dafür das Geld fehlte. Grundsätzlich zeigt sich Hennefeld skeptisch gegenüber jeglicher staatlicher Einmischung in innere Angelegenheiten der Religionsgesellschaften.

Die Angst weiter Teile der Bevölkerung angesichts der Schreckenstaten islamischer Terroristen wie etwa der Gruppe „Islamischer Staat“ kann Hennefeld durchaus nachvollziehen. „Diese Ängste müssen wir ernst nehmen! Aber es sollte nicht so sein, dass wir Ängste bestärken, sondern wir müssen überlegen, wie wir dem entgegentreten können.“ Hier müsse vermieden werden, dass der Islam und damit islamische Mitbürgerinnen und Mitbürger unter Generalverdacht gestellt werden. Aufgabe der Kirchen sei es, in diesen Fragen klar Stellung zu beziehen. Deswegen engagierten sich Hennefeld und die reformierte Kirche auch schon seit vielen Jahren im interreligiösen Dialog. „Es geht darum, ein Signal zu setzen: Wir treten hier gemeinsam auf für ein friedliches Miteinander in unserem Land!“

In dem Interview, das im Essl-Museum in Klosterneuburg aufgezeichnet wurde, sprach sich der Landessuperintendent für ein neues Wirtschaftssystem aus, das das „Wohl der Menschen in den Vordergrund stellt“. Gerade die reformatorische Bewegung in der Schweiz habe immer Wert darauf gelegt, nicht nur die Kirche, sondern auch die Gesellschaft zu erneuern und nach sozialen Kriterien zu reformieren. „Für Calvin hatte Arbeit einen hohen Stellenwert, aber letztlich ging es ihm immer um das Gemeinwohl“, so Hennefeld. Dieser Grundgedanke ziehe sich wie ein roter Faden durch die reformierte Geschichte bis heute. Hennefeld verwies in diesem Zusammenhang auf die Vollversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Accra 2004, wo kritisch zu Fragen der Globalisierung Stellung bezogen wurde.

Doch nicht nur der Einsatz für Gerechtigkeit ist Hennefeld wichtig. Auch der Umgang mit Minderheiten sei ein bedeutendes Thema für die Evangelische Kirche H.B. in Österreich. Da man selber einer Minderheit angehöre, sei man im Umgang mit diesen besonders sensibel. Dies gelte nicht nur für religiöse Minderheiten, sondern etwa auch für den Umgang mit Homosexuellen. Seit Ende der 1990er Jahre können homosexuelle Paare in der reformierten Kirche einen Segen für ihre Partnerschaft erhalten.

Zum Thema Reformationsjubiläum 2017 betonte Hennefeld, dass dies durchaus ein Grund zum Feiern sei. In den Vordergrund der Feierlichkeiten sollte der Wertekanon gerückt werden, den die Reformation hervorgebracht habe. „Das Reformationsjubiläum ist sehr wohl ein Grund zu feiern, da hier für die Kirche ein neues Zeitalter angebrochen ist.“

Die Sendung „Das ganze Interview“ kann noch bis zum 7. November 2014 in der ORF-TVthek abgerufen werden.

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ISSN 2222-2464