Körtner: Interreligiöse Differenzerfahrung thematisieren

Blick auf die Altstadt von Jerusalem: Im Hintergrund mit goldenem Dach der Felsendom. Mit interreligiösen Differenzerfahrungen beschäftigte sich auch die Experten. Foto: Sebastian von Gehren/Pixelio.de
Blick auf die Altstadt von Jerusalem: Im Hintergrund mit goldenem Dach der Felsendom. Mit interreligiösen Differenzerfahrungen beschäftigte sich auch die Experten. Foto: Sebastian von Gehren/Pixelio.de

Kirchliche Haltung zu nichtchristlichen Religionen Thema der Experten

Wien (epdÖ) – „Wir können nicht an Christus vorbei einen Dialog mit anderen Religionen führen.“ Das erklärte der Wiener Systematische Theologe Ulrich H.J. Körtner bei seinem Vortrag im Rahmen einer ökumenischen Tagung der Theologischen Kurse zum Thema „Die Haltung der Kirchen zu den nichtchristlichen Religionen“ am 24. Februar in Wien.

Dieser Dialog müsse von Demut und Bescheidenheit geprägt sein, ist der evangelische Theologe überzeugt. Ausgangspunkt sei immer die Wahrnehmung von Verschiedenheit. In einer Theologie der Religion müsse es daher immer darum gehen, diese Differenzerfahrungen zu thematisieren. Verschiedenheit könne das Leben bunter machen, ist Körtner überzeugt. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass sie immer auch Folge von Trennung, Konflikten und eine Schuldgeschichte sei. „Daher müssen wir nachdenken über eine Hermeneutik des Fremden.“ Dabei bestehe aber immer die Gefahr, das Fremde an der anderen Religion für die eigene Religion zu vereinnahmen: „Wenn wir das Fremde nicht so stehen lassen, bemächtigen wir uns des Fremden.“ Eine Theologie der Religionen sollte also vorsichtig sein, wenn sie anderen Religionen zu nahe komme. Sie müsse in diesem Bereich besonders behutsam sein und dürfe nicht mit einer „Supertheorie“ alles und jedes aus anderen Religionen im Lichte der eigenen Perspektive als Baustein im Heilsplan Gottes sehen. Die Begegnung mit „dem Anderen“ lasse laut Körtner zwei Folgen zu: „Es kann sein, dass ich in meinem eigenen Glauben gewisser werde, es kann aber auch sein, dass ich an meinem eigenen Glauben irre werde.“

Der interreligiöse Dialog im Bereich der Ostkirchen sei vor allem durch das Verhältnis zum Islam geprägt, sagte der orthodoxe Theologe Ioan Moga in seinem Vortrag. Er sehe Tendenzen zu einem gemeinsamen Auftreten von Christentum und Islam, um ethische Grundwerte zu verteidigen. Ein gelungener interreligiöser Dialog brauche aber die ehrliche Einsicht der Grenzen und der grundlegenden Unterschiede der Religionen. „Ein Verschweigen oder Relativieren dieser Unterschiede kann dem Dialog und Konfliktlösen nicht zuträglich sein.“

Roman Siebenrock, Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, widmete sein Referat der Schrift „Nostra Aetate“, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedet wurde und sich mit der Haltung der Römisch-katholischen Kirche zu nichtchristlichen Religionen auseinandersetzt. „Nostra Aetate“ habe eine enorme Entwicklungs- und Wirkungsgeschichte, so Siebenrock. Speziell der vierte Absatz, der sich mit dem Judentum auseinandersetzt, stelle einen Bruch mit der bisherigen Tradition innerhalb der Römisch-katholischen Kirche dar. Die Schrift breche hier mit dem jahrtausendealten Antisemitismus der katholischen Kirche, greife aber, was die anderen Religionen anbelangt, „auf nichts zurück“.

ISSN 2222-2464