• Start
  • Themen
  • Nachrichten
  • Landeshauptmann Pröll: „Unglaubliche Nähe und großes Wohlwollen zwischen Kirche und Land“

Landeshauptmann Pröll: „Unglaubliche Nähe und großes Wohlwollen zwischen Kirche und Land“

Weiland: „In Eigenverantwortung und doch Miteinander auf dem Weg“ – Schönborn: „Aus der Krise nichts gelernt“ – Ökumenisches Mittagessen im Landhaus

St. Pölten (epd Ö) – Das gute Klima der Zusammenarbeit zwischen Land und Kirchen prägte das traditionelle „Ökumenische Mittagessen“, zu dem der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll die Vertreter der Evangelischen und der Römisch-katholischen Kirche am Dienstag, 8. September, ins Landhaus geladen hatte. In seiner Ansprache betonte der Landeshauptmann die „unglaubliche Nähe und das große Wohlwollen zwischen den Kirchen und dem Land“ und versicherte, auch in der Zukunft dieses Miteinander pflegen zu wollen. Die „krisenhaften Erscheinungen“ der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass „das schnelle Geld nicht alles im menschlichen Leben ist“, bleibend seien vielmehr „die immateriellen Werte, die den Menschen ausmachen und tragen“. Den kirchlichen Würdenträgern dankte er „für Ihr Wort und Ihre Seelsorge“, die es dem Land ermöglichten, „traditionell verwurzelt und gleichzeitig mit offenem Auge nach vorne zu gehen“. Denn bei allen Entscheidungen und Herausforderungen tue man gut daran, „auch dankbar daran zu denken, dass wir den Schutz und die Begleitung von oben brauchen“. Die sozialen Einrichtungen der Kirchen bezeichnete Pröll als „wichtige Ergänzung der Arbeit des Landes“.

Kardinal Christoph Schönborn bedankte sich für die „bewährte Tradition“ des ökumenischen Mittagessens. Der Kardinal ortet in der Zivilgesellschaft eine „Sehnsucht nach einem schützenden Dach“ und eine Suche nach „Verortung und Beheimatung“. Es sei eine große Herausforderung an die Kirchen, Klöster und Glaubensgemeinschaften, „offen auf diese Erwartungshaltung zuzugehen“ statt sich abzukapseln. Manchmal fehle es am „wachen Zugehen auf die Zivilgesellschaft, die mit Religion und Glaube wenig Erfahrung hat“. Besorgt äußerte sich der Kardinal über die Arbeitslosenzahlen. Insgesamt scheine es, dass man „die Lektion aus der Krise noch nicht gelernt“ habe. Schönborn plädierte für eine Wirtschaft, die „auf Nachhaltigkeit statt auf schnelle Gewinne“ ausgerichtet sei. Hier sei die Wachsamkeit von Kirche und Politik gefordert.

Superintendent Paul Weiland bedankte sich im Namen der Evangelischen Kirche für die Einladung und zeigte sich „froh und dankbar“ über das Verhältnis von Kirche und Staat „in Eigenverantwortung, aber doch im Miteinander“. Dieses Miteinander sei „ein glaubwürdiges Zeugnis für unsere Arbeit und unsere gemeinsamen Anliegen“. In diesem Zusammenhang erinnerte der Superintendent, der gemeinsam mit Seniorin Birgit Schiller und Senior Karl-Jürgen Romanowski an dem Treffen teilnahm, an die Barmer Theologische Erklärung, die vor 75 Jahren „wegweisend“ das Verhältnis zwischen Kirche und Staat definiert habe. Die „freie Kirche im freien Staat“ habe sich auch in Österreich bewährt, so der Superintendent. Die Kirchen und der Staat seien eigenverantwortlich und doch miteinander unterwegs. Als gemeinsame Bereiche nannte Weiland hier etwa das Engagement für den freien Sonntag, den Religionsunterricht, die Militärseelsorge oder das Bewahren von Kulturgütern. Der Superintendent kündigte bei dem ökumenischen Mittagessen auch an, dass der „Weg des Buches“, ein Pilgerweg auf den Spuren der Bibelschmuggler, künftig um einen Abschnitt in Niederösterreich erweitert werden soll.

ISSN 2222-2464